Satire

Feindbild Burka

Wo hört Freiheit eigentlich auf und wo beginnt dann die Intoleranz?
Die Burka – eine Form der religiösen Verschleierung
Die Burka – eine Form der religiösen Verschleierung

Die Niederlande hat entschieden: Das Tragen einer Burka ist ab sofort an öffentlichen Orten verboten. Konkret bedeutet das, wer in Schulen, Krankenhäusern oder öffentlichen Verkehrsmitteln in den Niederlanden eine Burka oder Niqab trägt, kann mit einer Geldstrafe von 400 Euro rechnen. Da flammt natürlich auch in Deutschland die Disksussion wieder auf. Die besonders für heißblütige und leidenschaftliche Politiker bekannte CSU ist natürlich ganz vorne mit dabei. Mit makelloser Argumentation überzeugt die jung gebliebene Partei.

 Wenn die Niederlande Burkas verbieten können, können wir das auch.

Andreas Scheuer

mephisto97.6-Redakteurin Taiina Grünzig hat den Fall kommentiert:

Nutzlose Argumente - ein Kommentar von Taiina Grünzig
Nutzlose Argument für wichtige Themen
 

Kommentare

Es gibt, rein faktisch betrachtet, ganz genau drei Gründe, ein Abnehmen des Nikab zu erwarten:

1. Um ein Lichtbild für einen Lichtbildausweis zu erstellen,

2. damit Polizei oder Staatsanwaltschaft anhand des Lichtbildausweises eine Feststellung der Identität vornehmen können und

3. bei einer Lehrerin, die Europäerinnen in Fremdsprachen unterrichtet; denn Europäerinnen lernen Fremdsprachen besser, wenn sie ähnlich klingende Silben durch einen Blick auf den Mund der Sprecherin unterscheiden können.

Jeder andere Grund, den ich bisher gehört habe, ist schlicht und einfach "postfaktisch", wie es heute so schön heißt.

Wobei man freilich auch zu 2. ganz faktisch anmerken kann: Wie stellt der Staat eigentlich sicher, dass die Person, die eine Identität anhand eines Lichtbildes feststellen soll, nicht zu den 2-3 % der Bevölkerung gehört, die Prosopagnostiker, also "gesichtsblind" sind? Das sind schließlich weit mehr Menschen als es Nikabträgerinnen in Deutschland gibt. Eher an ihnen und nicht an Nikabträgerinnen scheitern Feststellungen der Identität, wenn diese durch einen Abgleich mit dem Lichtbild erfolgt.

Und zu 3: Was ist mit Studentinnen aus einem Kulturkreis, in dem sich die Menschen anders als im Westen auf die Mimik der Augen konzentrieren? Chinesinnen, Japanerinnen und Koreanerinnen etwa lernen Studien zufolge Fremdsprachen besser, wenn sie die Sprecherin nur hören, ihren Mund aber nicht sehen können.

Und wegen der beliebten Forderung nach einem Burkaverbot vor Gericht: Studien zufolge können wir die Glaubwürdigkeit einer Zeugenaussage besser einschätzen, wenn die Zeugin einen Nikab trägt. Nur dann schneiden wir etwas besser ab als mit den üblichen ca. 50 %, weil wir uns dann auf die eigentliche Aussage konzentrieren.

www.Burkaverbot.de

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