Frisch Gepresst: Janelle Monáe

Eternal Darkness of the Spotless Mind

Zwischen 'Anderssein', Rebellion und Liebe: Mit "Dirty Computer" bringt Janelle Monáe ein weiteres Sci-Fi-Konzeptalbum heraus – und ihr erstes 'Emotion Picture', einen Shortfilm zum Album.
Für Janelle Monáe ist "Dirty Computer" bis jetzt das persönlichste Album.

Den Beitrag gibt es hier zum Nachhören:  

"Dirty Computer" von Janelle Monáe - eine Albumrezension von Hanna Kormann
 

They started calling us computers. People began vanishing. And the cleaning began. You were dirty if you looked different. You were dirty if you refused to live the way they dictated. You were dirty if you showed any form of opposition, at all. And if you were dirty, it was only a matter of time...

Mit diesen Worten führt uns Janelle Monáe in ihr 'Emotion Picture' ein, den Shortfilm zum gleichnamigen Album "Dirty Computer". Das Universum von "Dirty Computer" ist dystopisch, futuristisch und beängstigend. In einem steril wirkenden, überdimensionalen Raum soll Monáes Protagonistin Jane 57821 'bereinigt' werden, von sogenannten 'bugs', also: Systemfehlern. Die Reinigung beginnt alle Erinnerungen Janes sollen ausgelöscht werden. Die Vergangenheit Janes wir nun in Retrospektive erzählt unterlegt von den Songs des Albums.

"The Other" - Das Anderssein

Es ist nicht Monáes erstes Sci-Fi-Konzeptalbum. Schon in "Metropolis: Suite I" (EP, 2007), "The ArchAndroid" (2010) und "Electric Lady" (2013) beschwört sie dystopische Zukunftsvisionen, in denen ihre Android-Persona Cindy Mayweather fast schon messianisch gegen Diktaturen und für die Rechte von Androiden rebelliert. Für Monáe steht das Konzept der Androiden für das Anderssein, für diejenigen, die wegen ihrer Identität an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.    

Dies könnte ein Bild von Janelle Monáe sein.
 

"Dirty Computer" ist für Monáe in vielerlei Hinsicht eine Offenbarung. Zum einen lässt sie das Alter Ego Cindy Mayweather fallen, hinter dem sie sich jahrelang fast schon versteckt hat hinter einem androgynen Erscheinungsbild und schwarz-weißen Anzüge. "It had to do with the fear of being judged. All I saw was that I was supposed to look a certain way coming into this industry, and I felt like I [didn't] look like a stereotypical black female artist.", sagt sie im Interview mit der 'Rolling Stone'. Im selben Interview outet sich Monáe zudem als pansexuell. Das bedeutet, dass ihre Sexualität nicht von Geschlechtern abhängig ist. Die Songs sind nun also mehr von der Persönlichkeit Monáes geprägt, als von der Cindy Mayweathers.

They called this place the 'House of the New Dawn'. This place where they drained us of our dirt, and all the things that made us special. And just when you thought you could remember something, just when you thought you could see the past clearly, they would hit you with Nevermind. The gas would take over and then you were lost. Sleeping, and you didn't remember anything at all.

Jane 57281 im Shortfilm "Dirty Computer" 

Die Songs, die im Film jeweils eine Erinnerung symbolisieren, erzählen zusammengesetzt die Vergangenheit von 'Jane 57821'. Jane ist Mitglied in einer Gruppe von Rebellen, die ein Zufluchtsort für alle ist, die anders sind Hauptsache ist, dass jegliche Geschlechteridentität und Sexualität akzeptiert wird. In "Crazy, Classic, Life" sehnt sie sich zu poppigen 80er-Synthies nach einem normalen und gleichzeitig verrückten Leben, in dem nicht ihre bloße Existenz ein Akt der Rebellion zu sein scheint. Und in dem jeder unberührt ein Recht auf Glück hat. In "Django Jane", dem einzigen voll gerappten Track, inszeniert sich Monáe als Anführerin einer black-women-only-Bewegung, und feiert dabei ihre eigene Weiblichkeit und die aller schwarzen Frauen ("Black girl magic, y'all can't stand it, y'all can't ban it, made out like a bandit. They been trying hard just to make us all vanish, I suggest they put a flag on a whole 'nother planet").

Im Song "Pynk" besingt Monáe mit fast kindlicher Stimme die weiche, pinke Feminität, die vor allem schwarzen Frauen oft abgesprochen wird. Im smoothen R'n'B-Track "I Like That" strotzt Monáe vor Selbstbewusstsein und Akzeptanz ihres eigenen, nichtkonformen Selbst ("I'm always left of center and that's right where I belong, I'm the random minor note you hear in major songs"). Die erste Single vom Album, "Make Me Feel", ist in Zusammenarbeit mit Prince entstanden, von dem die 80er-Synth-Line des Tracks stammt. Im Film zeigt sich Jane hier hin- und hergerissen zwischen einem Mann und einer Frau (gespielt von Tessa Thompson) mit beiden geht sie dann eine polyamouröse Beziehung ein. Auf "So Afraid" zeigt Monáe die andere Seite der Offenbarung, der Rebellion nämlich die Angst, sich der Welt zu öffnen.

Fazit

Freie Liebe, Schwächen, Anderssein, Emotionen, Menschlichkeit das sind die Systemfehler, die die Elite in "Dirty Computer" auslöschen will. Es sind auch die Eigenschaften, die Janelle Monáe mit ihrem Album an sich und allen Menschen feiern will. Die Songs strotzen vor Lebensfreude, bringen zum Tanzen und promoten Selbstliebe und -akzeptanz. Und das, ohne eine idealistische heile Welt vorzuspielen.

I want young girls, young boys, nonbinary, gay, straight, queer people who are having a bad time dealing with their sexuality, dealing with feeling ostracized or bullied for just being their unique selves, to know that I see you. This album is for you.

Janelle Monáe

Hier das 'Emotion Picture' zu Janelle Monáes neuen Album "Dirty Computer":

 

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Janelle Monáe: Dirty Computer

Tracklist:

1. Dirty Computer

2. Crazy, Classic, Life

3. Take A Byte

4. Jane's Dream

5. Screwed (feat. Zoe Kravitz)

6. Django Jane

7. Pynk (feat. Grimes)

8. Make Me Feel

9. I Got The Juice (feat. Pharrell Williams)

10. I Like That 

11. Don't Judge Me

12. Stevie's Dream

13. So Afraid

14. Americans

Erscheinungsdatum: 27.04.2018
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