DOK 2018

Exit: Warum ausgerechnet ich?

Karen Winther war vor 20 Jahren Anhängerin der rechtsextremen Szene. In ihrer ersten Dokumentation "Exit" versucht sie den Ausstieg aus diesem gewaltbereiten Milieu zu verarbeiten.
Manuel Exit
Exit

Es fällt Karen Winther noch immer sichtlich schwer über ihre Vergangenheit zu reden. Dennoch setzt sie sich mit dem Thema auseinander, wie man den Ausstieg aus einer Szene voller Extremisten bewältigen kann. Um ihre persönliche Geschichte zu verarbeiten, hat sie auch die Regie der Dokumentation „Exit“ übernommen. Die Bühne bietet sie anderen Aussteiger/innen, um über deren Erfahrungen zu berichten. Einer von ihnen ist Manuel, der sehr ehrlich über die grausamen Taten seiner Vergangenheit spricht.

"Ich habe gefühlt, dass es richtig ist und ich war stolz darauf damals. Weil es war unser Revier, unser Land und da haben Parasiten nichts zu suchen."

 

Manuel, Protagonist in "Exit"

Neben diesen Erzählungen geht es vielmehr darum, wie jede/r Einzelne den Ausstieg aus der extremistischen Szene geschafft hat. Dafür hat sich Karen Winther nicht nur mit ehemaligen Rechtsextremen unterhalten. Sie spricht auch mit Sören aus Dänemark, einem ehemaligen Linksextremen. Außerdem trifft sie sich mit einem früheren Dschihadisten, der an Terroranschlägen in Frankreich beteiligt war. Begleitet werden diese Dialoge immer durch erschreckende Aufnahmen aus der damaligen, von Gewalt geprägten, Zeit.

"Ich werde euch die Wahrheit sagen"

In den intimen Gesprächen geht es immer um die Frage, was dazu führte diese Gewalt und Radikalität hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen. „Exit“ zeigt eindringlich, wie froh Karen Winther darüber ist, mit anderen über deren Ausstieg sprechen zu können. In bedrückenden Szenen offenbart die Dokumentation, wie sehr sie sich auch heute für ihre Vergangenheit schämt. Einige der Aussteiger/innen werden noch immer mit den früheren Taten konfrontiert. So fürchtet sich auch Manuel heute vor gewaltbereiten Neonazis, die es auf ihn abgesehen haben.

"Da standen auf einmal vier Mann vor mir und die haben auf mich eingetreten, bis sie mir auch die Zähne oben abgebrochen haben. Ich check jetzt immer wer aussteigt im Zug."

 

Manuel, Protagonist in "Exit"

Es ist die Ehrlichkeit aller Beteiligten, die „Exit“ so sehenswert macht. Karen Winther schafft es Verbindungen zwischen ihrer eigenen Biografie und den Erzählungen der Aussteiger/innen herzustellen, ohne sich selbst zu stark in den Vordergrund zu rücken. Sie setzt den Fokus konkret auf den Prozess der Deradikalisierung, ohne die grauenhaften Taten der Vergangenheit zu verheimlichen.

„Exit“ ist eine wichtige Dokumentation über Reue und Mut geworden, in der alle mit der Frage konfrontiert werden: Warum war ausgerechnet ich in dieser Szene gefangen?

 

Den Beitrag zum Nachhören findet Ihr hier:

"Exit" - Eine Rezension von Maximilian Hemmann
"Exit" - Eine Rezension von Maximilian Hemmann

 

 

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Exit

Internationaler Wettbewerb, DOK 2018

Regie: Karen Winther

Produktionsländer: Norwegen, Deutschland, Schweden

Laufzeit: 76 Minuten

Nächste Vorstellung: 02.11.2018 (13:15 Uhr, Cinestar)