Adventskalender

Familienglück unterm Weihnachtsbaum

Heute wird das neunte Türchen geöffnet: Dahinter verbirgt sich das, was an Weihnachten am wichtigsten ist – die Familie.
Was sich hinter Türchen 9 verbirgt? Lesen Sie selbst!

Die perfekte Familie gehört zu Weihnachten wie Spekulatius und Glühwein. In allen Werbespots wird das Bild der vierköpfigen, superglücklichen Familie mit strahlend weißen Zähnen propagiert. Und die zeigen sie auch bei jeder Gelegenheit, denn alle sind zufrieden und herzlich am Lachen. Ständig. Streit darum, wer als erstes sein Geschenk öffnen darf – Fehlanzeige. Und natürlich ist auch niemand unzufrieden mit seinen Geschenken – oder damit, erst nach dem Essen zu bescheren. Selbst die Kleinsten halten still und genießen die besinnliche Zeit mit der Familie. Ein schönes Bild.

Da vergeht selbst Menschen mit Nerven aus Stahl die letzte Weihnachtsstimmung

Die Realität sieht aber meist anders aus: Die Kinder sind in den meisten Fällen vor und nach der Bescherung für nichts zu gebrauchen. Vorher sind sie so hibbelig und nervös, als stünden sie kurz vor ihrer Hinrichtung. Danach sind sie mit ihren Geschenken beschäftigt und sprechen nur mit ihren Mitmenschen, wenn sie etwas von ihnen wollen. Ein gemeinsames Essen wird so schier unmöglich. Aber auf die traditionelle Weihnachtsgans oder Würstchen mit Kartoffelsalat müssen hierzulande inzwischen sowieso die meisten Familien verzichten: Die Jünger des Vegetarismus und Veganismus erobern nämlich nicht nur die Kühlregale, sondern auch das Weihnachtsmenü. Da vergeht auch Menschen mit Nerven aus Stahl die letzte Weihnachtsstimmung, wenn sie nach dem ganzen Stress nicht in ein fetttriefendes Stück Gans beißen und dieses genüsslich herunterschlingen können. Steht den werten Verwandten dann noch ins Gesicht geschrieben, dass ihnen die Geschenke in diesem Jahr wieder nicht gefallen haben, kann man damit leben. Kinder scheuen sich aber nicht, ihre Unzufriedenheit offen anzusprechen. So endet ein Weihnachtsabend schnell mal im Dritten Weltkrieg. Da muss man als Erwachsener ziemlich tief in die Glühweintasse gucken - wenn die nicht schon leer ist und man bereits das vierte Bier in der Hand hat, versteht sich.

Wie jedes Jahr eben

Wenn man dann nach den Feiertagen wieder auf die Arbeit geht und als Bilderbuch-Familienvater nach seinem Weihnachten gefragt wird, ist die Antwort meist fad. Es war gut. Wie jedes Jahr eben. Wirklich was zu erzählen hat man da nicht. Werde ich nach meinem Weihnachten gefragt erzähle ich von meinem vierten Bier und dem vegetarischen Essen. Und freue mich darüber, dass meine Familie nicht so häufig ihre Zähne bleachen lässt.

mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker über Familien an Weihnachten: 

Redakteurin Marisa Becker zu Familien an Weihnachten
 

 

 

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