Frisch gepresst: We Are Scientists

Ganz Großes Kino

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden: Sie werden dieses Album lieben. We Are Scientists melden sich mit ihrer siebten Publikation „Megaplex“ in Fachkreisen zurück.
Beerbros
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Das Internet ist für den Menschen des 21. Jahrhunderts das Tor zu einer schier unbegrenzten Menge an Informationen. Verirrt sich ein Individuum in diesem scheinbar unendlichen Raum nun auf die Seite wearescientists.com – vielleicht auf der Suche nach einem Berufsverband der Wissenschaftsgemeinde oder einem Wissenschaftsblog – so erwartet ihn ein Sammelsurium absonderlicher Videoclips. In unregelmäßigen Abständen gesellt sich dabei neues Bildmaterial hinzu. In den letzten Wochen hat dieses Kabinett der Obskuritäten ungewöhnlich hohe Zuwachsraten verbucht. Doch was verursacht diese Anomalie? Durch zeit- und kostenintensive Recherche kristallisiert sich eine Antwort immer stärker heraus: Megaplex!

Megaplex?

Doch welche Verbindung besteht zwischen einem Großraumkino mit mehreren Sälen und einer Plattform für merkwürdige Internetvideos, könnte der anglophone Cineast nun fragen. Die Antwort ist wie so oft: Musik – oder besser gesagt ihre Verschmelzung mit kurzer kinematographischer Kunst, auch Musikvideos genannt. Dieses Genre des Kurzfilms hat in Chris Cain und Keith Murray von We Are Scientists seine Meister gefunden. Das beweisen sie uns wieder einmal mit der Bewegtbilduntermalung ihres neuen Albums „Megaplex“. Während sie im Video zu „One in One Out“ ihren eigenen Song in einem VR-Videospiel meistern, infiziert Frontsänger Keith Murray in „Your Light Has Changed“ die gesamte Welt über Musik, mit seinem charakteristischen Look – silberne Justin Bieber-Frisur und schwarze Sonnenbrille.

Never Change A Running System

Aber nicht nur mit ihrem Talent für Kurzvideos überzeugen die beiden Amerikaner. Auch musikalisch liefern We Are Scientist mit Megaplex ab. An ihren detailverliebten Indiemelodien der letzten Alben verändern sie dabei nicht viel. Aber das müssen sie auch gar nicht. Never change a running system. Der Song „Note in a Bottle“ überzeugt mit schwelgerischer Stimmung und verspieltem Gitarrensolo, das ein wenig an Muse erinnert. Nachdem auf dem Vorgängeralbum „Heltzer Seltzer“ noch unter dem Titel „We Need A Word“ eine entschleunigte Ballade ertönte, schließt sich mit dem beschwingten Indie-Funksong „Not Another Word“ nicht nur inhaltlich der Kreis. Mit markantem, grollendem Bass in „Your Light Has Changed“ zollen We Are Scientists ihren frühen musikalisch wilderen Anfangstagen ihren Tribut, eine zweite gelungene Selbstreferenz. Auch „Now Or Never“ schlägt eine ähnliche Richtung ein. Der Einstieg über ein raues Gitarrenriff überrascht auf der sonst doch eher poppig gehaltenen Platte und bietet eine gelungene Abwechslung.

Videos für Alle (Songs)!

Mit „Megaplex“ liefern We Are Scientists genau das, was man von ihnen erwartet: detailverliebte Indiemelodien, irgendwo zwischen Pop und Rock. Dazu gibt es wie immer eine gehörige Prise Wahnsinn in Form absurder Musikvideos, Teasern und anderen kurzen Clips. Dabei wecken We Are Scientists den Wunsch, Musiker würden zu jedem ihrer Songs ein eigenes Musikvideo anfertigen.

 

 

 

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Jonas Enke
24.04.2018 - 13:05
  Kultur

We Are Scientists: Megaplex

Tracklist:

1. One In, One Out
2. Notes In A Bottle*
3. Heart Is A Weapon
4. Your Light Has Changed*
5. KIT
6. No Wait At Five Leaves
7. Not Another Word*
8. Now or Never*
9. You Failed
10. Properties of Perception

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 27.04.2018
Groenland Records