Beruf Geigenbauer

"Für mich sind das kleine Babys"

600 Geigenbauer gibt es in Deutschland. Einer von ihnen ist Felix Lange. In seiner Werkstatt in Plagwitz hat er uns verraten, wie lange es eigentlich dauert, so eine Geige herzustellen und was den Beruf für ihn besonders macht.
Ein Geigenmodell noch ohne Saiten und Lack

Beim Betreten der Werkstatt von Felix Lange stechen erstmal nur die typischen Handwerks-Utensilien ins Auge. Feilen und Hobel im Regal an der Wand, Holzspäne auf dem Boden, ein Hammer auf einem langen breiten Holztisch. Erstmal nichts Ungewöhnliches. Bei genauerer Betrachtung aber, fallen drei Geigen in einer Glasvitrine ins Auge. Selbst gebaut, verrät Felix. Er übt einen der seltensten Handwerksberufe Deutschlands aus: den Geigenbauer. Eine Kunst, die jahrelange Erfahrung und eine gute Ausbildung braucht. Um den Klang einer Geige zu beeinflussen, kann es dann schonmal auf wenige Millimeter ankommen.

Es gibt wenige Instrumente, die mich so faszinieren. Das liegt vor allem an diesem Organischen im Vergleich zur Gitarre. Da hat man ja eher geometrische Formen mit dem runden Schallloch, bei der Geige aber diese geschwungenen Linien. Das erinnert mich an Pflanzen.

Felix Lange, Geigenbauer

Früher Kontakt zur Musik 

Zum Geigenbau gekommen ist der 32-Jährige schon in seiner Kindheit. Früh fängt er an, Cello zu lernen und entwickelt so eine Liebe zur Musik und besonders zu Streichinstrumenten. Nach dem Abitur entscheidet er sich, nach Belgien zu gehen und dort eine Ausbildung zum Geigenbaumeister zu beginnen. Später studiert er das Fach sogar nochmal in der Musikstadt Markneukirchen im Vogtland. Wer hier eine Ausbildung machen will, muss sich schon früh mit dem Thema Instrumentenbau auseinandergesetzt haben. Im Jahr werden circa fünf bis zehn Lehrlinge in ganz Deutschland ausgebildet. Und diese sind gefragt.

Speziell in Leipzig ist die Konkurrenz sogar noch größer: Hier gibt es gleich zehn Geigenbauer. Deshalb hat Felix auch überhaupt nicht den Eindruck, dass sein Beruf einmal ausstirbt:

Die Instrumente sind ja heute immer noch genauso beliebt. Viele Kinder fangen mit Geige oder Cello an. In 100 Jahren könnte es vielleicht anders aussehen. Dann bauen möglicherweise irgendwelche 3D-Drucker Geigen, die perfekt klingen. Das wird sich zeigen.

Felix Lange, Geigenbauer

Während Lange von seinem Werdegang erzählt und nebenbei hobelt und feilt, spürt man die Ruhe in ihm, die er für seinen Beruf braucht. Denn bei Geigen werden erst in mühevoller Handarbeit die Einzelteile angefertigt und später zusammengeleimt. Bei dem Instrument, an dem Felix im Moment sitzt, fehlen auch noch die Saiten und der Lack. Insgesamt kann es also schonmal bis zu vier Monate dauern, bis so eine Geige fertig ist und deshalb hat sie auch ihren Preis.

Viele Erfahrungen alleine machen

Auch wenn der Beruf des Geigenbauers faszinierend ist - natürlich ist auch nicht immer alles einfach. So kann es bei vielen kleinen Schritten eben passieren, dass mal was schief geht und der Handwerker aus den Fehlern lernen muss. Das kann bei einem so langen Zeitraum auch mal zur Herausforderung werden.

Klar wäre es schön, einen Meister zu haben, der alles weiß und kann. Aber das findet man eben nicht. Und es ist deprimierend, wenn man viel Zeit in ein Instrument investiert und am Ende mit dem Lack alles versaut. Das kann passieren.

Felix Lange, Geigenbauer

Trotzdem und gerade wegen seiner Leidenschaft für den Geigenbau hat Felix sich vor zwei Jahren entschieden, selbstständig zu werden. Seitdem verkauft er in Plagwitz seine gebauten Instrumente an Musiker. Bis das regelmäßig passiert, liegt aber noch ein langer Weg vor ihm. Denn mit viel Konkurrenz muss man sich in Leipzig auch erstmal beweisen. Bis dahin will sich der 32-Jährige aber weiter ausprobieren. Und vielleicht wird er ja dann eines Tages mal selbst Geigenbauer ausbilden.

Der Beitrag zum Nachhören:

Eine Reportage von Sarah Bötscher über den Geigenbauer Felix Lange
0702 Reportage Sarah Geigenbau
 

Kommentieren

Sarah Bötscher
09.02.2018 - 16:16
  Kultur

Mehr zum Thema:

Wussten sie schon, dass...

  • Deutschland neben Frankreich und Italien zu den bedeutenden Geigenbaunationen der Welt gehört?

  • die teuerste Geige der Welt, die sogenannte Lady Blunt-Stradivari, für über 11 Millionen Euro verkauft wurde?

  • zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert die vermutlich besten Geigen gebaut wurden? Wissenschaftler vermuten einen direkten Zusammenhang mit der „kleinen Eiszeit“, da sich die anhaltend geringe Durchschnittstemperatur günstig auf das Baumwachstum auswirkte und damit auf das Holz, das zum Geigenbau verwendet wurde.

  • das erste deutschsprachige Werk zur Geige, die „Gründliche Violinschule“, von Wolfgang Amadeus Mozarts Vater, Leopold Mozart, verfasst wurde?

Quelle: http://bit.ly/2BeGDxr