Gamescom 2017

Fans wollen mehr

Die Gamescom 2017 hat stattgefunden. Und wo Games sind, da sind unsere Redakteure von GameTech nicht weit entfernt. Doch ist die Gamescom neben Events wie der E3 noch relevant?
Natürlich wurde auch Hardware benötigt - viel Hardware.
Natürlich wurde auch Hardware benötigt - viel Hardware.

Die Gamescom als Messe für die breite Masse - Das ist das Bild, welches sich immer mehr etabliert. Während Publisher hauptsächlich die E3 und publishereigene Messen wie die Blizzcon nutzen, bekommt die Gamescom lediglich eine Lightversion der dort vorgestellten Inhalte. Die wenigsten Unternehmen nutzen die Messe, um Neuerungen erstmalig vorzustellen. Stattdessen präsentiert sich die Gamescom immer mehr als Event - es gibt Autogrammstunden mit Youtube-Stars, anderthalb Hallen gefüllt mit Merchandise und nerdige Kulissen für Fotos.

Doch richtiger Service wird dennoch nicht geboten: Teilweise müssen Fans bis zu vier Stunden warten, bis sie an die Konsole oder den PC dürfen, nur um nach zehn Minuten wieder verscheucht zu werden - Dabei kommt der Großteil der Spiele schon in ein bis zwei Monaten auf den Markt. Die Frage dabei ist, ob sich das noch lohnt - zumal der Spieler nach zehn Minuten Spielzeit noch lange nicht abschätzen kann, ob der Kauf wirklich sinnvoll ist. Teils wirken die Demoversionen dann auch noch unfertig oder sind vom Gameplay her für die Messe zugeschnitten.

Mehr Tiefe ist gefragt

Beim Stand von Blizzard konnten die Fans ihre Spielehelden aus "Overwatch" in Lebensgröße sehen.

An zu wenigen Stellen erhalten die Fans tiefgründige Informationen zu den Spielen. Einen Blick hinter die Kulissen sucht der Interessierte hier vergebens. Die Entwickler selbst bekommt höchstens die Presse zu Gesicht - dabei geht die Expertise der meisten Fans schon lange über das bloße Spielen hinaus. Auf riesigen Bildschirmen laufen Kurzfilme und Trailer, die Spieler bereits schon kennen und die wenig über das Gameplay selbst verraten. Bessere Chancen haben Interessierte dann doch im Indiebereich. Hier sitzen teils sogar die Macher selbst am Stand und stellen ihre Werke vor. Die "Indie Booth" wird von der deutschen Szene der Indie-Entwickler organisiert und lädt jedes Jahr wieder unabhängige Spielemacher ein - Als der Bereich 2013 startete, betrug die Fläche gerade einmal 40m² - dieses Jahr waren es ganze 1000m², auf der über 80 Spiele präsentiert wurden. Dennoch sind Indiegames  immernoch unterrepräsentiert, wenn man bedenkt, dass die Gesamtfläche der Messe 201.000 Quadratmeter beträgt. Dabei sind gerade Spiele wie das postapokalyptische Kung-fu-RPG "Biomutant" eine willkommene Abwechslung und bringen frischen Wind in die Gaming-Landschaft. Doch nicht nur das: Indie-Games gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Allein von April 2015 bis April 2016 hat sich die Anzahl der Indiespiele auf der Plattform Steam verdoppelt - und auch auf der Konsole werden Indiespiele immer präsenter. Die positiven Resonanzen auf Spiele wie "Journey" oder "Stardew Valley" beweisen, dass auch auf Plattformen wie der PS4 Bedarf für Indiegames herrscht.

Trailer zu Biomutant

 

Mehr Mut zu Innovation

Viele Publisher stützen sich zu sehr darauf, von etablierten Reihen weitere, wenig innovative Teile herauszubringen. Die alten Muster verwenden, die Grafik ein bisschen aufpolieren, ein bis zwei nette kleine Features eingefügen - fertig ist das X'te Spiel der Reihe. Die Publisher verlassen sich auf Althergebrachtes - das hat doch schon immer funktioniert. Der Spieler ist und bleibt Konsument. Dass genau dort Indiegames ansetzen, nämlich indem sie die Fans in die Produktion des Spieles einbeziehen, scheint der AAA-Konkurrenz egal zu sein.

Auf 201.000 Quadratmetern gab es Konsolen, Esport und Merchandise zu sehen.
Auf 201.000 Quadratmetern gab es Konsolen, Esport und Merchandise zu sehen.

Dieselbe Tendenz lässt sich auch bei der Gamescom erkennen, die ebenfalls Innovationen vermissen lässt. Obwohl die Besucher schon längst nicht mehr bloße Konsumenten sind. Es wäre also an der Zeit mit den Fans zusammenzuarbeiten. So könnte die Logistik zum Antesten der Spiele verbessert werden zum Beispiel mithilfe eines Nummernsystems. Immerhin konnten Publisher mit Live-Übertragungen der Spiele auf großen Bildschirmen zumindest das Warten etwas verkürzen. Mehr Details und Hintergrundinformationen über die Spiele konnten bereitgestellt werden. Außerdem verdient die Indieszene mehr Platz und mehr Sichtbarkeit, sodass die Vielfältigkeit der aktuellen Gaminglandschaft abgebildet werden kann. Dazu gehört auch, die Metaebene zu bedienen, das heißt konkret, Diskussionsrunden zu ermöglichen und Pressekonferenzen den Besuchern zugänglich zu machen. Natürlich kann die Gamescom selbst dann nicht mit der E3 mithalten, es wäre jedoch ein Schritt in die richtige Richtung: nämlich das Fan sein besser zu verstehen und darin mehr zu sehen als einen bloßen Absatzmarkt, der mit Spielen und Merchandise versorgt werden muss.

 

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Sophie Schröder
29.08.2017 - 12:02
  Games