Filmrezension

Godzilla vs. Bürokraten

Der König der Monster ist wieder da und sorgt bereits zum 29. Mal für Angst und Zerstörung. Nachdem der letzte Auftritt der Riesenechse aus den USA kam, vertreibt sich der Ehrenbürger Japans seine Freizeit nun wieder in Tokyo.
Godzilla
In der Tat, Godzilla wirkt monströs

Es ist ein normaler Vormittag in der Metropolregion Tōkyos. Die Leute arbeiten, Kinder sind in der Schule und eine riesige Eidechse legt die Stadt in Schutt und Asche. Die Handlung von Godzilla ist so simpel wie schon im ersten Film des Franchise. Und das ist kein Zufall, denn der Film soll diverse Parallelen zum Original bieten.

Wie eine Liveausstrahlung des Bundestags

Noch einmal zurück zum Anfang. Der Tag beginnt damit, dass eine vulkanähnliche Anomalie einen Unterseetunnel beschädigt. Während die Regierung einen Notfallplan entwickelt, tauchen im Fernsehen und Internet Bilder auf, die ein Tier zeigen wollen. Während man in Regierungskreisen noch darüber lacht und diese als Witz wahrnimmt, begibt sich dieses Wesen in Richtung Festland. Was hier noch wie eine zu groß geratene Echse mit Glupschaugen aussieht, wird sich im Verlauf des Films zum Abrissbeauftragten "Gojira", wie er im japanischen heißt, entwickeln. Doch Godzillas Umbaumaßnahmen werden nicht billigend hingenommen. Man begleitet stets die Politiker dabei, wie sie in Sitzungen, Büros und auf Pressekonferenzen über bürokratische Lösungen sprechen. Man sollte sich also darauf einstellen, dass gerade diese eher trockenen Szenen einen Großteil des Films ausmachen.

Falsche Erwartungen

Wer in den neuesten Ableger des Monsterklassikers geht und durchgehend Action und Godzilla erwartet, wird enttäuscht werden. Es gibt einige Szenen mit dem riesigen "Kaiju" (jap. seltsame Bestie) und die entlohnen auch die Warterei, aber sie zeichnen den Film nicht aus. Das liegt nicht zuletzt am Regisseur Hideaki Anno, der für den Anime Klassiker "Neon Genesis Evangelion" verantwortlich ist. Anno ist dafür bekannt, tief philosophische Themen, religiöse Theorien und gesellschaftliche Probleme in der Kultserie verarbeitet zu haben. Dadurch bietet Godzilla erst bei genauerem Hinsehen einen Mehrwert.

Erfrischend tiefsinnig

Man begleitet nie Protagonisten im üblichen Sinne, vielmehr werden wir Menschen als Gesellschaft zum Hauptcharakter. Es handelt sich um kein einzelnes Individuum, welches Godzilla zu bezwingen versucht, sondern stets um die Leistung eines jeden Einzelnen als Teil des großen Ganzen. Aber auch lokale Probleme Japans werden mal mehr und mal weniger beleuchtet. Als Paradebeispiele gelten hier Godzillas Radioaktivität und die Rolle des Militärs in Japan. Doch gerade das Ende des Films bietet den meisten Spielraum für Spekulationen. Die Handlung zieht ihren Reiz daraus, Interpretationsraum zu bieten und einen Wiedersehwert zu haben.

Ein Blick in die Vergangenheit

So gut "Shin Godzilla" auch für japanische Verhältnisse aussehen mag, optisch fühlt man sich eher wie im Jahr 2006. Abgesehen von Godzillas Schrei, ist die Klangkulisse keineswegs überragend. Auch der Versuch, mithilfe von Musikstücken aus dem Original Nostalgie zu erzeugen, ist missglückt. Und so bewegt sich Godzilla audiovisuell, im Vergleich zu aktuellen Filmen, im unteren Mittelfeld.

Fazit

"Shin Godzilla" ist die lang erwartete Rückkehr des Kultmonsters aus japanischer Produktion. Gerade Fans der Riesenechse oder von Regisseur Hideaki Anno werden völlig auf ihre Kosten kommen. Für alle Anderen ist der Film jedoch ein Wagnis, da es sich um kein klassisches Unterhaltungskino handelt.

 

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Philip Fiedler
05.05.2017 - 19:56
  Kultur

Titel: "Shin Godzilla"

FSK 12

Laufzeit: 120 Minuten

Regie: Hideaki Anno

Cast: Hiroki Hasegawa, Yutaka Takenouchi, Satomi Ishihara