Rundgang der HGB

Gesellschaftskritik trifft nackte Haut

Die Hochschule für Grafik und Buchkunst ist dafür bekannt, vielfältig und offen für jede Art der Kunst zu sein. Vergangenen Donnerstag hat der jährliche Rundgang eröffnet. Es gab viel zu sehen, unter anderem auch nackte Haut.

Zum jährlichen HGB-Rundgang verwandelt sich das ganze Gebäude in eine riesige Ausstellungsfläche. Ob Malerei, Installation, Film oder Performance: Jeder Raum hat eine andere Atmosphäre. Jede Klasse der Hochschule für Grafik und Buchkunst hat jeweils einen anderen Schwerpunkt. Von System-Design bis Bildende Kunst ist alles dabei.

Faszinierende Performance

Die Klasse Bildende Kunst hat sich dieses Jahr für das Medium Performance entschieden. Dabei stehen die Studierenden auf Podesten, die teilweise mittig im Raum stehen. Eine Künstlerin sitzt mit einem roten Bademantel bekleidet auf der Toilette, mit heruntergezogener Hose schaut sie die Gäste verblüfft an. Man fühlt sich wie ein Eindringling, da man ihre Privatsphäre stört. Eine andere Künstlerin posiert lediglich mit einer hautfarbenden Strumpfhose bekleidet auf einem erhöhten Podest. Auch bei ihrem Anblick kommt Schamgefühl auf. Das Publikum traut sich nicht richtig in den Raum hinein und bleibt an der Seite stehen. Die Künstlerinnen und Künstler zeigen die Performances in unterschiedlichen Zeitabschnitten. Bis zu drei Stunden am Stück stellen die Künstler*innen ihre Werke vor. Fasziniert von dem Mut und Durchhaltevermögen verlässen die Gäste den Raum. Fasziniert deswegen, weil nicht jeder Künstler dieses Medium der Kunst wählen würde. Raum, Zeit und die Beziehung zwischen Künstler*in und Zuschauer*in sind wesentlich für die Performance.

Abstrakte Bilder

In einem anderen Raum befinden sich unzählige Bilder an den Wänden. Es sind unterschiedliche Arbeiten, die nicht zwingend in Bezug zu einander stehen, doch meistens sind sie gegenstandslos und abstrakt. Die Kunstwerke reichen vom Boden bis zur Decke und man weiß kaum, wo man zuerst hinschauen soll.

„Das schöne Geschlecht“

"Das schöne Geschlecht" von Tobia König, Diplomarbeit
"Das schöne Geschlecht" von Tobia König

Aber nicht nur die Klassen stellen ihre Kunstwerke aus, sondern auch die Meisterschüler, die ihre Diplomarbeiten ausstellen. Tobia König zeigt in ihren Grafiken „Das schöne Geschlecht“ Variationen von männlichen Akten. Auf ihr Thema ist sie gekommen, indem sie sich kritisch mit den gesellschaftlichen Stereotypen von Mann und Frau auseinandergesetzt hat. Warum sieht man in Museen immer noch mehr weibliche Akte, anstatt Frauen als Künstlerinnen? Der weibliche Akt ist ein Schönheitsideal, doch was ist charakterisierend für den Mann? Der Mann müsse stark sein, mächtig sein und eine treibende Handlungsgewalt haben. Aber welche dieser Aussagen lassen sich im männlichen Akt wiederfinden?

Interaktion und Vielfältigkeit

Nicht nur die gesellschaftskritischen Themen, die zahlreich bei dem Rundgang aufzufinden sind, ziehen das Publikum an, sondern auch die Vielfalt der Kunst. Die Gäste des Rundganges schätzen es, die Verschiedenheit der Künstler und die Prozesse der Werke mitzubekommen. Auch die Interaktion von Künstler*innen und Besucher*innen steht im Vordergrund, denn man kann bei einer lockeren Atmosphäre in einen Dialog kommen und die Studierenden vor Ort zu ihren Kunstwerken befragen. Außerdem erfährt man mehr über die Art und Weise wie Kunst entsteht und kann sich dementsprechend auch als Nichtkenner*in der Kunst ein gutes Bild verschaffen.

Alle Informationen können Sie hier noch einmal nachhören:

Der Bericht von Gina Chamizer über den HGB-Rundgang
HGB Rundgang
 

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