Kanzel der Paulinerkirche

Göttliche Eingebung?

Die Kanzel der ehemaligen Paulinerkirche verkaufen und zukünftig als Bühne für Theater und DJ-Sets nutzen? Klingt absurd, ist aber tatsächlich der neue Vorschlag des StuRa, um die von den Kürzungen betroffenen Stellen an der Universität zu retten.
Paulinum
Wird die Kanzel bald im Paulinum stehen? – Wenn es nach dem StuRa geht nicht.

Kürzungen, Kürzungen, Kürzungen – seit Wochen DAS Thema an der Universität Leipzig. Bis 2020 sollen an den sächsischen Hochschulen bis zu 1042 Stellen gestrichen werden. In Leipzig bedeutet das die Schließung der Theaterwissenschaften, der Archäologie und der physikalischen Chemie. Mit verschiedensten Protestaktionen versucht das landesweite Bündnis "Kürzer geht's nicht", die Stellenkürzungen zu bekämpfen: Fahrraddemos, Protestläufe und Demonstrationen.

Die Ideen für mögliche Rettungsaktionen werden dabei immer skurriler. Der neue Vorschlag des Student_innenRat (StuRa) lautet jetzt: Die Kanzel aus der ehemaligen Universitätskirche St. Pauli verkaufen. Damit könnten sie ihrer Meinung nach immerhin einige der bedrohten Institute vor dem Aus bewahren.

Zwei Fliegen mit einer Klappe?

Die Kanzel der Paulinerkirche, die 1986 vor der Sprengung der ehemaligen Universitätskirche gerettet wurde, wird derzeit restauriert. Lange war unklar, wo sie ihren nächsten Bestimmungsort finden würde. Doch vor einer Woche entschied die Kanzelkommission nun, dass der alte Predigtstuhl Teil des Neubaus werden solle. Bevor es allerdings so weit ist, muss noch geprüft werden, welche Auswirkungen das Raumklima des neuen Paulinums auf die fast 300 Jahre alte Kanzel haben wird. Das Nutzungs- und Klimamonitoring wird sicher einige Zeit dauern, in der die Kanzel ungenutzt sein wird, meint der StuRa. Ein Verkauf der Kanzel allerdings könnte der Uni Leipzig 104.200.000 Euro einbringen. Mit diesem Geld könnte die Uni laut StuRa „wenigstens ein paar Stellen retten“.

Puppentheater und DJ-Sets auf der Kanzel?

Sie stellen sich eine Umnutzung als Bühne für Puppentheater, DJ_ane-Sets und für den Getränkeausschank bei Veranstaltungen vor. Der Erlös aus diesen Veranstaltungen solle dann den von den Kürzungen betroffenen Stellen zugute kommen. Interesse an dem Verkauf könnte aber auch die Landeskirche haben, um die Nutzung der Kanzel zu gewährleisten. 

Kerstin Stengel, Referentin für Umbau und Datenschutz des StuRa, gibt zu, dass die Idee schon ziemlich satirisch ist. Aber dennoch würde ein ernster Kern dahinter stecken:

"Die Grundidee ist vielleicht ernst gemeint, dass man ja die Kanzel einfach sinnvoll nutzen könnte, aber natürlich ist es eine satirische Idee. DIe Kanzel ist im Besitz der Uni und es ist natürlich auch ein Kunstgegenstand, den es sich lohnt zu erhalten und auch zu zeigen. Trotzdem ist es eine sinnvolle Aktion, um darauf aufmerksam zu machen, was werden da für Ressourcen verschwendet, die eigentlich an anderer Stelle in der Lehre in der Forschung gebraucht werden können."

Dass die Landeskirche und der Paulinerverein von der Idee nicht begeistert sind, könne sie aber auch verstehen.

 

Julia Grünwald im Gespräch mit Kerstin Stengel vom StuRa der Universität Leipzig
Kanzelverkauf
 

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Pauline Bombeck
28.05.2014 - 19:51