Förderpreis der Kurt Wolff Stiftung

Gegen die Halbwertszeit

Büchertrends jagen Büchertrends. Darauf hat Guggolz Verlag keine Lust. Dort werden seit 2014 lieber vergessene Klassiker aus Nord- und Osteuropa neu verlegt und übersetzt.
Sebastian Guggolz
mephisto 97.6 Moderatorin Eva Wittekind im Gespräch mit dem Verleger Sebastian Guggolz

Die einen Verlage überschütten den Markt mit potentiellen Bestsellern, manche davon beißen sich in den Stühlen der Bestseller-Listen fest, andere versinken binnen kürzester Zeit im riesigen Haufen des unübersichtlichen Literaturmarktes. Diesen Büchern droht, was vielen vor ihnen geschehen ist: Sie werden vergessen. „Was sagt das über die Qualität dieser Bücher? Nichts.“, das schreibt Sebastian Guggolz. Er ist der Gründer des Berliner Guggolz Verlags, der dieses Jahr mit dem Förderpreis der Kurt Wolff Stiftung auf der Leipziger Buchmesse geehrt wird.

Es hat den Anschein, als habe das Vergessene einen besonderen Charme auf Sebastian Guggolz. Deswegen verlegt er seit 2014 eigenhändig längst vergessene Literatur aus dem 20. Jahrhundert. Auf der Homepage des Verlags schreibt er:

Die Flut an neuen Veröffentlichungen führt dazu, dass die Halbwertszeit der Bücher immer kürzer wird. Die Neuerscheinungen, die sich nicht innerhalb weniger Monate durchsetzen, werden kurzerhand wieder aus den Regalen geräumt, sie verschwinden aus den Buchläden und werden dadurch dem Vergessen preisgegeben.

Genau solchen Büchern will Guggolz zu Geltung verhelfen. Das sieht man den Büchern an: Sie sind liebevoll gestaltet und illustriert, außerdem sorgfältig gebunden. Außerdem werden die Texte mit einem Nachwort oder Kommentaren versehen.

Entdecker auf der Literarischen Landkarte

Vermutlich würde Sebastian Guggolz nun sagen, das manche Bücher womöglich zu Recht, andere wiederum verfehlt vergessen worden sind. Die Auswahl des Guggolz Verlags hat jeden Falls einen besonderen Fokus: Es geht vor allen Dingen um Geschichten aus Nord- und Osteuropa. Viele von ihnen spielen jenseits der großen Städte oder gar kosmopolitischer Lebensstile:

Abseits der kulturellen Metropolen findet sich die Literatur, die sich nicht so sehr nach Moden oder dem Zeitgeist richten muss, sondern die näher am alltäglichen Leben der Menschen ist und den Raum und die Freiheit hat, sich in ihrer Eigenheit zu entwickeln.

Auf dem Roten Sofa

Guggolz verrät, dass er nicht damit gerecht hatte, dass sein Verlag so viel Anklang bei den Leuten findet. In Zukunft soll es deshalb für seinen Verlag genau so weitergehen soll.

Auf der Leipziger Buchmesse ist Steffen Guggolz auf dem Roten Sofa von mephisto 97.6 im Interview mit Moderatorin Eva Wittekind zum Gespräch: 

mephisto 97.6 Moderatorin Eva Wittekind im Gespräch mit dem Verleger Sebastian Guggolz
 
 

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Lars-Hendrik Setz
23.03.2017 - 12:27
  Kultur

Der Guggolz Verlag arbeitet seit 2014 in Berlin. Gegründet wurde er von Sebastian Guggolz, der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften studiert hat und beim Berliner Verlag Matthes & Seitz tätig war. Als Startkapital nutzte der 250.000 Euro, die er in einer Quiz-Show beim ZDF gewonnen hatte. Der Guggolz Verlag widmet sich vergessener Literatur aus Nord- und Osteuropa.