Theaterrezension

Fragmente aus Heften und losen Blättern

Kafka wird zum Komiker. Der Newcammer „Fragmente aus Heften und losen Blättern“ zaubert ein Lächeln in die Gesichter der Zuschauenden.
Bild zu fragmente aus heften und losen blättern
Ganzkörperanzüge wieder im Trend

In den Cammerspielen wurde bis Ostersamstag das Stück „Fragmente aus Heften und losen Blättern“ nach Texten von Franz Kafka gezeigt. Es ist Teil der Serie NewCammer - Nachwuchsregisseure in den Cammerspielen, bei der junge Regie-Teams ihr Können unter Beweis stellen.

Der Zuschauende wird begleitet auf eine Reise durch die Literatur Franz Kafkas und entdeckt dabei eine völlig neue Seite des Schriftstellers.

Grafik zu fragmente aus heften und losen blättern
Grafik Kafka

Kafka meets Sci-Fi?!

Zu Beginn ist der Saal lange dunkel und alle Zuschauenden, die im Kreis um die Bühne verteilt sitzen, sind still. Dann betreten die Schauspielerinnen und Schauspieler in weißen Ganzkörperanzügen langsam die Bühne und das einzige Licht im Raum kommt von ihren Kopflampen.

Die Situation wirkt befremdlich. Als würde eine Gruppe Aliens einen fremden Planeten erkunden. Sie scheinen überfordert mit dem, was sie im Raum vorfinden. Wie kleine Kinder spielen sie mit verschiedenen Gegenständen. Ein verstimmtes Klavier und ein kaputtes Radio werden zu den faszinierendsten Objekten und irgendwann entdecken sie auch das Sprechen für sich.

Das Besondere an diesem Stück ist, dass es keine wirkliche Handlung gibt. Die Texte von Kafka wurden scheinbar willkürlich, aber doch wohl durchdacht, aneinandergereiht.

Düster und unheimlich war gestern!

Franz Kafka ist der Inbegriff von schwerer Literatur und wird oft als sehr deprimierend wahrgenommen, aber das war hier nicht der Fall. Seine Texte erhalten durch die wunderbare Schauspielkunst der Darstellenden eine witzige Note.

Das Schmunzeln konnte sich niemand im Raum verkneifen. Fast bekommt man ein schlechtes Gewissen, Kafka nie als den Komiker wahrgenommen zu haben, zu dem er an diesem Abend wurde.

Facettenreich und überzeugend

Die Umsetzung ist Jung-Regisseur Jan Moritz Müller und Dramaturgin Marie Krings sehr gut gelungen. Wie gebannt lauscht man der Vorstellung und genießt den Wechsel von Musik, Gesang und Tanz, als auch von Gedichten und Gesprächen.

Auf eine humorvolle Art und Weise schickt das Stück den Zuschauenden auf ein Abenteuer durch die Vielfalt der Textsammlungen von Franz Kafka.

Mit einem wohlig warmen Gefühl und dem Geruch von Popcorn in der Nase geht das Stück dem Ende entgegen. Man wird eingeladen zu verweilen und den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.

Fazit

Alles in allem waren der Aufbau und die Umsetzung von „Fragmente aus Heften und losen Blättern“ sehr gelungen. Ein Bühnenerlebnis bei dem der Zuschauende Teil des Geschehens werden konnte, um so einen völlig neuen Einblick in die schwere Literatur des unverstandenen Schriftstellers Franz Kafka zu bekommen.

Der Beitrag zum Nachhören:

Fragmente aus Heften und losen Blättern - eine Rezension von Darline Schröder
Fragmente Rezi
 

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Fragmente aus Heften und losen Blättern

Premiere: 11. April 2019

Spielort: Cammerspiele Leipzig

Regie: Jan Moritz Müller

Dramaturgie/Produktionsleitung: Marie Krings

Darstellende: Johanna Rex, Johanna Rheinländer, Claudius Baisch, Felix Rusch, Ehsan Mohagheghi Fard