Kommentar

Freiheit statt Angst

Was in der Nacht vom Freitag auf Samstag in Paris passiert ist, hat Menschen auf der ganzen Welt geschockt. Ziel der Angriffe waren nicht nur die unzähligen Opfer, sondern ebenso die Werte der europäischen Kultur: Freiheit und Gleichheit.
Unister-Gründer Thomas Wagner verstarb bei einem Flugzeugunfall.
Freiheit statt Angst – ein Kommentar von Lars-Hendrik Setz
Kommentar Paris Lars-Hendrik Setz

Die Attentate in Paris am vergangenen Freitag werfen Fragen auf. Nur wenige können wir zu diesem Zeitpunkt beantworten. Und es ist ungewiss, wie viele überhaupt jemals beantwortet werden. Wieso töten Menschen wahllos und doch so minutiös geplant? Wieso sind Menschen dazu bereit, sich für ihre Idee in den Tod zu stürzen – und so unglaublich viele Unschuldige mit ihnen? Die Verbrechen am Freitag erinnern an vorherige Anschläge wie den Angriff auf die Satire-Zeitung Charlie Hebdo. Doch so sind sie nicht. Ihr Ausmaß ist verheerender, ihre Durchführung hat Symbol-Charakter: Sie zeigt, wie ernst es den Tätern ist, Angst zu verbreiten.

Ein Angriff auf das Menschenrecht

Ebenso symbolisch ist die Stadt Paris. Wie keine andere steht sie für das höchste aller europäischen Ideale: die Freiheit. Dort, wo einst Menschen in den Straßen für ihre Rechte kämpften, schossen in der Nacht zum Samstag Männer mit Maschinengewehren auf Unschuldige. Seit den Attacken im Januar wurde aus der Stadt der Liebe innerhalb eines Jahres ein Ort, an dem Terrorismus und Hass eine ganze Bevölkerung in Angst versetzen. Das trifft nicht nur Frankreich, nicht nur Europa, sondern all jene, die an die Werte der Menschenrechte glauben. Die Ziele der Terroristen sind nicht die Zeichner von Charlie Hebdo oder die europäischen Staatsmänner- und Frauen. Sondern das Ziel ist die Idee, dass alle Menschen sein dürfen, sagen dürfen und glauben dürfen, was sie wollen.

Kein Recht auf Gesinnung

Das gerade Paris wieder Ort solch eines unaussprechlichen Verbrechens wird, hat noch eine ganz andere Bedeutung. Schließlich galt in unserem Selbstverständnis das Leben in westeuropäischen Ländern als sicher. Doch seit dem Attentat auf die Satire-Zeitung Charlie Hebdo steht dieses Bild nicht länger. Seitdem gilt die höchste Terrorbedrohungsstufe für den Pariser Großraum. Und dennoch war man nicht dazu in der Lage die Morde zu verhindern. Daraus müssen wir lernen. Und zwar, dass Angst uns nicht vor Angst schützt. Doch statt den Glauben an Freiheit und Gleichheit wie eine Fackel hochzuhalten, werden auch an diesem Montagabend wieder Menschen in Paris, in Dresden oder hier in Leipzig auf die Straße gehen und behaupten, sie hätten Angst. Wovor? Vor jenen, die vor solchen Taten, vor solch einem Alltag auf der Flucht sind. Man schließt vom vermeintlichen Glauben der Terroristen auf den Glauben der Geflüchteten. Doch mit Religion haben die Anschläge vom Freitag nichts zu tun. Denn Terrorismus hat kein Recht auf Gesinnung. Wer behauptet im Namen einer Sache zu morden, begeht einen Mord an der Sache selbst.

Glaube an die Freiheit

Was also tun? Diese Frage darf man nicht allein den Politikern und Politikerinnen überlassen. Denn sie bedienen die Angst mit jedem Erklärversuch und jeder daraus folgenden Konsequenz. Stattdessen ist nun jeder und jede einzelne gefragt. Was wir brauchen, ist eine klare Antwort. Eine die Zeigt: Hier gibt es keine Angst, hier gibt es auch keinen Hass. Keinen Hass auf die Ermordeten, keinen Hass auf die Mörder. Hier lebt die Freiheit und Gleichheit. An diesen Idealen müssen wir festhalten. Das ist unsere Pflicht.

 

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Lars-Hendrik Setz
16.11.2015 - 10:19

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