Filmkritik

Francisco Boix – Fotograf von Mauthausen

Ein katalanischer Gefangener, Francisco Boix, stiehlt im Konzentrationslager Mauthausen Fotografien der dort verübten Grausamkeiten. Die Fotografien werden wichtiges Beweismaterial in den Prozessen gegen Kriegsverbrecher - nach wahren Begebenheiten.
Originalbild von Francisco Boix
Originalbild von F.Boix

Erzählt wird von einer wenig bekannten Geschichte. Francisco Boix, ein spanischer Widerstandskämpfer, wurde im KZ Mauthausen inhaftiert. Er traf in Mauthausen nach dem Sturz der spanischen Republik, dem Exil und der deutschen Invasion Frankreichs, ein. Im Film wird gezeigt, wie die Häftlinge im KZ Mauthausen täglich um ihr Leben fürchten. Francisco schafft es mithilfe anderer Inhaftierter, rund 2.000 Negative zu verbergen. Diese Aufnahmen zeigen das dort verübte Schrecken.

Was macht den Film besonders?

„Francisco Boix - Der Fotograf von Mauthausen“ ist ein zweisprachiger Film. In dem Falle Spanisch und Deutsch. Denn die Protagonisten sind hauptsächlich spanische Inhaftierte und deutsche SS-Soldaten. Die spanische Regisseurin erzählt, warum sie sich für so eine Geschichte entschieden habe:

Ich habe mich schon immer für den Zweiten Weltkrieg und besonders für den Nationalsozialismus interessiert, der mich immer wieder überrascht. Ich bin seit vielen Jahren in endlose Filme und Dokumentationen eingetaucht. […] Ich habe mich auf ein sehr spezifisches, unerforschtes Thema konzentriert - das spanische.

Regisseurin Mara Targarona

Ergreifende Darstellung der damaligen Situation

Natürlich ist es schwierig die Situation so darzustellen, wie sie damals gewesen war. Vor allem wenn man kaum noch Zeitzeugen zur Verfügung hat. Dennoch hat es die Produktion geschafft, einen einprägenden Blick zu hinterlassen.

Viel Farbe konnte man in dem Film kaum erhaschen. Einzig bei der Szene, als ein Theaterstück der Häftlinge vorgeführt wird. Daraus kann man interpretieren, dass dies die einzige Situation im Film ist, in der die Häftlinge einen kleinen Lichtblick sehen. Denn ein Mithäftling soll fliehen, um einige Fotografien zu retten.

Die Grausamkeit der NS Soldaten wurde sehr brutal und menschenverachtend dargestellt. So spielt Stefan Weinert (SS-Standartenführer) seine Rolle so ernst, dass in einem selbst Hass und Wut aufkommt. Der Schauspieler Mario Casas (Francisco Boix) verkörpert seine Rolle als Hoffnungsträger ebenfalls überzeugend. Die positive Stimmung überträgt er auch auf die anderen Inhaftierten. Einer der erschreckendsten Szenen, die sich im Kopf vernetzt, war als der kleine Sohn des SS Standartenführers, einen spanischen inhaftierten Jungen die Waffe an den Kopf hält. Der Sohn zeigte sichtlich Spaß daran. Diese Szene zeigt, dass das menschenverachtende Verhalten auch an die Kinder weitergegeben wurde.

Zeitzeugen

In dem Film bringt Mara Targarona die damalige Situation gut auf den Punkt. Auch wenn es schwierig ist, die Lebenssituation der KZ-Häftlinge nachzuempfinden. Dazu ist es schwer die Geschichte zu erzählen, da die Zeitzeugen, vor allem Francisco Boix, schon seit über mehr als 50 Jahren verstorben sind. Die Informationen, die Targarona zur Verfügung standen, waren Bücher, Bibliografien und natürlich auch die Bilder.

Aufgenomen von F. Boix kurz nach der Befreiung
Fotografiert von F. Boix kurz nach der Befreiung des KZ-Mauthausen

Die am Ende des Films gezeigten Originalaufnahmen - die im Film auch tatsächlich so dargestellt wurden - untermalen wie grausam diese Zeit war. Dennoch bewirken diese Fotografien, dass man glaubt, die Geschichte sei hundertprozentig so passiert. Doch wie diese Geschichte genau stattgefunden hat, das könne uns nur der verstorbene Zeitzeuge Francisco Biox erzählen.

Fazit

Es ist ein wenig gewöhnungsbedürftig zwischen den Sprachen zu wechseln. Wenn Spanisch gesprochen wird, muss demnach der Untertitel gelesen werden, was Konzentration fordert. Aber das macht einen mehrsprachigen Film aus. In dem Fall versteht man, dass die Inhaftierten keine Chance hatten die SS-Offiziere und Soldaten zu verstehen. Erst ein langwieriger Prozess lies zu, dass Inhaftierte und Soldaten ein wenig kommunizieren konnten. Dadurch wird auch die Realität des Films näher gebracht. Der Film zeigt auch, dass eine einzelne Person viel bewirken kann. Der Film stellt einen wichtigen Teil unsere Geschichte dar und deswegen ist er unter anderem sehr empfehlens- und sehenswert.

 

Kommentieren

Francisco Boix - Der Fotograph von Mauthausen

Regie: Mara Targarona

Drehbuch: Roger Danès, Alfred Pérez Fargas

Deutschland-Start: 22. Februar 2019 (Netflix)

Laufzeit: ​110 Minuten

Cast: Mario Casas, Richard van Wayden, Stefan Weinert, Alain Hernández und weitere