ZEIT Debatte

Finale in Leipzig

Am Sonntag fand in Leipzig die Finaldebatte der ZEIT statt. Dort standen sich in einer parlamentsähnlichen Versammlung vier Debattierteams verschiedener Hochschulen gegenüber. Dabei wurde niveauvoll gestritten und argumentiert.
Debattierteams treten gegeneinander an
Die vier besten Debattierteams traten als Regierung und Opposition gegeneinander an

Debattieren ist Sport

Jedenfalls ein Sport, der die Gehirnzellen zum Wirbeln bringt! Seine Wurzeln hat der rhetorische Sport an Hochschulen im angelsächsischen Raum. An der University of Cambridge wurde bereits im Jahr 1815 der erste Debattierclub gegründet. Das "Debating" nach dem "Bristish Parliamentary Style" der damals angehenden Parliamentarier, hat sich bis in die heutige Zeit durchgesetzt. Auch am Sonntag kämpften die Redner auf Grundlage der Regeln des bereits internationalen Debattierformats um die besten Argumente.  Dabei standen sich Äußerungen der Regierung und Opposition gegenüber. Das Thema erfuhren die vier Teams (zwei davon aus Münster, eines aus Berlin und eines aus Göttingen) mit jeweils zwei Rednern aber erst 15 Minuten vor der Debatte und vertraten im Anschluss eine ihnen zugeloste Position. Jeder Redner bekam sieben Minuten Zeit, die Gegenseite überzeugend in den Schatten zu stellen, sich aber auch durchaus respektvoll mit deren Stellungnahme auseinanderzusetzen.

Warum ihm das Debattieren so wichtig ist, begründet Nikos Bosse, einer der Teilnehmer aus Göttingen, folgendermaßen: 

Zum einen macht es einfach viel Spaß und zum anderen gibt es die Möglichkeit, sich sehr fundiert mit sehr vielen, sehr spannenden Kontroversen - gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und philosophischen Themen auseinanderzusetzen.

Nikos Bosse

Dass seine Meinung später einmal einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft haben könnte, steht für ihn nicht im Vordergrund. Beim Debattieren sammelt er vor allem Erfahrungen und schult seine Rethorik.
Die Finaldebatte fand im Salles de Pologne statt
Die Finaldebatte fand im Salles de Pologne statt

Zunächst einmal reicht es mir, mir selbst fundiert Gedanken darüber zu machen, was ich für richtig und für falsch halte. Und das trainiert Debattieren sehr stark. Und falls ich irgendwann einmal eine gesellschaftlich relevante Rolle einnehmen sollte, hilft es natürlich, das zu trainieren - Sachen und Argumente darzulegen und bestimmte Sachverhalte zu analysieren.

Nikos Bosse

"Die Debattierkunst ist ein vernachlässigtes Handwerk"

 

Marianne Birthler saß in der Ehrenjury
Marianne Birthler (ehemalige BStU) saß in der Ehrenjury

In der Ehrenjury saß gestern unter anderem die einstige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Marianne Birthler. Wurden studentische Debatten in der DDR teilweise noch mit Exmatrikulationen aus der Universität und Gefängnisaufenthalten bestraft, so könne eine gesunde Streitkultur heute den Wert der Demokratie noch mehr beschützen.

mephisto 97.6 Redakteurin Gesine Klipstein interviewte Marianne Birthler über die Relevanz der Debatte damals und heute:

Gesine Klipstein im Gespräch mit Marianne Birthler anlässlich der "Zeit Debatte" in Leipzig
RI über Debatten mit Marianne Birthler

And the winner is...

Tine Heini und Christoph Saß gewannen gestern als Team "Münster Martini" die Debatte. Letzterer wurde außerdem zum besten Debattant gekürt. Erste Erfahrungen mit der Kunst des Redens machte Christoph Saß mit Beginn seines Theologiestudiums 2012. 

Ich glaube Leute reden nicht genug miteinander über Dinge, über die sie verschiedene Meinungen haben. Und ich glaube wenn sie das tun, machen sie das nicht besonders gut. Und, dass man einen Punkt hat, wo man einüben kann, wie man miteinander redet und wie man es schaffen kann, mit verschiedenen Standpunkten umzugehen, ist wahnsinnig gut.

Christph Saß

In Deutschland gibt es derzeit um die 60 universitäre Debattierclubs, die vom "Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V." (VDCH), unterstützt werden. Dieses Jahr war der universitäre Debattierclub Streitpunkt Leipzig Ausrichter der "ZEIT Debatte".

 

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Der Debattierclub der Universität Leipzig trifft sich jeden Montag um 19 Uhr im Raum 121 des Seminargebäudes am Hauptcampus. Jeder der möchte kann dort - mit oder ohne Erfahrung - mitmachen oder auch zuhören.

Mehr Infos findet ihr beim Streitpunkt Leipzig.