Roboter-Fußball

Fußball der etwas anderen Art

Sie sind Vize-Weltmeister und Vize-Deutscher-Meister im Fußball und trotzdem kennt sie kaum jemand: Das Nao-Team der HTWK Leipzig spielt Roboter-Fußball, ist erfolgreich und strebt nach mehr.
Nao-Roboter
Nao-Roboter vor dem Tor

Auch Roboter spielen Fussball

Er ist 58 Zentimeter groß, wiegt gut vier Kilo und hat zwei Kameraaugen (in HD) - der Roboter Nao. Er und seine humanoiden Roboter-Kameraden sind die Spieler beim RoboCup - der Fußballliga, in der Teams mit identischen Robotern gegeneinander antreten. Eine Mannschaft besteht aus maximal fünf Robotern. Das Spielfeld ist mit neun mal sechs Metern so groß wie ein halbes Volleyballfeld. Die Regeln sind ähnlich wie beim echten Fußball, nur dass es keine Einwürfe und Eckbälle gibt. Nur ein Roboter darf im Strafraum stehen und als Torwart agieren. Wer sich nicht daran hält, wird für 30 Sekunden vom Platz gestellt.

HTWK Nao-Team, v.l. Jörg Schließer, Richard Stiller und Florian Mewes
HTWK Nao-Team, v.l. Jörg Schließer, Richard Stiller und Florian Mewes

Halb Hobby, halb Studium

Das Nao-Team der HTWK Leipzig besteht neben den Robotern aus elf bis 14 Bachelor- und Masterstudenten der Informatik. "Wir hauchen denen das Leben ein. Also so wie sie reagieren sollen, wie sie aufstehen sollen - diese ganzen Bewegungen", meint Florian Mewes, der einer der Programmierer ist. "Es ist halt nicht wie ein Computerspiel, denn die Roboter handeln von alleine. Wir sagen denen, wie sie ihre Entscheidungen treffen sollten und dann, wenn das Spiel losgeht, dann hat da kein Mensch mehr Auswirkung drauf." Die meisten kommen wegen des Studiums zum Nao-Team,  aber wer das nicht als Hobby sieht, der bleibt auch nicht lange dabei.

Trotz Technik ist es Sport

Kommuniziert wird über WLAN. Ziel ist natürlich so viele Tore wie möglich zu machen und ein Spiel zu gewinnen. Alles, was die kleinen Kerlchen können, wird ihnen auf ihre 1,6 GHz-Hirne programmiert. So technisch das Ganze auch ist, Sport ist es trotzdem, meint Richard Stiller, der seit gut einem Jahr zum Team gehört: "Es ist sportlich. Es soll fair sein, es gibt Regeln und in dem Fall würde ich schon sagen: Es ist Sport. Es ist jetzt keine körperliche Anstrengung für uns oder für die Roboter, obwohl sie generell auch kaputt gehen."

 

Pokale des HTWK Nao-Teams
Trophäen des HTWK Nao-Teams

Am Anfang gab es keine Roboter

Bevor in Leipzig der erste Roboter kaputt gehen konnte, musste 2009 erstmal das Nao-Team der HTWK gegründet werden. Samuel Eckermann ist seit 2011 dabei und weiß, wie es zur Entstehung kam: "Unser Team hat anfangs bei der Simulationsliga mitgemacht , wir hatten gar keine Roboter, sondern haben nur simuliert und da den ersten Platz gemacht und danach haben die Studenten angefragt, ob sie denn nicht mal einen Roboter haben können, damit man das mal in Hardware testen könne."

 

Seitdem hat sich einiges getan. Mehrere Pokale stehen im Trainingsraum des Nao-Teams im Lipsiusbau der HTWK. Jüngste Erfolge waren der zweite Platz beim RoboCup in Magdeburg und der zweite Platz in Teheran beim AUTCUP.

Der Ruf des Rambo-Teams

Jedes Nao-Team der Welt programmiert seine Roboter anders. Die einen können präziser passen, die anderen besser verteidigen. Die Roboter der Leipziger haben andere Stärken: "Unsere Roboter sind recht schnell, erkennen den Ball gut. Als bei einem Turnier ein Nao den Ball erkannt hat ist der hin zum gegnerischen Tor gedribbelt und hat ein Tor gemacht. Auf dem Weg zurück ist er keinem anderen Roboter ausgewichen, weil er nicht so programmiert war. Dafür bekam das Team einige Minuspunkte. Deshalb haben wir gut gespielt, wurden aber schlecht bewertet", erklärt Jörg Schließer.

Auf der Suche nach Sponsoren

Der unschuldige Blick eines Roboters
Nao-Roboter

 

Trotz der guten Ergebnisse der Leipziger fehlt es immer wieder an Sponsoren, die wichtig sind, um die Robotertechnik voranzubringen. Im Fokus steht auch das Miteinander. Jährlich veröffentlichen viele Nao-Teams ihr Programmier-Codes, damit sich alle weiterentwickeln können, erzählt Florian Mewes: "Es geht ja darum, dass wir 2050 dann auch gegen ein richtiges, menschliches Fußballteam spielen und natürlich gewinnen können. Also das ist so das oberste Oberziel."

Ein Nao-Roboter der Firma Aldebaran Robotics kostet übrigens um die 10.000 Euro.

Nicht nur klassischer Fußball

Neben dem normalen Fußballspiel, bei dem zwei Teams aufeinander treffen, gibt es noch verschiedene Wettbewerbe:

Drop in challange – Roboter von verschiedenen Teams müssen miteinander kommunizieren und werden bewertet

Passing challange – 3 Roboter stehen im Kreis und spielen sich den Ball zu

Open challange – jedes Team hat 3 Minuten um etwas vorzuführen mit dem Roboter

"RoboFussball" - ein Beitrag von Alexander Polte
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Alexander Polte
25.04.2014 - 18:59
  Sport

Den YouTube-Kanal des HTWK Nao-Teams finden Sie hier.