Illegale Open Airs

Feiern bis das Ordnungsamt kommt

Ein leerer Acker, ein Dieselgenerator, Elektrobeats und eine tanzende Menge. Viel mehr braucht es nicht, um ein Open-Air-Konzert zu organisieren. Doch viele von ihnen sind nicht bei den Behörden gemeldet.
Abendstimmung am Cossi - einem der Orte, an dem sich die Open-Air-Szene in der Vergangenheit eingefunden hat.
Abendstimmung am Cossi - einem der Orte, an dem sich die Open-Air-Szene in der Vergangenheit eingefunden hat.

Es wirkt wie ein Katz-und-Maus-Spiel: Illegale Open-Air-Konzerte finden oft an abgelegenen Orten statt. Das Publikum erfährt erst kurz vorher, meist über private Kontakte, wo es hingeht. Die Organisationsteams betreiben viel Aufwand um unentdeckt zu bleiben. Trotzdem kann die Party jeden Moment beendet sein. Polizei und Ordnungsamt sind viele Orte bekannt, an denen regelmäßig Open Airs stattfinden. Sie können die unangemeldete Veranstaltung auflösen und die Verantwortlichen mit Bußgeldern belegen.

Rechtliche Grundlagen und Konsequenzen

Der Grünen-Politiker Jürgen Kasek vertritt Organisations-Teams von Open Airs vor Gericht. Als Rechtsanwalt kennt er das Vorgehen der Polizei. Er möchte die Open-Air-Teams darüber aufklären, wie sie Konzerte auch legal veranstalten können. Für Berlin gibt es bereits ähnliche Angebote. In einem Workshop zum Thema erklärt Kasek die rechtlichen Grundlagen und zeigt, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist. Wenn Open Airs im Naturschutzgebiet oder unerlaubt auf privaten Grundstücken stattfinden, werden Bußgelder fällig. Auf anderen Flächen sind Dieselgeneratoren verboten. Besonders teuer kann es werden, wenn sich die Nachbarschaft über den Lärm beschwert und dieser auch nachgewiesen werden kann.
Thomas Schmidt vom Ordnungsamt hat die Erfahrung gemacht, dass Anwohnende empfindlicher werden, wenn sie wiederholt nachts von Partys gestört werden.

Dann muss gehandelt werden. Wir ziehen auch Technik ein oder stellen die sicher.“

Thomas Schmidt, Abteilungsleiter der Sicherheitsbehörde im Ordnungsamt

Die Technik werde dann eingezogen, wenn sich niemand als Veranstalterin oder Veranstalter des Konzertes zu erkennen geben will.

Öffentliche Flächen als Alternative?

Doch muss es immer zur Konfrontation kommen? Muss es immer illegal sein? Der Leipziger Stadtrat hat sich vor Kurzem mit dieser Frage beschäftigt. Die Mitglieder beschlossen, dass Flächen gesucht werden sollen, auf denen Konzerte unkompliziert angemeldet werden können und legal stattfinden würden. Grünen-Politiker Jürgen Kasek ist sich sicher, dass eine ganze Reihe von Leuten solche Flächen gerne nutzen würden. Auf Seiten der Organisations-Teams gebe es jedoch auch Bedenken:

Ist natürlich schön, wenn Leute dann einen Platz haben, wo sie feiern können und dass es dann auch eine Verantwortlichkeit gibt, die sich darum kümmert. Aber es geht ein bisschen dieses Open Air Feeling an sich verloren.

ein anonymer Veranstalter

Thomas Schmidt vom Ordnungsamt fürchtet darüber hinaus, dass der administrative Aufwand abschrecken könne. Solche Flächen zu nutzen sei immer mit Auflagen verbunden – zum Beispiel müsse die Nachtruhe ab 22 Uhr eingehalten werden. Das entspreche nicht den Interessen der jungen Menschen. Für den Stadtrat steht die Debatte nicht zum ersten Mal auf der Tagesordnung. Bereits 2013 sprachen sich die Grünen dafür aus, nichtkommerzielle Freiflächen in Leipzig für Partys zur Verfügung zu stellen.

Eines steht fest: Illegale Open Airs wird es auch zukünftig in Leipzig geben. Noch sind keine neuen öffentlichen Freiräume in Sicht. Dass sie eine passende Alternative für die Organisations-Teams darstellen, scheint eher unwahrscheinlich.

Wer mehr über das Phänomen der illegalen Open Airs erfahren möchte, findet in der Artikelserie Feuertanz unserer Kollegin Lea Schröder vertiefte Einblicke.

Der Beitrag zum Nachhören:

Der Beitrag von Sonja Bakes und Fabian Kempe über illegale Open-Air-Veranstaltungen
Beitrag Open Airs

 

 

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Sonja Bakes; Fabian Kempe
09.08.2019 - 14:42
  Kultur

Wer wissen möchte, wie sich so ein Open Air anhören könnte, wenn es bis zum Morgen nicht aufgelöst wurde, der kann dieses Set von Kurt Cocain oder vielen anderen DJs hören:

 

Dieses Set wurde kuratiert von frohfroh, dem selbsternannten Sprachrohr für die elektronische Musikszene Leipzigs.