Kommentar

Feiste Entgleisung zum 65. Geburtstag

„Ein unerträglicher Kommentar, fremdenfeindlich, ignorant und zum Fremdschämen!“ – so muss sich der Leipziger Bundestagsabgeordnete Thomas Feist beschimpfen lassen, weil er einen Gastredner im Bundestag kritisiert hat.
Foto und Kommentar auf facebook-Profil von Thomas Feist
Dieser Kommentar von Thomas Feist zur Rede Navid Kermanis geriet in die Kritik.

Ein Kommentar von Stefanie Otto

Alles hatte so feierlich, fast poetisch angefangen. Zum 65. Geburtstag unseres Grundgesetzes war der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani als Gast in den Bundestag eingeladen worden. Er hielt eine schillernde Rede über das Grundgesetz und seine Errungenschaften seit dem Ende des zweiten Weltkriegs.

Ausschnitt aus Navid Kermanis Rede im Bundestag
OT Rede Kermani

Kermanis Rede ist voller Lob. Doch äußerte er auch Kritik am Asylrecht der Bundesrepublik. Früher wäre es sehr offen im Grundgesetz formuliert gewesen. Später wurde es jedoch stark eingeschränkt und nach den Worten Kermanis sogar "verstümmelt". In diesem Zusammenhang plädierte er auch dafür, mehr Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Für seine Gastrede erhielt Kermani mehrmals und anhaltenden Applaus – nicht nur aus den linken Reihen des Bundestags. Allein der CDU-Abgeordnete Thomas Feist beklagte sich hinterher im Internet über den Redner.

"Iraner belehrte uns gestern im Bundestag über das Grundgesetz in einem unerträglichen Duktus. Passend dazu sang er auch die Nationalhymne nicht mit. Aus meiner Sicht eine falsche Entscheidung, diesem Mann solch ein Podium zu bieten."

Kermani erntet Beifall, Feist nur Unverständnis

Zahlreiche Kommentatoren finden das keineswegs lustig. Allein dadurch musste Feist schnell klar werden, dass er sich hier einen Fauxpas geleistet hat und mit seiner Meinung ziemlich allein dasteht. Hier eine der kritischen Stimmen dazu auf Facebook:

"Deutscher echauffiert sich in empörtem Duktus über Einwanderer, der über Einwanderung spricht. Passend dazu sind ihm vor allem Symbole, wie das Absingen einer Hymne von Bedeutung. Aus meiner Sicht eine falsche Entscheidung, diesen Mann in den Bundestag zu entsenden."

Doch im Verlauf der über 100 Kommentare wettert Thomas Feist munter weiter. Dabei geht er jedoch kein einziges Mal wirklich auf den Inhalt von Kermanis Rede oder die darin geübte Kritik ein. Das Asylrecht wurde unter anderem von CDU und CSU zu dem gemacht, was es heute ist. Doch das will Thomas Feist gar nicht rechtfertigen. Er stürzt sich allein auf die Herkunft von Kermanis Eltern. Sie waren zum Studieren aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Navid Kermani wurde in den Sechziger Jahren in Siegen geboren und besitzt den deutschen und den iranischen Pass. Das jedoch war dem CDU-Politiker Feist wohl nicht klar oder schlicht egal, als er den Redner allein als „Iraner“ bezeichnete. Der latente Rassismus der hier durchscheint, zeigt, wie wichtig es ist, Menschen wie Navid Kermani zu Wort kommen zu lassen. Und es zeigt, wie viel es noch zu tun gibt, wenn in Deutschland wirklich gelten soll „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

 

Kommentare

Liebe Mephisto-Stefanie,

Ich will nicht die Äußerungen Feists verteidigen oder unterstützen, das liegt mir ausdrücklich fern.

"Allein dadurch musste Feist schnell klar werden, dass er sich hier einen Fauxpas geleistet hat und mit seiner Meinung ziemlich allein dasteht."

Allerdings eine Meinung als falsch abzustempeln, weil sie von niemandem oder nur wenigen geteilt wird, ist ignorant und kurzsichtig [aufgrund der Wortwahl wurde dieser Kommentar hier redaktionhiell verändert]. Würden wir diesem System der Bewertung folgen, wäre die Erde in unseren Lehrbüchern immer noch eine Scheibe, um welche die Sonne kreist, und Gott hätte uns vor 6000 Jahren durch Adam und Eva erschaffen.

Und zum Inhalt: Wenn du dein Zitat „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ auf die klatschenden, aber nicht handelnden Bundestagsabgeordneten beziehst, stimme ich dir völlig zu. ;)

Angesichts der Argumentation Kermanis ist der alte Musikpädagoge eben einfach intellektuell überfordert. Sehen wir es ihm nach, auch CDU-ler wollen inkludiert werden, auch wenns manchmal schwer auszuhalten ist.

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