Kundgebung gegen rechtsextreme Gewalt

"Gedenken statt Vergessen"

Vor 21 Jahren wurde Achmed B. in der Südvorstadt ermordet. Das Motiv: Rassismus. Die Leipziger Kampagne "Rassismus tötet!" erinnerte heute bei einer Kundgebung an das Verbrechen.
Die Kundgebung in der Südvorstadt
Heute fand eine Kundgebung der Veranstaltungsreihe “Aktiv Gedenken statt schweigend Vergessen!” in der Südvorstadt statt

Achmed B. und Kamal K. - zwei Männer, die wegen ihrer Herkunft ermordet wurden. Am 23. Oktober 1996 drangen zwei Neonazis in einen Gemüseladen in der Südvorstadt ein. Sie beleidigten die türkischstämmigen Verkäuferinnen und wurden handgreiflich. Achmed B. wollte seinen Kolleginnen helfen und versuchte, die beiden Männer aus dem Geschäft herauszudrängen. Daraufhin stachen sie auf ihn ein - Achmed B. starb an seinen Verletzungen.

Kamal K. geriet im Oktober 2010 im C.-W.-Müller-Park gegenüber des Hauptbahnhofs in einen Streit zwischen zwei verurteilten Neonazis und einem weiteren Mann. Bei dem Versuch dazwischenzugehen, wurde er von einem der Neonazis mit einem Messer angegriffen. Auch er starb.

Laut der Kampagne "Rassismus tötet" wurden in Leipzig seit 1990 mindestens acht Menschen Todesopfer rechtsmotivierter Gewalt, hinzu kommen zwei Verdachtsfälle. Bundesweit gab es seitdem 188 weitere Morde.

Kundgebung und Demonstration zum Gedenken

Die Veranstaltungsreihe "Aktiv Gedenken statt schweigend Vergessen" wird von der Kampagne "Rassismus tötet!" regelmäßig organisiert. Sie wendet sich damit gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Unter anderem werden Kundgebungen veranstaltet, auf denen Opfer rechter Gewalt gedacht wird. Heute fand eine Kundgebung in der Südvorstadt statt, die vor allem Achmed B. gewidmet war. 

Redakteur Linus Benedikt Zosel war bei der Kundgebung dabei:

Redakteurin Anneke Elsner und Redakteur Linus Benedikt Zosel über die Kundgebung gegen rechtsextreme Gewalt.
2310 Demo gegen Rassismus

Morgen findet ab 17 Uhr im Park vor dem Leipziger Hauptbahnhof die Demonstration in Gedenken an Kamal K. statt.

Mord aus "niederen Beweggründen" oder Rassismus?

Die Kampagne "Rassismus tötet!" kritisiert das verharmlosende Verhalten von Stadt und Justiz in Bezug auf den Mord an Achmed B. Darüber sagte der damalige Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube, dass ihm bisher ein solches "rechtsextremes Potential" in Leipzig begegnet sei. Der "Ausländerbeauftragte" Leipzigs Stojan Gugutschkow bestätigte: „Es hätte auch irgendeinen Deutschen treffen können“. Die Täter wurden wegen „Mordes aus niedrigen Beweggründen“ angeklagt und zu neuneinhalb bzw. viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Laut Staatsanwaltschaft gäbe es „keine Anhaltspunkte für einen fremdenfeindlichen Hintergrund“. 15 Jahre nach der Ermordung Achmed B. wurde der Mord schließlich als rassistisch motiviert anerkannt.

 

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Die Kampagne “Rassismus tötet!” beschäftigt sich mit rassistisch motivierten Morden seit den 90er Jahren und kritisiert die deutsche Flüchtlingspolitik. Das erklärte Ziel der Gruppe ist es, "Gegeninformation und Gegenmacht zum gesamtgesellschaftlichen Rassismus aufzubauen".

Ursprünglich waren deutschlandweit mehrere Gruppen beteiligt, mittlerweile ist die Gruppe auf Leipzig begrenzt.