Frisch Gepresst

A Fool There Was

Wenn man Peter Doherty eins nicht vorwerfen kann, dann dass er den Rockstar-Lifestyle nicht am Leben halten würde. Dazu gehört neben allen Eskapaden aber auch immer noch Musik - und die hat er letzten Freitag mit einem neuem Projekt veröffentlicht.
Peter Doherty & The Puta Madres
Peter Doherty & The Puta Madres

Manchen ist er als Sänger von The Libertines bekannt, anderen als Frontmann der Babyshambles, wieder andere kennen ihn nur als den Ex von Kate Moss. Egal was man mit dem Namen Peter Doherty verbindet, die Assoziationen von Skandal und Exzess schwingen immer mit. Dass sein Name aber auch einfach für Musik steht, beweist Doherty jetzt wieder mit seinem neuen Projekt „Peter Doherty & The Putas Madres“.  Nach drei Singleauskopplungen erschien Freitag das selbstbetitelte Debüt, in dessen elf Songs sich Peter Doherty kreativ auslebt.

DIY-Charakter

Der Garage-Sound der Band setzt sich zusammen aus Gitarre, Bass und Schlagzeug - so weit, so gewöhnlich. Doch zu den Puta Madres gehören auch eine Pianistin und eine Violinistin. Das ist eine vergleichsweise üppige und ungewöhnliche Besetzung für eine Rockband, doch entsteht aus ihr der spezielle Sound des Albums. Die Instrumentalteile, also Intros, Bridges und Outros, nehmen großen Raum ein, die Geige setzt Akzente und in manchen Songs wird die Gitarre als Lead-Instrument durch das Klavier abgelöst. Komplementiert wird das Klangbild durch die Nebenprodukte betont nachlässiger Tonqualität, denn die Songs wurden live und in nur vier Tagen aufgenommen. Da hört man den Anschlag des Klavierpedals und wie der Sänger die Entfernung zum Mikro nicht einhält. Diese eigentlichen Störgeräusche passen aber einfach nur zu gut zu Dohertys verrauchter Stimme.

Wie viel ist zu viel?

Was das Album so interessant macht ist auch teilweise sein größtes Problem: die Band ist ziemlich experimentierfreudig. So kommt es zu mehreren Tempowechseln innerhalb eines Songs, in einem anderen werden Sequenzen aus einem 40er Jahre Film eingespielt, in wieder anderen erklingen Stimmen aus dem Hintergrund. Teils wirkt das Ganze etwas überfordernd und chaotisch. Doch die Truppe wagt- und gewinnt. Peter Doherty schafft es mit seiner warmen Stimme und dem unaufgeregten Gesang, das Durcheinander zu ordnen und zu beruhigen. So klingt selbst ein von Ideen vollgestopfter Song wie "Someone Else To Be" noch nicht überladen. Der Song ist eine Interpretation von "Ride into the Sun" von The Velvet Unterground. Die Bridge besteht vornehmlich aus Geige, in der zweiten Strophe wird die Instrumentierung auf eine Akustikgitarre reduziert und der Gesang komplett entschleunigt- nur um dann wieder anzuschwellen und Lyrics von "Don't Look Back in Anger" von Oasis anzustimmen. Das ganze ist ein Stückwerk, das zufällig zusammengeworfen wirken könnte. Aber das tut es nicht, denn es ist weder übertrieben gewollt noch angestrengt durchdacht. Doherty muss sich einfach nichts mehr beweisen und so entstehen natürlich gewachsene Songs.

Fazit

Auf "Peter Doherty & The Puta Madres" versucht Doherty nicht, sich neu zu erfinden. Vielmehr ist seine lyrische Handschrift unverkennbar und musikalisch erinnern die Stücke teils sehr an The Libertines. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn der Sound funktioniert auch im Jahr 2019 noch immer bestens. Seine Stimme klingt unsauber, man hört ihn die Strapazen seines Lebens deutlich an. Wer glasklaren Gesang erwartet, wird also enttäuscht werden und wen die Geräusche der Live-Aufnahme tatsächlich stören, wird der Platte wohl nicht viel abgewinnen können. Man kann die teils krächzende, teils säuselnde Stimme aber auch als weiteres Stilmittel der Platte lieben. Mit neuen Musikern im Gepäck entsteht ein weiteres von Dohertys Bandprojekten, das Liebhaber mit Roughness in Aufnahme und Gesang für sich gewinnen wird.

 

 

 

 

 

 

 

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Theresa Graf
30.04.2019 - 15:15
  Kultur

Peter Doherty & The Puta Madres: Peter Doherty & The Puta Madres

Tracklist:
  1. All At Sea
  2. Who’s Been Having You Over
  3. Paradise Is Under Your Nose *
  4. Narcissistic Teen Makes First XI
  5. Someone Else To Be
  6. The Steam
  7. Travelling Tinker
  8. Lamentable Ballad of Gascony Avenue *
  9. A Fool There Was
  10. Shoreleave
  11. Punk Buck Bonafide *

 

Erscheinungsdatum: 26.04.2019
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