Sicherheit

Gewalt verhindern durch Body-Cams?

Seit mehreren Jahren ist Videoüberwachung ein Thema. Auch bei Demonstrationen wird des Öfteren gefilmt - Momentan noch mit mobilen Videokameras. Dies könnte sich bald ändern, denn mehrere Bundesländer testen gerade den Einsatz von Body-Cams.
Die Polizei ist in der Kritik
Werden sächsische Polizisten in Zukunft Bodycams tragen?

Nach den Geschehnissen im vergangenen Jahr, fühlen sich viele Menschen immer noch unwohl in großen Menschenansammlungen: Sei es auf einer Demo, einem Konzert oder einem Weihnachtsmarkt. Nun stellen sich viele die Frage: Kann vermehrte Videoüberwachung im öffentlichen Raum zur Sicherheit beitragen? Gibt es längerfristige, positive Auswirkungen?

Großbritannien zum Beispiel, ist seit Längerem Vorreiter in Sachen Videoüberwachung. Besonders London gilt als die 'CCTV'  (Closed Circuit Television) Hauptstadt Europas. Viele Verbrechen konnten so schnell aufgeklärt und teilweise auch verhindert werden. Auch viele Plätze im öffentlichen Raum werden in Deutschland überwacht. Einige fragen sich, ob das jedoch ausreicht.

Die Lösung?

Body-Cams stellen eine neue Möglichkeit dar, in unübersichtlichen Situationen das Geschehen aufzunehmen. Besonders für die Beamten im Einsatz sind sie durch ihre geringe Größe und Gewicht eine Erleichterung. Ziel hinter der neuen Technologie ist, gewalttätige Übergriffe auf Polizisten zu vermeiden. Die Nahaufnahmen sollen nicht nur Übergriffe festhalten sondern auch potentielle Täter abschrecken. In Deutschland wird die Kamera in vier Bundesländern getestet. In Leipzig startet die Testphase Ende dieses Jahres. Im Nachbarland Thüringen ist die Testphase schon voll im Gange. Dort werden Polizeiinspektionen in Erfurt, Gotha und Sonneberg mit Körperkameras ausgestattet. Es sollen die Reaktionen der Beteiligten in der Stadt sowie auf dem Land getestet werden. Laut der Pressestelle der Polizei Gotha ist die Reaktion der Beamten positiv:

Wir sind jetzt zwei Monate dabei und grundsätzlich ist die Akzeptanz unter den Beamten sehr hoch und die Kollegen freuen sich und sind immer neugierig.

 

Ein Schritt Richtung Überwachungsstaat?

Mit dem Beginn der Testphasen der Body-Cams haben sich auch Kritiker zu Wort gemeldet. Sie sollen in zwei Richtungen wirken: Also nicht nur Polizei vor Gewalt schützen, sondern Menschen auch vor polizeilicher Willkür beschützen. Die Polizisten dürfen nur basierend auf dem Polizei- oder dem Versammlungsgesetz entscheiden, wann sie die Kamera einschalten. Dennoch sieht das die Landtagsabgeordnete der Linken, Juliane Nagel, kritisch. Denn es sei für die Betroffenen nicht transparent, wann eine Situation entstehe, wo die Polizei die Kamera einschalte.

Die Body-Cams stellen ein Schritt Richtung Digitalisierung dar, die natürlich auch bei der Polizei entsteht. Die Kamera ist leichter und ist an der Uniform befestigt, somit ist sie praktischer als eine mobile Videokamera. Dank der Digitalisierung wird es in Zukunft immer neue Einsatzmittel geben, wie z.B. die automatische Kennzeichenerkennung. Mit den neuen Einsatzmitteln wächst auch die Sorge, dass eine Art Überwachungsstaat entstehen könnte. Juliane Nagel steht dem Fortschritt zwiegespalten gegenüber:

Natürlich ist mit der Digitalisierung die Angst verbunden, dass Überwachung per se eingesetzt wird und nicht mehr im Bedarfsfall und das ist, glaube ich, der Spagat den man hinkriegen muss - Digitalisierung zuzulassen, aber nicht immer zu überwachen und dann die kleinen, wenigen Fälle rauszugreifen.

Nächstes Jahr wird wahrscheinlich die Auswertung der Testphase in Sachsen durch das Saatsministerium des Innern geschehen. Dann wird auch entschieden, ob Body-Cams standardisiert eingesetzt werden.

mephisto 97.6 Redakteurinnen Anika Luthardt und Lea Heilmann haben sich mit dem Einsatz von Body-Cams beschäftigt:

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Anika Luthardt, Lea Heilmann
28.06.2017 - 23:37