Konzertbericht

„This fucking Stau“

Joy Wellboy kannte man bisher vielleicht als Vorband von Alt-J. Jetzt tourt das belgische Duo durch Europa und stellt seinen Elektropop geladenen Sound unter Beweis. Ebenso auf einen Besuch im Neuen Schauspiel Leipzig.
Joy Wellboy
Sängerin Joy Adegoke der Band Joy Wellboy im Neuen Schauspiel Leipzig.

Aus schwarzem Samt ist das T-Shirt, das um den zierlichen Körper der Sängerin flattert. Sie bewegt sich zum Takt der Musik wie ein ferngesteuerter Roboter, verharrt für einen Moment und strahlt dann wieder mit freudigem Lachen ins Publikum. Neben ihr schlägt ein Mann in Jackett und Hemd den Bass an. Das belgische Duo um Joy Adegoke und Wim Janssen bespielen die kleine Bühne des Neuen Schauspiels Leipzig. Sie präsentieren einen Sound, der von ihrem Label als Elektropop verfeinert mit R'n'B und TripHop beschrieben wird.

Erster Eindruck

Gut versteckt im Hinterhof bietet das Neue Schauspiel Leipzig eigentlich die perfekte Größe und Atmosphäre für eine Band wie Joy Wellboy. Als wir pünktlich um neun ankommen, ist der Konzertbereich im Keller allerdings noch geschlossen. Die Show startet mit Verspätung. Joy Wellboy nennen später den Grund: „the fucking Stau“ zwischen Bundeshauptstadt und Leipzig. Als es dann gegen zehn losgeht, ist der Raum lediglich halb voll mit neugierigen Besuchern. Wir lauschen zunächst dem Leipziger Künstler Arpen, der mit schlagkräftigen Elektroklängen und verträumtem Gesang für die perfekte Einstimmung auf das belgische Duo sorgt.

Joy Wellboy: Birds

Die Show

Joy Wellboy wirken noch ein wenig gestresst und verplant nach ihrer verspäteten Anreise, stimmen sich und das Publikum aber unverzüglich ein. Schnell wird deutlich, dass Joy Adegoke und Wim Janssen musikalisch versiert sind und mehrere Instrumente auf der Bühne beherrschen. Die ist voll mit Unmengen an Fußschaltern für die Beats, Gitarre, Bässen, Keyboards und einem Schlagzeug.

„This is such an absurd evening."

Sängerin Joy Adegoke

Auf Französisch singt Joy die ersten Lieder, während Wim seine Gitarre und mit der anderen Hand das Schlagzeug bedient. Allmählich kommt das Publikum in Bewegung: vereinzelt Gestalten, die dem Ausdruckstanz verfallen sind. Joy bewegt sich manchmal zackig wie ein Roboter, dann wieder tänzelnd. Die Band scheint sich wohlzufühlen und hat den stressigen Stau hinter sich gelassen.

Cover à la française

Nachdem das Konzert mit schnellen Rhythmen seinen Höhepunkt erreicht hat, schnappt sich Wim Janssen das Mikro und offenbart eine großartige und tiefe Stimme. Jubeln und Pfiffe aus dem Publikum. Die beiden schieben ein paar Knaller wie „Birds“ hinterher und überraschen dann mit der Ankündigung, nun „Voyage, voyage“ von Desireless covern zu wollen. Leichtes Grauen bei der Ansage – nicht noch ein Cover. Doch die beiden zeigen, dass sie wirklich alle Instrumente auf der Bühne spielen können, als Wim ein Gitarrensample über das andere legt und Joy ihren eigenen Chor anstimmt. Überzeugt: das hat nichts mehr mit dem Original zu tun. Dass Joy Wellboy dann noch zweimal von der Bühne gehen und für eine Zugabe wiederkommen, ist die logische Konsequenz auf ihren unterhaltsamen und energiegeladenen Auftritt.

Fazit

Der Besuch hat sich gelohnt und unter Beweis gestellt, dass man nicht wissen muss, was „Elektropop mit R'n'B und TripHop“ meint, um darauf tanzen zu können. Joy und Wim sind stark an den Instrumenten und vor allem unterhaltsam. Darüber hinaus können sie mit Stresssituationen und „this fucking Stau“ umgehen.

 

Kommentieren