Konzertbericht

Fuck Forever!

19. Mai im Astra Kulturhaus in Berlin. Auf dem Programm steht Indie-Legende Pete Doherty samt seiner neuen Band „The Puta Madres“. Ein Abend voll klassischem Peter Doherty, Chaos und einigen neuen Songs.
Peter Doherty & The Puta Madres
Peter Doherty & The Puta Madres

Seit zwei Jahrzehnten ist Peter „Pete“ Doherty bereits musikalisch aktiv. Zwei Bandformationen und einige Soloprojekte hat der mittlerweile 40-jährige Brite schon hinter sich. Nun ist er mit seiner dritten Band „Peter Doherty & The Puta Madres“, zu deutsch „die verdammten Mütter“, unterwegs. Am 26. April veröffentlichte die sechsköpfige Band ihr erstes Album mit dem gleichnamigen Titel wie auch der Bandname. Die Gruppe besteht neben Pete selber aus seiner Ex-Freundin Katia DeVidas am Klavier und Keyboard, dem Poeten und Musiker Jack Jones, Geigerin Miki Beavis, Bassisten und langjährigem Freund Michael Bontemps und dem Drummer Rafa. „Peter Doherty & The Puta Madres“ sind seit mittlerweile drei Jahren ein Team - ein Fakt, welcher einen am Konzertabend manchmal doch sehr überrascht. So wirkt das Zusammenspiel der Truppe oft sehr improvisiert und unerprobt. Die Gruppe quatscht zwischen den Songs locker miteinander auf der Bühne und scheint nicht darauf zu brennen sich selbst mit dem Auftritt zu übertreffen, DeVidas ist barfuß und Pete ist, wie er nun einmal ist (oder zu sein scheint).

Das Publikum tut sich mit der betonten Lässigkeit deutlich schwer. Vor allem bei den ersten Songs bewegt sich kaum etwas in der Menge - alle stehen so da, als wären sie auf ihren Plätzen angeschraubt. Und das trotz der engagierten Versuche seitens der Vorband „Amyjo Doh & The Spangles“ die Stimmung im Raum schon einmal vorzuheizen. Dohertys Schwester Amy Jo Doherty gibt alles. Die Sängerin tanzt in bunten, aufbauschenden Kostümen umher, verteilt selbstgemachte Rasseln im Publikum und wirft mit Leuchtringen. Lustig anzusehen, dennoch überzeugt die Band musikalisch gesehen nur teilweise. Songs wie „I Love You“ sind zu einfach und kitschig, andere wie der punkigere Track „You Wouldn't“ allerdings schon besser. Nach kurzer Pause kommt dann der Star des Abends auf die Bühne. Doch auch Peter Doherty wirkt anfangs etwas unmotiviert und mürrisch, sein Gesang driftet teilweise ins Murmeln ab und auch die Soundtechnik tut dem Sänger wenig Gutes. Hier und da versuchen Fans seinen Betrunkenheitsgrad einzuschätzen. Nach ein paar wenigen Liedern verschwindet Pete samt seiner Band dann auch wieder. Bestürzung macht sich breit. War es das etwa schon? Vorher wenig interessiert will sich das Publikum so ein verfrühtes Ende allerdings auch nicht gefallen lassen. Zugabe-Rufe werden laut, aus vollem Hals wird nach Pete gerufen und kurze Zeit später sind „Peter Doherty & The Puta Madres“ wieder zurück auf der Bühne. Mit Verlauf des Konzerts wiederholt sich das Spiel noch ein paar Mal: insgesamt drei Mal verwindet die Band in den Backstagebereich und kommt doch immer wieder für ein paar weitere Songs oder eine letzte Zugabe zurück. Das Publikum freut sich und so wird die Stimmung glücklicherweise noch merklich besser als zu Beginn des Abends.

Old vs New

„Peter Doherty & The Puta Madres“ performen an diesem fast zweistündigem (!) Konzertabend in Berlin sowohl ihre eigenen Songs als auch Peter Doherty Classics wie „The Whole World Is Our Playground“, „Kolly Kibber“ und „Fuck Forever“. Dabei lässt sich bei letztem die Menge sogar zu einigen Moshpits hinreißen und klar wird: viele Fans sind vor allem wegen Pete selber und wegen Hits wie eben diesem aus alten „Babyshambles“ oder „The Libertines“ Zeiten gekommen. So wird seit Beginn des Konzerts nach Songs wie „Sheepskin Tearaway“ gerufen – ein Wunsch, welchen die Band zu Freude der Fans auch erfüllt. Ähnlich ist es mit „Last Of The English Roses“, einem anderem Song von Dohertys Soloalbum „Grace/Wastelands“ oder altbekannten Liedern wie „You're My Waterloo“ und „I Don't Love Anyone (but You're Not Just Anyone)“. Bei ebensolchen Liedern ist die Menge voll da und eine Stimmung in der Luft, wie sie nur Peter Doherty kreieren kann.

Die Songs der eigentlichen Band gehen dabei teilweise leider unter und nur vereinzelt scheinen die Leute im Publikum die Lyrics zu können. Allerdings gilt es auch zu bemerken, dass das Album „Peter Doherty & The Puta Madres“ generell auch größtenteils recht ruhig ist. Mit Songs wie „All At Sea“, „Paradise Is Under Your Nose“ oder der ersten Singleauskopplung des Albums „Who's Been Having You Over“ kann die Band dennoch punkten. Dabei formen sie vor allem die neuen Songs häufig spontan um. So werden Instrumentalparts ausgedehnt sowie Songs gekürzt oder in die Länge getrieben. Gitarrist Jack Jones und Pete Doherty wirken dabei wie ein eingeschworenes Team, sehen aus wie Vater und Sohn und lassen einem mit ihrem gemeinsamen Spiel das Herz aufgehen. Generell bildet Jack Jones zusammen mit Pete die Substanz der Band. Der walisische Musiker, Songwriter und Dichter ist auch Teil einer anderen Band namens „Trampolene“ und versprüht, neben seinem beeindrucken musikalischem Talent, eine solche Lebens- und Auftrittslust, das man gar nicht anders kann, als ihn sympathisch zu finden.

Fazit

Das Konzert von „Peter Doherty & The Puta Madres“ ist trotz der Anfangsschwierigkeiten ein äußerst einprägsamer Abend - im positiven Sinne. Klarer Mittelpunkt des Abends ist Doherty. So versprüht der Brite einfach eine Attitude wie kein anderer. Er wirkt gesettled und ist doch noch so wie man ihn kennt – wirft Jones Mikrofonständer um, liegt mehrmals auf dem Bühnenboden herum und torkelt manchmal mehr, als dass er läuft. Zugebenerweise lässt der Gesang an manchen Stellen zu wünschen übrig, doch dass Doherty trotz allem ein musikalisches Genie ist, lässt sich kaum leugnen.

 

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Kurz und Knapp:

Wer? Peter Doherty & The Puta Madres

Wann? 19. Mai 2019 

Wo? Astra Kulturhaus Berlin