M19 zu den Kürzungen an der Uni Leipzig

"Es wird Dominoeffekte geben."

Die Universität Leipzig steht schon seit längerem am Scheideweg: Bleibt sie eine Volluniversität oder wird sie zur profilierten Hochschule. Schließlich muss sie bis 2020 ganze 172 Stellen streichen. Viele wollen das nicht hinnehmen.
Banner an der Universität in der Grimmaischen Straße

Vorgaben des SMWK

Hochschulentwicklungsplan 2020 – So heißt das Machwerk des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, welches Einsparungen an den Hochschulen vorschreibt. Dort steht, dass landesweit 1024 Stellen gestrichen werden sollen. Die Universität reagiert darauf mit der Schließung ganzer Institute. Im Januar gab das Rektorat die Schließung von Theaterwissenschaft und klassischer Archäologie bekannt. Schon vor zwei Jahren sollte es eigentlich die Pharmazie treffen,doch die Sozialministerin Christine Clauß legte ihr Veto ein.

"Sachsen sägt an dem Ast auf dem es sitzt."

Moderatorin Constanze Müller mit Friederike Zühl von der Pharmazie

Für Friederike Zühl kam die Nachricht der Institutsschließung völlig überraschend, schließlich war sie damals erst wenige Wochen im Staatsexamensstudiengang Pharmazie eingeschrieben. Unter ihren Kommilitonen, den Professoren und im Fachschaftsrat regte sich natürlich Widerstand. Schließlich sei die Pharmazie laut eigener Aussage der Studiengang mit dem meisten Bewerbern pro Studienplatz und auch die Abgängerquote ist mit 90% beachtlich. Unterstützung bekam die Pharmazie dann vom Apothekerverband. Der Verband holte ein Rechtsgutachten ein, welches zum Schluss kommt, dass auch das Sozialministerium zustimmen muss. Und von dort kam bisher ein „Nein“ zur Schließung.

"Willkommen im Hotel Lux"

Moderatorin Constanze Müller bei Dietrich Raue vom Ägyptischen Museum

Einen drastischen Vergleich zog Dietrich Raue vor einigen Wochen. Der Kustos vom Ägyptischen Museum hat die Situation an der Universität in einem offenen Brief mit dem Moskauer Hotel Lux verglichen. Von dort wurden damals die politischen Gegner Stalins abgeholt. An der Universität sei die Situation ähnlich, laut Raue warten die Institute nur darauf, wer in der nächsten Kürzungsrunde „abgeholt“ wird. Zwar ist Dietrich Raue mit dem Ägyptischen Museum nicht direkt betroffen, doch gerade bei den kleinen Instituten kann es schnell zu Dominoeffekten kommen. Denn laut Raue würden die nur im Verbund funktionieren.

„Was die Kürzungen für Leipzig bedeuten würden, will ich mir gar nicht vorstellen.“

Holger Mann im Studio mit unserer Moderatorin Constanze Müller

Einer, der naturgemäß gegen die Kürzungen an den sächsischen Hochschulen ist, heißt Holger Mann. Schließlich ist er Landtagsabgeordneter der SPD und damit Mitglied der Opposition im Landtag. Den Darstellungen der Regierungskoalition, dass Sachsen sparen müsse, tritt er entgegen. Laut Holger Mann gebe es seit Jahren schon steigende Steuereinnahmen, welche in den Städten durchaus auch mit den attraktiven Hochschulen zusammenhängen. Schließlich seien die Hochschulen der entscheidende Faktor, der dem demografischen Wandel entgegenwirke und für Zuwanderung, zumindest in den großen Städten, sorge.

Moderatorin Constanze Müller im Gespräch mit Gegnern der Uni-Kürzungen
M19 mit Kürzungsgegnern

 

 

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