Lohngleichheit

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Der Bundestag hat gestern erstmalig ein Gesetz zur Lohngleichheit beschlossen. In Ostdeutschland verdienen Frauen durchschnittlich neun Prozent weniger als Männer.
Frauen verdienen im Durchschnitt 21% weniger als Männer

Gestern hat der Bundestag zum ersten Mal ein Gesetz beschlossen, in dem der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ festgeschrieben wird. Firmen mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müssen nun die Lohnstruktur des Betriebs offenlegen, wenn Beschäftigte dies anfragen. Dadurch soll es den Angestellten ermöglicht werden, Ungleichheiten bei der Bezahlung zu erkennen. Allerdings müssen neben dem Grundlohn nur zwei weitere Gehaltsbestandteile offengelegt werden. Dadurch wird nicht der vollständige Lohn ersichtlich. Bekommen Frauen weniger Geld als männlichen Kollegen in der gleichen Position, können sie dagegen klagen. Firmen mit über 500 Beschäftigten müssen zudem regelmäßig Gleichstellungsberichte veröffentlichen.

Meinungen zu Gesetz gehen auseinander

Die Abgeordnete von Die Linke, Sabine Zimmermann nennt das Gesetz ein Beispiel für die Alibi-Politik der großen Koalition.

Das (Gesetz) ist überhaupt nicht ausreichend. Wir reden schon so viele Jahrzehnte über gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit und wir sind nur ganz kleine Trippelschritte weitergekommen. Dieses Gesetz wird auch nicht dazu beitragen, dass wir hier den gleichen Lohn bei gleicher Arbeit erreichen werden.

 

Sabine Zimmermann, Bundestagsabgeordnete von Die Linke

Der Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist sieht das ganz anders. 

Ich halte das Gesetz für nicht unbedingt notwendig, weil wir auch ein Antidiskriminierungsgesetz haben, das wir schon lange von der EU ratifiziert haben, wo es auch um gleiche Bezahlung geht. Allerdings will man den Weg für die Beschäftigten vereinfachen und das kann man dem Gesetz zugutehalten.

Thomas Feist, Leipziger CDU-Bundestagsabgeordneter

Die Leipziger Handelskammer sagt, das Gesetz bürde größeren mittelständischen und großen Unternehmen durch die Berichterstattungspflicht bürokratische Lasten auf. 

Lohnungleichheit seit Jahren auf hohem Niveau

In Deutschland verdienen Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger Geld als Männer. Laut dem Statistischen Bundesamt lassen sich fast drei Viertel dieses Unterschieds auf strukturelle Ursachen zurückführen. Zum Beispiel arbeiten Frauen häufiger in schlecht bezahlten Berufen, wie als Pflegekräfte und Erzieherinnen. Auch arbeiten sie öfter in Teilzeit und nehmen durch längere Babypausen Karriereeinbußen in Kauf. In Ostdeutschland scheinen diese strukturellen Unterschiede weniger zu greifen: Hier liegt der mittlere Lohnunterschied bei neun Prozent.   
 

mephisto 97.6 Redakteur Linus Benedikt Zosel über das neue Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit:

Linus Zosel über das neue Gesetz zur Lohngleichheit
Linus Zosel über das neue Gesetz zur Lohngleichheit
 

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Rebecca Kelber
31.03.2017 - 19:30

Hier gibt es einen Hintergrundartikel von Krautreporter zu den strukturellen Ursachen der Lohnungleichheit.