Im Interview: Pish

"Everything Is A Little Bit Melancholic"

Pish kennen einige wahrscheinlich als Gitarristen und Sänger der norwegischen Indie-Pop Band Kakkmaddafakka. Anfang Mai ist jetzt seine gleichnamige Debüt-Platte erschienen. Wir haben Pish vor seinem Konzert in der Kantine am Berghain getroffen.
Pish
Pish vor seinem Auftritt in der Kantine am Berghain in Berlin.

Dass man nach 15 Jahren in derselben Band auch mal sein eigenes Ding machen will, ist nachvollziehbar. An den Punkt ist letztes Jahr auch Pål Vindenes aka Pish gekommen. Letzten Juni hat er seine erste Single 'Crime' released. Das Video dazu ist ein One-Take-Wonder, in dem Pish auf einer Vespa sitzend durch seine Heimatstadt Bergen düst. Hören kann man dazu verträumten Indie-Pop. Anfang Mai hat er dann mit seiner gleichnamigen Platte sein Solo-Debüt nachgelegt und in der Kantine am Berghain in Berlin den ersten Stopp auf seiner Solo-Tour eingelegt.

Wir haben mit Pish darüber geredet, was den Vibe seines Albums ausmacht, seinen bislang politischsten Song und warum Dauerregen auch gute Seiten haben kann:

Pish im Gespräch mit Musikredakteurin Sophie Boche.
Pish Interview

Staffellauf oder 100-Meter-Sprint

Warum war es wichtig für dich, ein Soloprojekt zu starten?

Ich hab mich gefühlt wie jede andere Person, die etwas erschafft – irgendwann will man auch etwas ganz alleine durchziehen. Wenn du Olympiateilnehmer bist, zum Beispiel als Staffelläufer der Nationalmannschaft, da kannst du Teil des Teams sein. Aber die 100 Meter alleine zu laufen, das ist etwas anderes.

Auf Facebook hast du angekündigt, dass das heute das erste Konzert deiner Solotour ist. Wie fühlt es sich an alleine auf der Bühne zu stehen und nicht mit deiner Band Kakkmaddafakka?

Es fühlt sich sehr komisch an, das muss ich zugeben. Das letzte Mal habe ich in Amsterdam gespielt und es war total merkwürdig. Es fühlte sich wie der Anfang von etwas an. Das war alles ein bisschen unangenehm, aber trotzdem sehr cool. Aber auch sehr komisch für mich, weil ich eben seit 15 Jahren in der anderen Band bin.

Wie fühlt es sich an, wenn der Fokus nur auf dir liegt? Genießt du das?

Ich kann tatsächlich nicht sagen, dass ich das so sehr genieße. Ich mag es in einer Gruppe zu sein, in der wir alle voneinander lernen können. Also es ist schon in Ordnung, aber ich genieße es einfach nicht so sehr. Ich wollte einfach nur alleine etwas starten und mich nicht selber ihn Ruhm baden oder so was.

In einem Vibe

War es wichtig für dich, einen anderen Sound als den Kakkmaddafakka Sound auf dem Album zu haben?

Nein, das war nicht so wichtig, denn es hört sich ziemlich gleich an. Ich wollte einfach ein Projekt starten, in dem ich alles ganz allein mache. Ich hab mich mal so richtig verwöhnt, wenn du weißt, was ich meine.

Dein Album ist 24 Minuten lang, was eher kurz ist -  auf was hast du dich konzentriert, als du es gemacht hast? Was war wichtig für dich?

Der Vibe war das Wichtigste für mich. Ich wollte, dass das Ganze wie eine Einheit wird. Dass es einen Stempel hat: Boom, das ist das Album! Das war für mich das Wichtigste daran und ich denke, ich hab das auch ganz gut hinbekommen. 

Beziehungen Schuld und Politik

Auf dem Album gibt es auch drei Interludes - Passen sie zu dem Vibe, den du haben wolltest?

Ja, ich bin sogar ziemlich glücklich über die Interludes. Sie sind eigentlich der Stempel daran. Wenn ich ein zweites Album machen würde, wäre es hart den Vibe genauso gut hinzubekommen wie auf diesem Album. Es hat quasi einen Setvibe. Ich hab schon viele Alben gemacht und es ist hart einen Stempel hinzubekommen wie hier. Aber ich versuchs natürlich wieder.

Einer der ersten Songs, die du veröffentlicht hast, war Crime. Und so wie ich es sehe, geht es darin um Schuld in Beziehungen. Was bedeutet der Song für dich?

Es geht um Schuld in Beziehungen, aber auch ein bisschen um Politik. Wenn du dir zum Beispiel anschaust, wie die norwegische Regierung mit der Heroin Epidemie in Norwegen umgeht. Wie sie Menschen ins Gefängnis stecken, wenn sie aber eigentlich krank sind. Ich denke der Song behandelt zwar Beziehungen, hat aber auch eine größere Bedeutung in Bezug auf Politik. Tatsächlich ist es einer der politischsten Songs, die ich je geschrieben habe.

"To have a little bit of nice weather - I'm not saying no to that"

Dein Bruder Axel hat mir in einem Interview mal gesagt, dass er nach Italien geht, weil er einen sonnigeren Ort zum Leben braucht. Geht es dir genauso oder fühlst du dich in Bergen glücklich?

Ja, ich bin glücklich in Bergen, aber nicht die ganze Zeit. Ich würde auch gerne an einen sonnigeren Ort. Es ist schön in Bergen, weil ich dort viel arbeiten kann. Und ich mag es wirklich zu arbeiten. Das macht mich wirklich glücklich. Ich wache auf am Morgen und mache einen Song und dann ist mein Leben einfach super. Das ist mein Sinn im Leben, das zu machen. Und solange ich das machen kann, bin ich ziemlich zufrieden und glücklich. Aber werde definitiv das selbe tun wie mein Bruder und nach Italien gehen. Dort arbeiten und ein bisschen nettes Wetter genießen – dazu sage ich nicht Nein.

Liegt es vielleicht auch am Regen, dass Musik aus Bergen oder generell skandinavische Popmusik oft diesen leicht melancholischen Touch hat?

Ich denke ja, aber auch, dass der Regen dir hilft, dich aufs Arbeiten zu konzentrieren. Weil du so viel Zeit zum Arbeiten drinnen hast. Wenn schlechtes Wetter ist, willst du nicht draußen rumhängen. Du bleibst drinnen, machst es dir gemütlich und schreibst Songs, weil es dich glücklich macht und es draußen schüttet. Aber natürlich ist auch alles ein bisschen melancholisch, wenn man nur mal darüber nachdenkt. Und wenn du einen schlechten Sonntag hast, kann es richtig melancholisch werden!

Über Zeitmaschinen und die Zukunft

Wo siehst du deine Musikkarriere in zehn Jahren? Wird es mehr Soloalben geben?

Vielleicht wenigstens ein weiteres von mir, ein paar weitere Kakkmaddafakka Alben. Es wird wahrscheinlich ziemlich ähnlich aussehen. Wir werden ein bisschen älter, nicht so alt, aber naja, schon älter. Aber wir können noch weiter machen, für eine lange Zeit. Solange es Spaß macht.

Ich würde jetzt mit einer Schnellfragerunde weitermachen. Wenn du einen Tag als eine andere Person leben könntest – wer würde das sein?

Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen irgendeine Person. Nein, ich würde natürlich eine berühmte Person sein: Jennifer Lawrence.

Wenn du eine Zeitmaschine hättest – in welche Zeit würdest du reisen?

In die Zukunft.

Was war dein erstes Album?

2Pac - All Eyes On Me.

Wenn dein Leben ein Film wäre – wer würde dich spielen?

Ryan Gosling.

Was war das Dümmste, was du jemals betrunken getan hast?

Ich hab mir einige Male in die Hose gemacht.

Pish Crime

 

 

 

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Sophie Boche
05.06.2018 - 08:31
  Kultur