CD der Woche: The Districts

Ganz ohne Manipulation

Knapp 37.000 Fans „The Districts“ auf Facebook geliked – gesundes Mittelmaß also. Gelingt der Band mit ihrem dritten Album „Popular Manipulations“ der große Durchbruch?
The Districts haben ihr drittes Album "Popular Manipulations" veröffentlicht
The Districts haben ihr drittes Album "Popular Manipulations" veröffentlicht.

Jeder, der in einer Kleinstadt aufgewachsen ist, weiß: Hier gibt es nichts zu tun, außer sich zweimal im Jahr auf Stadtfesten zu tummeln oder an angestammten Plätzen rumzulungern. Auch die vier Jungs von „The Districts“ kommen aus einer Kleinstadt, nämlich Lititz im US-Staat Pennsylvania. Dort kamen sie 2009 auf die Idee, eine Band zu gründen. Auch sie sind damit eine von vielen klassischen Schülerbands, die ihre ersten Auftritte in der Aula oder kleinen Cafés feierte.
Was mit Covern von Jimi Hendrix oder Led Zeppelin begann, wurde 2011 zu ernsthafter Musik. Die erste EP von „The Districts“ erschien. Ein Jahr später folgte das Debütalbum „Telephone“ – finanziert vom Geld der Eltern. Die klassische Rockausrichtung verschiebt sich mit der zweiten EP in Richtung Bluesrock und der kleine Durchbruch ist zu diesem Zeitpunkt bereits zum Greifen nah. Nur ein paar Monate später werden „The Districts“ nämlich über Reddit gepusht. Daraufhin klickt eine gigantische Menge an Leuten ihre Studiosession von „Funeral Beds“. Bis heute hat das Video über 700.000 Views.

Das Label „Fat Possum“ entdeckt das Quartett um Rob Grote und nimmt es, wie könnte es auch anders sein, unter Vertrag. Veröffentlicht wurden seitdem eine selbst betitelte EP sowie das zweite Album „A Flourish And A Spoil“. Frisch gepresst steht nach zwei Jahren jetzt aber die dritte Platte von „The Districts“ in den gut sortierten Plattenläden.
„Popular Manipulations“ wurde in Los Angeles aufgenommen. Hier waren im Mai 2016 die ersten Songs im Kasten. Schon vor dem Gang ins Studio war der Band aber klar, dass sich musikalisch einiges ändern soll. Um die 50 Songs hatten „The Districts“ vorher geschrieben und arrangiert, um die Richtung zu finden, in die es gehen soll. Auf die neue Platte geschafft haben es letztendlich elf Songs, die das Potenzial haben einen ganzen Raum für sich einzunehmen.

Indie-Rock, den man lange nicht gehört hat

Während zeitgenössische Indie-Bands zunehmen auf elektronische Einflüsse setzen, drehen „The Districts“ den Spieß ganz einfach um. Statt an futuristische Sounds erinnern die Tracks auf „Popular Manipulations“ an Indierock, den wir lange nicht gehört haben. Schon der Opener der Platte klingt alles andere als sonnig. „I Before I Wake“ beginnt zwar ruhig, steigert sich aber mit fortschreitender Zeit im Tempo. Schwere Gitarren unterstützen den eindringlichen Gesang von Rob Grotes, der manchmal sogar Erinnerungen an David Bowies „Heroes“ weckt. Diese Eindringlichkeit setzt sich auf dem gesamten Album und besonders in den Songs „Point“ oder „Rattling Of The Heart“ fort.

 

Obwohl Tracks wie „Ordinary Day“ verträumt beginnen, können sie trotzdem mitreißen. Zu verdanken ist dies nicht nur Rob Grotes Stimme, sondern auch dem harmonischen Zusammenspiel der Instrumente. Bass und Schlagzeug sind in „Salt“ beispielsweise nahezu perfekt aufeinander abgestimmt.  Auch „Fat Kiddo“ klingt harmonisch, obwohl der Song etwas aus der Reihe fällt. Er beginnt nur mit Rob Grotes Stimme und einer Gitarre. Auch im weiteren Verlauf ist der Song akustisch gehalten und erinnert an eine Folkrock-Nummer. Damit leitet „Fat Kiddo“ das letzte Viertel des Albums ein, das etwas entspannter klingt. Das Ende bildet „Will You Please Be Quiet Please?“. Nicht nur wegen des Titels, sondern auch der Zurückgefahrenheit und des Fokus auf Bässe und Percussion könnte kein anderer Song die Platte besser zum Abschluss bringen.

Popular Manipulations

Thematisch setzen „The Districts“ auf den Titel ihrer dritten Platten – „Popular Manipulations“. Dabei dreht sich alles um Manipulation und Betrug anderen und vor allem sich selbst gegenüber. Während es in „Capable“ um die psychischen Folgen einer Trennung geht, wird in „I Before I Wake“ fokussiert, wie man mit Isolation oder dem Gefühl des Alleinseins unter anderen Menschen, umgeht.

So try to pretend
This is how it should happen
But I know in my heart
And I know in my head
The point is beside the point now
The edge is a game of constant balance
And every game of cat and mouse
One gets fed, and one gets bitten

Keine Ohrwürmer, zum Glück

„The Districts“ liefern mit „Popular Manipulations“ eine Platte, die förmlich dazu aufruft, genau hinzuhören. Lässt man es zu, können die Songs einen großen Raum einnehmen, sorgen nach einmaligem Hören aber nicht für den nächsten Ohrwurm. „The Districts“ haben den alten Indiesound entstaubt und daraus ein angenehmes Hörgefühl geschaffen, das einen Hauch von Unendlichkeit hat.

 

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The Districts: Popular Manipulations

Tracklist:

01. If Before I Wake*
02. Violet*
03. Ordinary Day*
04. Salt
05. Why Would I Wanna Be
06. Point*
07. Airplane
08. Fat Kiddo*
09. Capable
10. Rattling Of The Heart*
11. Will You Please Be Quiet Please

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 11.08.2017
Fat Possum Records