CD der Woche

Gar nicht mehr so kindisch

Der amerikanische Schauspieler und Comedian Donald Glover hat ein musikalisches Alter Ego namens Childish Gambino. Unter diesem Namen hat er mit "Awaken, My Love" das Funk-Album des Jahres herausgebracht.
Awaken, My Love
Donald Glover aka Childish Gambino mit seinem neuen Album "Awaken, My Love"

In den USA ist Donald Glover bereits auf dem besten Weg zum Superstar. Der Comedian, Drehbuchautor und Schauspieler hatte seinen Durchbruch als trotteliger Troy Barnes in der Comedy-Serie Community. Seitdem schaffte er es in Nebenrollen auch in große Kinofilme, wie The Martian und Magic Mike XXL. Seit kurzem ist er als Hauptdarsteller in der von ihm selbst konzipierten Serie Atlanta sogar für einen Golden Globe nominiert. Auch seine weitere Zukunft in Hollywood sieht vielversprechend aus. In einem geplanten Star Wars-Spinoff soll er die Rolle des jungen Lando Calrissian übernehmen. Weniger Aufsehen als seine Schauspielkarriere erregte bislang seine Karriere als Musiker. Seit 2008 brachte Donald Glover unter dem Künstlernamen "Childish Gambino" (der Name entstammt dem Wu-Tang-Generator) regelmäßig Alben heraus, die von der Presse zwar gelobt, vom großen Publikum aber kaum wahrgenommen wurden. Das könnte sich mit seinem neuen Album Awaken, My Love, das am 02. Dezember erschienen ist, allerdings ändern.

​The Funk and Nothing but the Funk

Während er auf seinen ersten Alben noch modernen Hiphop und R'n'B spielte, schlägt Childish Gambino mit Awaken, My Love nun neue Wege ein: Die Platte ist ein Funk-Album mit Soul-Einflüssen geworden, das sich stilistisch stark an Funkadelic und Parliament, aber auch an Prince orientiert. Die Neuausrichtung wirkt jedoch nicht erzwungen. Vielmehr ist Glover sein musikalisches Wissen und die Liebe zu seinen musikalischen Vorbildern jederzeit anzuhören. Die Stücke klingen authentisch nach den 70ern und sind clever arrangiert. Glovers Gesang wechselt charismatisch zwischen klar und verzerrt und zwischen Kopf- und Bruststimme hin und her. Dazu vollbringen die Studiomusiker Höchstleistungen. Die Gitarren scheinen förmlich im Duett mitzusingen, der Bass hüpft herrlich funky, die Drums spielen selbst komplizierte Rhythmen absolut präzise. Dazu kommen immer wieder Einsätze von anderen Instrumenten, wie Bläser, Keyboards und Xylophon, die das epische Klangbild vervollständigen.

Vertontes Familienglück

Man bekomm außerdem den Eindruck, dass Glover mit seinem dritten Album genau die Musik macht, die zu seinem gegenwärtigen Selbst passt. Wo vorherige Childish-Gambino-Alben noch den jugendlichen, hyperaktiven Charakter Glovers, wie man ihn aus seinen Shows kennt, reflektierten, wirkt das neue Album reifer und selbstbewusster. Das passt auch zu einem frischgebackenen Vater, der zunehmend ins öffentliche Rampenlicht gerät. Überhaupt spielt Glovers neugewonnenes Dasein als Familienvater auf Awaken, My Love eine große Rolle. Songs wie Baby Boy und Me and Your Mama richten sich an seinen Sohn und man bekommt auch insgesamt den Eindruck, dass sich die Songs auf dem Album, in denen Liebe thematisiert wird, an die Mutter seines Kindes richten. Wo er zu seinen Rap-Zeiten noch mit One-Night-Stands prahlte, gibt er sich nun eher zahm und romantisch.

Auf zur Retro-Party

Das bedeutet jedoch nicht, dass Awaken, My Love ruhig und verträumt ist. Das Album verbreitet jederzeit eine ansteckend gute Laune und bietet mit Songs wie Riot und Boogieman auch tanzbare Stücke. Damit könnte Childish Gambino nach dem Erfolg von Bruno Mars Uptown Funk den Nerv der Zeit treffen.

 

Bleibt nur zu hoffen, dass Donald Glover, trotz seines zunehmenden Erfolgs in Hollywood, noch Zeit haben wird, weiter Musik zu machen. Mit Awaken, My Love hat er jedenfalls bewiesen, dass er auch als Musiker Starpotential hat.

 

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Childish Gambino: Awaken, My Love

Tracklist:

1. "Me and Your Mama"  

2. "Have Some Love"  

3. "Boogieman"  *

4. "Zombies"  *

5. "Riot"  

6. "Redbone"  *

7. "California"  

8. "Terrified"  

9. "Baby Boy"  

10. "The Night Me and Your Mama Met"  

11. "Stand Tall"  

Erscheinungsdatum: 02.12.2016
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