euro-scene 2017

Fassaden des Balletts selbst erlebt

Jedes Jahr bietet das euro-scene Festival neben den ganzen Shows auch einen Workshop an. Dieses Jahr: Goldkugeln der Tanzgeschichte, ein Einblick in drei Choreographien aus dem "Triadischen Balett".
Der ehemalige Berufstänzer Ivan Liška leitet den Workshop zum Triadischen Ballett.
Der ehemalige Berufstänzer Ivan Liška leitet den Workshop zum Triadischen Ballett.

Ob jung oder alt, Profi oder Amateur

Der diesjährige knapp zweistündige Workshop beim euro-scene Festival war etwas ganz Besonderes: Unter der Anleitung von Ivan Liška konnten begeisterte Tänzer, seien es Amateure oder Profis, am Mittwoch Elemente aus dem Eröffnungsstück "Das Triadische Ballett" am eigenen Körper erfahren.

Der Tanzraum der Tanzschule Tanzerei Flugfisch war voll. 36 Teilnehmer waren aus der ganzen Welt angereist, um an diesem Workshop teilzunehmen. Die Einen interessiert besonders der Bauhaus-Stil, unter welchem das Ballett einzuordnen ist, andere sind Profis, die sich dieses Stück Tanzgeschichte nicht entgehen lassen wollen. Und dann gab es noch diejenigen, die noch nie Ballett getanzt haben und durch den ein oder anderen Kontakt an Karten herangekommen sind. Trotz der grundlegend verschiedenen Erwartungen der Teilnehmer, war die Motivation für den Workshop hoch.

Ohne dritte Dimension

Nach einem Warm-Up wurde dann die erste Choreografie einstudiert. Erarbeitet wurde ein Auschnitt aus der Chorepgrafie des "Hampelmann", der sich nur zweidimensional bewegen kann. Dazu mussten die Teilnehmer zunächst umdenken. Dies ist selbst für die absoluten Profis schwer, doch Liška schafft es durch Metaphern und Zuspruch die Teilnehmer für diese Sichtweise zu gewinnen, so dass sich das Resultat nach nur etwa 30 Minuten Arbeit sehen ließ. Natürlich herrscht eine starke Diskrepanz zwischen Profis und Amateuren, aber schließlich geht es bei diesem Workshop nicht darum, das professionelle Tanzen zu lernen, sondern sich für das Ballett und dessen Fassaden zu sensibilisieren und einen tieferen Eindruck in das Stück zu bekommen.

Die Spirale im Original

Dann ging es auch schon an die zweite Choreografie, die längste von den heute erarbeiteten. Tatsächlich war hierfür die Tänzerin anwesend, die die Spirale in der Inszenierung von Liška tanzt. Sie machte also die Schritte vor und die Teilnehmer wurden von Ivan Liška mit Tipps versorgt, wie es auch bei ihnen zumindest ansatzweise so schön und leicht aussehen kann. Das war schon ohne aufwendiges Kostüm schwer genug. Nach der erfolgreichen Einführung in diesen deutlich anspruchsvollen Teil der Choreografie von Gerhard Bohner, bekamen die Teilnehmer die Ehre, die Choreografie getanzt von der Originaltänzerin im Originalkostüm - welches mit Hilfe von Schrauben u.ä. an der Tänzerin befestigt wurde - zu sehen.

Ballett? Nicht nur für Frauen!

Der dritte Teil des Workshops richtete sich größtenteils an die männlichen Teilnehmer. Es ging darum, die Goldkugeln zu tanzen. Dabei sind die Arme und der Oberkörper bewegungsunfähig und nur von der Hüfte abwärts herrscht Bewegungsfreiheit. Was so einfach klingt, erweist sich als komplizierter als gedacht. Von den Beinen werden alltagsungewöhnliche Positionen und Schrittfolgen verlangt. Ein Schritt, der gezeigt wurde, scheint bei manchen der Profitänzer nicht zu funktionieren. In dem Workshop aber wurde sogar festgestellt, dass einige Teilnehmer den Schritt besser tanzen, als manche Profis. Die vier männlichen Teilnehmer des Workshops haben dann, instruiert von Ivan Liška, die dazugehörige Choreografie getanzt, während alle anderen dabei zuschauten. 

Blick in zufriedene Gesichter

Dann war auch schon das Ende des Worshops in Sicht. Die Teilnehmer geben sich zufrieden. Trotz unterschiedlichsten Vorraussetzungen und Erwartungen war für jeden etwas dabei. Zwar wurde heute nicht die neue Besetzung für "Das Triadische Ballett" erschaffen, doch in jedem Fall sind die Teilnehmer nun um einige außergewöhnliche Tanzerfahrungen reicher. Und der Rest ist üben.

Mit dem Plädoyer Ivan Liškas, dass das Ballett nur durch das Aufführen am Leben gehalten wird, entließ er die Teilnehmer mit dem Gedanken aus dem Workshop, dass diese soeben dazu beigetragen haben, ein Stück Kultur am Leben zu halten.

 

 

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Zur Person:

Ivan Liška ist ehemaliger Profitänzer. Er hat 20 Jahre lang als erster Solist im Hamburg Ballett getanzt. Anschließend wurde er Direktor des Balletts der Bayerischen Staatsoper. Heute hat er selbst eine Tanzschule.

Ganze 85 Mal hat er das triadische Ballett selbst getanzt.