Literatur

Glückliches Sterben

Bruno Frank und Nicolas Chamfort – Ein deutscher und ein französischer Schriftsteller, in ihrer Zeit berühmt und heute vergessen. Glückliches Sterben lässt die Zwei wieder aufleben – in den letzten Tagen ihres Lebens.
Der Roman "Glückliches Sterben"
"Glückliches Sterben" von Volker Harry Altwasser

Bruno Frank – ein vergessener Autor

Der Roman „Glückliches Sterben“ von Volker Harry Altwasser handelt davon, wie Bruno Frank (1887 – 1945) in seinen letzten Tagen die Novelle „Chamfort erzählt seinen Tod“ schreibt. Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitete Bruno Frank als Schriftsteller. Seine Novellen wurden mehrfach verfilmt, seine Dramen vom englischen König geschätzt, Hermann Hesse lobte seine Gedichte und er schrieb Drehbücher, unter anderem zu „Der Glöckner von Notre Dame“ von 1939. Nach dem Reichtagsbrand ging er ins Ausland und emigrierte zuletzt in die USA. Seine letzten Tage im Juni 1945 verbrachte Bruno Frank in der Villa Aurora seiner Freunde Lion und Marta Feuchtwanger in Los Angeles, Kalifornien. Dort diktierte er seiner Frau Elisabeth die Novelle, von der nur das erste Kapitel existiert. Er liegt seit einem Herzinfarkt im Sterben und kann aufgrund seines kritischen Zustandes nicht mehr selbst schreiben.

Nicolas Chamfort – ein Mann der Revolution

Die fiktive Novelle, an der Bruno Frank in seinen letzten Tagen arbeitet, handelt davon, wie Nicolas Chamfort (1741 – 1794) seine Biographie schreibt. Nicolas Chamfort war ein gefeierter Schriftsteller der französischen Aufklärung. Während der französischen Revolution schrieb er viele Parolen und Reden. So wird ihm der Ausspruch "guerre aux chateaux, paix aux chaumières" – "Krieg den Palästen, Friede den Hütten" – zugerechnet. Er war ein Freund der Girondisten und kam durch eine Anzeige ins Gefängnis, aus dem er erst entlassen wurde, als er sich von den Girondisten lossagte. Ihm wurde erneut mit Gefängnis gedroht, dem er mit einem Suizidversuch entging, an dessen Folgen er jedoch erst später am 13. April 1794 starb.

Der Roman

„Glückliches Sterben“ beschreibt die letzten Lebenstage Bruno Franks, in denen er mit seiner Frau Elisabeth an der Novelle geschrieben hat. Die Handlung besteht aus zwei Teilen: dem Teil in der Villa Aurora mit den Ehepaaren Frank und Feuchtwanger und der Arbeit der Franks an der Novelle und dem Teil der eigentlichen Novelle. Bei dem Schreiben des ersten Kapitels der Novelle handelt es sich um das originale erste Kapitel der Novelle. Altwasser führt in seinem Roman „Glückliches Sterben“ die Arbeit an der Novelle zu Ende.

In „Glückliches Sterben“ geht es um die letzten Tage der sterbenden Bruno Frank und Nicolas Chamfort. Sie sind beide körperlich sehr gebrechlich, können sich nur noch wenig bewegen und werden immer schwächer. So hat der Roman eine stets bedrückende Wirkung. In der Arbeit der beiden an der Novelle beziehungsweise an der Biographie zeigt sich aber das Leben, das noch in ihnen steckt. Dazu kommt, dass sie sich jeweils noch einmal an ihr ereignisreiches und turbulentes Leben erinnern. Damit zeigt sich neben dem Sterben auch immer das Leben, was das Sterben erträglicher und im gewissen Sinne auch glücklicher erscheinen lässt. Der Roman ist poetisch und bildreich, doch wirkt er nicht hochgestochen und erzählt die Geschichte auf eine angenehme Weise. An einigen Stellen wird der Roman in seinen Beschreibungen sehr erotisch und teilweise sogar makaber, was den Leser womöglich kurz aus dem Lesefluss bringt. Nichtsdestotrotz lässt der Roman die zwei Vergessenen auf eine spannende und vielseitige erneut aufleben, so dass sie glücklich sterben können. 

Thede Thießen stellt das Buch "Glückliches Sterben" vor
 
 

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Thede Thießen
22.04.2014 - 17:19
  Kultur

Der Autor Volker Harry Altwasser ist 1969 in Greifswald geboren. Nach dem Studium an dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig veröffentlichte er mehrere Bücher. Für "Glückliches Sterben" wurde mit einem Aufenthaltsstipendium in der Villa Aurora in Los Angeles ausgezeichnet.