Volksaufstand 17. Juni 1953

Gedenkort ist noch eine "Baustelle"

Das Denkmal der Aufstände vom 17. Juni 1953 ist in einem schlechten Zustand, und das, obwohl bereits ein Antrag auf Sanierung des Denkmals gestellt wurde. Mehrere Parteien fragten die Leipziger Stadtverwaltung nun erneut nach dem Umsetzungsstand.
Die Gedenkstätte der „Opfer der Gewaltherrschaft 1945-1989“ sowie der „Opfer des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953“
Die Gedenkstätte der „Opfer der Gewaltherrschaft 1945-1989“ sowie der „Opfer des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953“

Vor rund 60 Jahren gingen Menschen in der damaligen DDR auf die Straße, um für freie Wahlen, den Rücktritt der Regierung und ein einheitliches Deutschland zu demonstrieren. Der 17. Juni 1953 war die erste Massenerhebung zu Sowjetzeiten und bedeutend für die deutsch-deutsch Geschichte bis zur Wiedervereinigung. An circa 700 Orten fanden Demonstrationen und Proteste statt. Die Demonstranten blieben dabei weitgehend friedlich. Durch sowjetische Panzer und Truppen wurde der Volksaufstand jedoch gewaltsam zerschlagen. Über 50 Menschen starben unter anderem durch Schüsse, öffentliche Todesurteile und menschenunwürdige Haftbedingungen. Die Todesopfer und die Umstände des Todes blieben viele Jahrzehnte lang unbekannt. Mittlerweile gibt es in mehreren Städten Gedenkorte und die Biografien sowie der Aufstand wurden aufgearbeitet.

Leipzig im Kriegszustand

Auch in Leipzig kam es zu großen flächendeckenden Protesten und Streiks. Dem „Bundesbeauftragten für Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“ (BStU) zufolge legten 81 Betriebe und fast 27.000 Arbeiter und Angestellte die Arbeit nieder. Die Streikenden forderten auch hier freie Wahlen und die Absetzung der SED-Regierung. Es soll neben den Demonstrationen zu Angriffen auf öffentliche Gebäude gekommen sein – so etwa auf die Untersuchungshaftanstalt in der Beethovenstraße, mit dem Ziel politische Häftlinge zu befreien. Auch in der sächsischen Messestadt wurden die Aufständischen durch den Einsatz des sowjetischen Militärs gewaltsam gestoppt. Darüber hinaus verhängte die sowjetische Besatzungsmacht den Kriegszustand in Leipzig. Der 17. Juni 1953 forderte ebenso in Leipzig mehrere Tote.

Das Denkmal ist eine "Baustelle"

Zwar gibt es eine Grab- und Gedenkanlage für „Opfer der Gewaltherrschaft 1945-1989“ mit kleinen Granitbodenplatten, auf welchen die Namen der Todesopfer vom 17. Juni 1953 verzeichnet sind, doch diese befindet sich nach wie vor in einem schlechten Zustand. Gelegen am äußersten Nordrand des Leipziger Südfriedhofs, ist die Gedenkanlage  schwer zu finden. Ganz im Gegensatz zum „ehemaligen sozialistischen Ehrenhain“, welcher gut gepflegt und leicht erreichbar auch im Südfriedhof zu finden ist. Bis vor Kurzem sei die Gedenkstätte nicht einmal auf der Karte des Friedhofes verzeichnet gewesen, so Alrun Tauché vom Bündnis 90/Die Grünen. Durch einen interfraktionellen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und den Stadträten René Hobusch und Sven Morlok wurden erste Erneuerungen der Gedenkstätte in Gang gesetzt. Mit Hilfe von 15.000 Euro konnten ausgebaute Wege, die Einzeichnung auf der Friedhofskarte sowie das Zurückschneiden des wuchernden Efeus ermöglicht werden. Dies sei jedoch noch nicht ausreichend, um den Opfern in angemessener Form zu gedenken. So fordern die Antragssteller außerdem, das Erscheinungsbild der Gedenkstätte zu erneuern sowie das Leit- und Wegesystem zur Gedenkstätte zu verbessern. Insbesondere für jüngere Besucher erschließe sich noch nicht die Bedeutsamkeit dieses Gedenkortes, sagt Alrun Tauché vom Bündnis 90/Die Grünen – und das, obwohl Leipzig eine wichtige Rolle während der Aufstände vom 17. Juni 1953 spielte.

Wo sich ein weiterer Gedenkort des 17. Juni 1953 befindet, erfahren Sie im Beitrag von mephisto97.6 Redakteur Thomas Tasler:

Ein Beitrag von Thomas Tasler
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Eine Zeitreise zu den Orten in Leipzig bietet die App "Leipzig 1953".