Gesundheit

Europäischer Tag der Depression

Seit 2004 ist der 01. Oktober Europäischer Tag der Depression. In Deutschland sind laut der Weltgesundheitsorganisation 4,1 Mio. Menschen an Depression erkrankt. Trotzdem wird sie von vielen unterschätzt oder gar nicht erst als Krankheit angesehen.
Depression
Depressionen sind immer noch mit vielen Vorurteilen verbunden.

Wir haben mit der Kinder- und Jugendtherapeutin Julia Ebhard von der Deutschen Depressionshilfe gesprochen. Es geht unter anderem um ihre Arbeit mit Betroffenen und das Projekt Fideo, ein Selbsthilfeforum für Jugendliche ab 14 Jahren.

Das Interview hier zum Nachhören und unten zum Nachlesen:

Moderator Max Koterba im Gespräch mit Julia Ebhard von der Deutschen Depressionshilfe
Depressionshilfe

Das Interview wurde redaktionell gekürzt.

mephisto 97.6: Frau Ebhard, was macht die deutsche Depressionshilfe? Was sind deren Aufgaben?

Julia Ebhard: In erster Linie versuchen wir über die Erkrankung Depression aufzuklären. Das heißt, an verschiedenen Stellen: sowohl Experten, aber auch jeden den es irgenwie betreffen könnte, oder der Angehöriger ist. Darüber hinaus machen wir verschiedene Studien. Wir haben Projekte, die sich direkt an Betroffene richten, zum Beispiel ein Infotelefon Depression, verschiedene Onlineforen.

Sie haben das Projekt "FIDEO" gegründet. Wie sieht die Arbeit von FIDEO aus?

Fideo ist ein Projekt, was sich an junge Menschen mit Depressionen richtet. Wir haben einen Teil, der informiert, wo man etwas erfahren kann über Symptome, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten der Depression. Das zweite ist, dass wir ein Forum haben, wo sich junge Menschen austauschen können. Wir gehen davon aus, dass es neben der ganzen professionellen Hilfe auch ganz viele Hinweise, die man sich untereinander geben kann.

Wie wichtig ist es eigentlich online verfügbar zu sein? Macht das einen Unterschied zu Hotlines? Ist die Schwelle niedriger? Warum sind Sie online?

Das ist die Hoffnung, dass die Schwelle niedriger ist. Der erste Weg ist, dass man über Google sucht, auf jeden Fall erstmal nach Symptomen sucht und dann ist das Ziel, dass man möglichst gute Informationen bekommt. Dass ich tatsächlich weiß, was mache ich jetzt mit den Symptomen, wohin kann ich mich wenden.

Frau Ebhard, im Vergleich zur Arbeit mit Erwachsenen, wie ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen? Wie unterscheidet die sich?

Ich habe das Gefühl, die Jugendlichen sind ein Stück weit direkter und kommen schneller zum Thema. Da wird nicht so viel um den heißen Brei herum geredet. Auf der anderen Seite ist es manchmal gar nicht so leicht zu gucken, was ist jetzt normale Pubertät und was ist vielleicht Erkrankung. Stimmungsschwankungen ist etwas, dass in der Pubertät sehr typisch ist. Da feinfühlig zu sein und zu gucken, das ist jetzt vielleicht doch eine Erkrankung, das ist, denke ich, ein Unterschied. Der andere Unterschied ist, dass man immer versuchen mussm, am Puls der Zeit zu bleiben, was nicht so einfach ist.

Wie unterscheidet sich die Therapie heute zur Therapie vor vielleicht 40 Jahren? Gab es da Entwicklungen, oder hat man da schon den Königsweg gefunden?

Gute Frage. Im Prinzip ist es eine sehr langsame Entwicklung. Prinzipiell gibt es verschiedene Richtungen. Es gibt die Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder Psychoanalyse. Wichtig ist immer zu gucken, was passt zu dem jeweiligen Patienten. Es gibt natürlich neuere Dinge, die aber jetzt noch nicht so richtig gut erforscht sind, beziehungsweise wo man abwarten muss, wie die Ergebnisse sind.

Wie hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung von Depressionen in den letzten Jahren entwickelt? Sehen Sie da eine Entwicklung, oder ist das immernoch ein großes Tabuthema? Besteht immer noch Bedarf daran zu arbeiten, wie man damit umgeht?

Bedarf besteht auf jeden Fall noch, aber ich sehe da eine sehr positive Entwicklung insgesamt. Es gibt immer mehr Menschen, die sich Hilfe holen. Das heißt, nicht damit alleine bleiben. Das ist ein sehr gutes Zeichen.

Was würden Sie sagen, was muss noch passieren, dass man Depressionen eher als Krankheit wahrnimmt? Und dass es vielleicht einfacher ist, es sich einzugestehen und es okay ist, Hilfe zu suchen?

Es ist ja kein Versagen, oder weil man eine falsche Lebensführung hat, sondern es ist tatsächliche eine Erkrankung. Ich glaube, wenn man irgendwann mal aufhört in diesen zwei Kategorien zu denken, also psychische und körperliche Erkrankung, dann ist schon viel getan. Es ist am Ende eine Erkrankung, die therapeutischer und ärztlicher Hilfe bedarf.

 

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Website der Deutschen Depressionshilfe:

www.deutsche-depressionshilfe.de

Projekt Fideo:

www.fideo.de