Die Kolumne

Forever Unbekannt

Die Kolumne – Immer freitags. Diesmal: Lars-Hendrik Setz über Street-Art, geheime Identitäten und Herrn Frauke Petry.
Die Kolumne. Immer freitags bei mephisto 97.6, immer im Netz und immer mit den guten Fragen der Woche.
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben wie immer eine Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Ein Phantom geht um die Welt und schmiert politische Botschaften an die Großstädte. Sein Name: Banksy. Wer sich wirklich hinter diesem Pseudonym verbirgt, wusste bisher niemand. In Leipzig geben sich leider eher talentlose Schmierer als Da Vinci der Street-Art aus. In England will jetzt aber ein Fernsehsender herausgefunden haben, wer hinter Banksy steckt. Schade nur, dass das kein gutaussehender Avantgardist ist, sondern ein Mann in hässlichen Klamotten, mit Geheimratsecken und einer etwas zu großen Nase. Mein Bild des gesuchtesten Street-Art-Propheten überhaupt sieht anders aus.

So unbedeutend

Heiß oder kalt? Runter oder Rausch? Kolumnist Lars-Hendrik Setz ist das alles egal. Für ihn zählen Worte mehr als Taten.

Nun scheint es also klar: Robin Gunningham ist der wahre Name der Sprayerlegende. Und so lüftet sich eines der größten Mysterien unserer Zeit. Damit wird schon in Kürze womöglich niemand mehr über die banksy'schen Kunstwerke sprechen. So unbedeutend sind wir tatsächlich, sobald unsere Identität einmal geklärt ist. Wer interessant sein will, zieht sich eine Maske an. Das kann zu einer großen Popularität führen, wie bei Banksy oder Batman. Oder aber eine Gruppe – nennen wir sie mal die „abgehängte Mitte“ - regt sich auf, weil sie überhaupt nichts mehr versteht. 

Sie kommen nicht mehr mit? Ich erkläre es Ihnen: Warum reiben sich die Schreihälse der westlichen Welt an Dingen wie zeitgemäßen Gender-Rollen, Burkinis oder diversen Minderheiten? Weil es schwer fällt, einer Burka-tragenden Frau ins Gesicht oder einem Intersexuellen auf den Penis zu schauen. Für die wütende Meute ist dann klar: Man geht auf die Barrikaden und verurteilt, dass Facebook mehr als zwei Geschlechter anbietet. Man zwingt Frauen dazu, sich wie Frauen anzuziehen, und Minderheiten, ihre Sprache, Kultur oder Religion abzulegen.

"Bei Frauke Petry funktioniert das doch auch"

An alle AfDler, an den Verein der deutschen Konservativen, an alle LEGIDISTEN und LEGIDISTINNEN: So einfach ist die Welt leider nicht. Na klar, es ist schwer verständlich, dass ein Mensch wie ein Mann aussieht, sich aber wie eine Frau fühlt. Bei Frauke Perty funktioniert das aber doch auch. Mein Vorschlag: Entspannt Euch. Eine Gesellschaft muss eben lernen, dass es Menschen gibt, die sich selbst als Transsexuell verstehen oder zwei Ausweise mit sich tragen. Es muss ja schließlich auch jeder damit Leben, dass ihr am liebsten nach oben brüllt und nach unten tretet.

Dass Banksy nun womöglich entlarvt ist, hat vielleicht auch was Schönes: Dann haben die untalentierten Trittbrettfahrer in Leipzig wenigstens keine Tinte mehr im Füller. Jetzt müsste eigentlich nur noch Cro seine Maske fallen lassen.

Die Kolumne zum Nachhören:

Forever unbekannt – Lars-Hendrik Setz über Street-Art, geheime Identitäten und Herrn Frauke Petry.
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Lars-Hendrik Setz
16.12.2016 - 13:56

Die Kolumne. Immer mit den guten Fragen der Woche. Und immer freitags im Faustschlag.