Frisch gepresst: Jungle

Für immer und immer

Ihr Anfänge hatten Jungle als Londoner Produzenten-Duo, mittlerweile sind sie ein siebenköpfiges Modern-Soul-Kollektiv. Aber nicht nur die Band selbst ist gewachsen. Mit „For Ever“ melden sich Jungle deutlich erwachsener zurück.
Jungle
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Zu Beginn ihrer Karriere hätten Jungle kaum mysteriöser sein können: Tom MacFarland und Josh Lloyd-Watson begannen 2013 als Produzenten-Duo Musik zu machen, gaben dabei aber nur spärlich Informationen über sich preis. Sie nannten sich selbst „T“ und „J“ und bastelten gemeinsam an Songs, irgendwo zwischen Pop und Neo-Soul. 2014 erschien dann ihr selbstbetiteltes Debütalbum, welches – ähnlich wie die Band selbst – nebulös und ein bisschen unnahbar war. „Jungle“ handelte von eher von imaginären Orten und Personen, als von reellen Erfahrungen.

Auf dem ersten Album haben wir uns all diese verrückten Orte vorgestellt, an denen wir vorher nie waren. Und was für Charaktere und Geschichten da entstehen könnten.

- Tom MacFarland (Jungle)

Erwachsenwerden tut weh

Vier Jahre später erscheint „For Ever“ – Jungles zweites Album und klarer Gegenpol zu den Gedankenspielen auf ihrem Debüt. MacFarland und Lloyd-Watson haben Erfahrungen gemacht, die sie und ihre Erzählweise erwachsener machten. Die Beobachtung von Beginn und Ende der eigenen Beziehung, die Auseinandersetzung mit Konflikten in der Familie und das durch Medien verzerrte Bild eines „echten“ Mannes oder der Tod eines engen Freundes – alles Dinge, die Jungle während der Entstehung von „For Ever“ beschäftigt haben:

Männern wird insgesamt beigebracht, keine Emotionen zu haben. Oder sie zu verstecken, weil das nicht männlich ist – was ich für Bullshit halte. Das ist gefährlich.

- Tom MacFarland (Jungle)

Ein trauriger Hit ist auch ein Hit

Obwohl die Themen auf „For Ever“ ernster und strikter sind, der Neo-Soul des Kollektivs hat nichts von seiner Lockerheit verloren. Songs wie „Heavy, California“ oder „Casio“ schwirren schon nach einmaligem Hören auf unbefristete Zeit im Kopf herum. Jungle verpacken ihre nun fassbareren Gedanken nach wie vor in catchy Soundgewändern. Denn die Band mag zwar erwachsener sein, ihre Freude am Schreiben von Ohrwürmern haben sie allerdings nicht verloren.

Im Juni haben wir Tom von Jungle auf dem Hurricane Festival getroffen, um mit ihm ausführlich über das neue Album zu sprechen. Das Interview zum Nachhören gibt's hier:

Tom MacFarland von Jungle im Interview mit Musikredakteurin Ariane Seidl.

Voiceover Tom MacFarland: Jari Schaller
Moderation: Paul Materne

Tom MacFarland von Jungle im Interview mit Musikredakteurin Ariane Seidl.
 

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Ariane Seidl
24.09.2018 - 13:51
  Kultur

Jungle: For Ever

Tracklist:

1) Smile*
2) Heavy, California
3) Beat 54 (All Good Now)
4) Cherry
5) Happy Man*
6) Casio*
7) Mamma Oh No
8) House in LA
9) Give Over
10) Cosurmyne
11) Home
12) More And More (It Ain't Easy)
13) Pray

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 14.09.2018
XL Recordings