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Feminismus ist nicht gleich Feminismus

Nicht alle Frauen sind gleich. Schwarze Frauen oder Frauen mit Behinderung machen andere Erfahrungen als weiße Frauen mit Behinderung. Diese Erkentnis kam in den 1980ern auf und wird seitdem unter dem Stichwort Intersektionalität diskutiert.
Gesprächsrunde Intersektionalität
In einer Gesprächsrunde diskutieren wir über Intersektionalität.

Beim Feminismus geht es um die Gleichberechtigung aller Frauen. In den Anfängen der feministischen Bewegung im 19. Jahrhundert waren es aber vor allem die weißen Frauen, die für ihre eigenen Rechte kämpften. "Women of Color" wurden von diesem Prozess ausgeschlossen. Schwarze Aktivistinnen, wie die des amerikanischen "Combahee River Collective", entfachten in den 1970ern erstmals eine Diskussion um Rassismus innerhalb der feministischen Bewegung. Sie gingen davon aus, dass schwarze Frauen mehrfachdiskriminiert werden – als Frauen und als "People of Color".

Die US-amerikanische Juristin Kimberlé Crenshaw entwickelte Ende der 1980er das theoretische Konzept der Intersektionalität. Dafür benutzt sie die Metapher einer Straßenkreuzung aus Rassismus und Sexismus, an der schwarze Frauen stehen. Wenn sie von einem Auto angefahren werden, also diskriminiert werden, ist unklar, ob dies aus Rassismus oder Sexismus geschieht. Sie wollte damit darstellen, dass Mehrfachdiskriminierung nicht voneinander getrennt gedacht werden kann.

Diskriminierung im Alltag

Im feministischen Diskurs an den Universitäten ist Intersektionalität seitdem ein wichtiger Begriff geblieben. Aber wie lässt er sich im Alltag praktisch anwenden? Darüber diskutieren beim Kultstatus Martina Scholz, die sich als Betroffene beim Behindertenverband engagiert, Sabrina Latz vom Queer Refugees Network und Georg Teichert, der Gleichstellungsbeauftragte der Universität Leipzig. Alle drei sind auf unterschiedliche Weise immer wieder mit Mehrfachdiskriminierungen konfrontiert und versuchen den sperrigen Begriff der Intersektionalität praktisch anzuwenden. Martina Scholz, die als Frau im Rollstuhl immer wieder als Frau und als Mensch mit Behinderung Diskriminierung erfährt, sagt dazu:

Ich würde mir wünschen, dass die Gesellschaft dem Thema Mehrfachdiskriminierung aufgeschlossen gegenübersteht. Es sollten Gesetze erlassen werden, die das unterstützen.

Martina Scholz

Auch Georg Teichert merkt in seiner Arbeit als Gleichstellungsbeauftragter immer wieder, dass es nicht reicht darauf zu hoffen, dass Menschen sich ändern werden. Für ihn ist es deshalb auch die beste Lösung Gleichberechtigung gesetzlich festzuschreiben. Auch Frauen-Quoten hält er deshalb im universitären Kontext für richtig.

Dann wird man nicht sofort die Köpfe ändern, aber man wird Strukturen und Prozesse ändern, um mittelfristig die Köpfe zu ändern.

Georg Teichert

Aber nicht nur Frauen erfahren Mehrfachdiskriminierung. Die geflüchteten Menschen, mit denen Sabrina Latz arbeitet, erfahren auch eine doppelte Diskriminierung.  Von Teilen der deutschen Gesellschaft werden sie als Flüchtlinge abgelehnt, in ihrer eigenen Gesellschaft werden sie als queere Menschen teilweise verfolgt. Trotzdem erkennt die Bundesrepublik Deutschland Homosexualtität nicht immer als Fluchtgrund an. Es muss sich noch viel ändern, damit queere Geflüchte sicher in Deutschland leben können, sagt Latz:

Die Einrichtungen mit denen die Geflüchteten zu tun haben – das BAMF, das Jobcenter, aber auch die Betreiber der Unterkünfte in denen sie leben – müssten für das Thema sensibilisiert werden.

Sabrina Latz

Hören Sie die Gesprächsrunde hier in voller Länge: 

In einer Gesprächsrunde reden wir über Intersektionalität.
 
 

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Die Gesprächspartner:

Martina Scholz, engagiert sich im Behindertenverband

Sabrina Latz, arbeitet für das Queer Refugees Network

Georg Teichert, Gleichstellungsbeauftragter der Universität Leipzig