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Gender-Gap, Sternchen oder Binnen-I?

Im Alltag begegnet uns Sexismus oft sprachlich. Meist sind es witzig gemeinte Sprüche oder kleine Bemerkung am Rand. Wie sexistisch gestaltet sich unsere Alltagssprache? Und worauf können wir achten?
Kann Sexismus auch mit der Sprache begegnet werden?

Hier können Sie das komplette Interview mit Lisa Lotta Damm nachhören:

mephisto 97.6 Redakteurin Sophie Rauch im Interview mit Lisa Lotta Damm, der Gleichstellungsreferentin der Uni Leipzig.
2006 RI sexistische Sprache

 

Über sexistische Sprache hat mephisto 97.6 mit Lisa Lotta Damm vom Gleichstellungsreferat des Studierenden Rates der Universität Leipzig gesprochen.

mephisto 97.6: Wie zeigt sich Sexismus in der Sprache?

Lotta: Ich würde unterscheiden zwischen sexistischer Sprache und gendergerechter Sprache. Bei der gendergerechten Sprache geht es, meines Erachtens, darum die verschiedenen Sexualitäten und Geschlechter, das heißt auch soziale Geschlechter, sichtbar zu machen. Eine sexistische Sprache wäre, so würde ich das jedenfalls verstehen, eine Sprache, die dich aufgrund deines Geschlechtes in irgendeiner Form angreift oder herabwertet. Wenn ich zu dir sage 'Du blöde Fotze.', dann ist das eine sexistische Beleidigung und bedient sich einer sexistischen Sprache.

Gendergerechte Sprache heißt auch, nicht immer das generische Maskulinum zu verwenden - also die männliche Form, die für alle gelten soll. Was kann man am generischen Maskulinum kritisieren?

Das hat einfach damit zu tun, dass wir es mit einer kapitalistischen und patriachialen Gesellschaft zu tun haben. Das wichtig ist andere Menschen und auch Frauen in den Bereichen sichtbar zu machen, an dem sie sich in einer real veränderten Gesellschaft tatsächlich bemerkbar machen, weil sich Dinge eben verändert haben. Das heißt, es ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß immer nur von Ärzten zu sprechen, zu sagen "ich habe einen Arzttermin". Es gibt einfach auch super viele Ärztinnen in dem Bereich.

Also geht es eher darum die reale Welt abzubilden, weil Frauen auch andere Positionen innehaben?

Ich würde sagen es hat einfach viel mit dem sichtbar machen zu tun. Ich denke nicht, dass, wenn wir gendern und immer von den LKW-Fahrerinnen sprechen, oder in bestimmten anderen Bereichen Wert darauf legen zu gendern, dass wir da real etwas an den gesellschaftlichen Strukturen ändern - das wird nicht der Fall sein. Da können wir auch noch so oft die weiblichen Entsprechungen verwenden. Dennoch ist es in ganz vielen Bereichen so, dass sich da etwas verändert hat und es ist wichtig, das zu benennen, weil es wichtig ist, das sichtbar zu machen.

Es gibt viele Varianten zu gendern. Man kann das generische Femininum verwenden, das Binnen-I, die Gender-Gap oder man setzt ein Sternchen. Wie entscheide ich für mich, welche die richtige Variante ist?

Es muss unterschieden werden zwischen gesprochener und geschriebener Sprache. In der gesprochenen Sprache ist es nicht ganz so leicht, die Gender-Gap und das Sternchen zu verwenden. Obwohl ich auch schon davon gehört habe, dass es Leute gibt, die das Sternchen explizit aussprechen. Ich würde sagen eine richtige Antwort habe ich auch nicht parat und es gibt verschiedene Gründe, sich für das Eine oder das Andere zu entscheiden. In erster Linie ist es erstmal wichtig, sich Gedanken darüber zu machen. Sich zu fragen, warum das überhaupt wichtig ist und dann auszuprobieren.

Wie wichtig findest du es denn, auf gendergerechte Sprache zu achten?

Ich denke, das wir mit Sprache - auch wenn es eine Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Sprache gibt -  eben nicht alle real existierende strukturelle Probleme einfach so beseitigen können. Deswegen finde ich es immer noch wichtig, ganz doll darauf zu achten, was die Person sagt, die da spricht und nicht nur wie sie etwas sagt. Es kann auch sehr einfach sein sich einer gendergerechten Sprache anzunehmen und so zu sprechen und gleichzeitig gucken wir dann vielleicht schneller darüber hinweg, wie progressiv und emazipatorisch die Standpunkte sind, die die Person inhaltlich vertritt. Das heißt, das sollte einfach niemals davon ablenken. Niemals einfach nur den Text lesen oder Leuten beim Reden zu hören und denken "Ach, die Person hat gegendert. Ok, dann hat sie auf jeden Fall schonmal gute grundlegende Standpunkte." Das muss nicht unbedingt der Fall sein, also es ist ganz wichtig immer noch auf den Inhalt zu achten: Was wird da gesagt und nicht nur wie wird das gesagt.

 

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Sophie Rauch
20.06.2017 - 11:57