CD der Woche

Es war einmal ein Jazzmusik-Student…

…der um sich die Zeit an der Uni zu vertreiben, eine Rockband gründete. Sechs Jahre und vier Alben später, kommt ihr wohl komplexestes Werk raus: "Life Without Sound"
Cloud Nothings, Porträt
Bandporträt Cloud Nothings

Cloud Nothings heißt die Band hinter Life Without Sound. Eine Garagen-Band aus Cleeveland, die sich trotz ihrer Erfolge, immer noch ziemlich unter dem Radar bewegen.

Zwischen Billigkaffee und Akustikgitarre

Leadsänger Dylan Baldi der nach einem zwei-jährigen Aufenthalt in Paris und etlichen Touren, endlich wieder in seiner Heimatstadt angekommen, schrieb das Album erstmal eigenständig. In irgendeinem Cleeveland-Musikladen, kaufte er sich eine billige Akustikgitarre und schrieb Monatelang an den Songs, die später zu Life Without Sound werden würden. Das Album verzeichnete bis jetzt den aufwendigsten Aufnahme Prozess. Während ihr Vorgänger Here And Nowhere Else innerhalb von drei Wochen produziert wurde, nachdem sich die Bandmitglieder mehr oder minder, Infusionen von schlechten Kaffee verpassten und die Lieder meist erst am Vorabend schrieben.

Bei Life Without Sound lief das anders. Dylan Baldi bastelte erst selbst Demo-Tapes der verschiedenen Songs bis er sie dann endlich dem Rest seiner Band-Kollegen vorstellte. Zusammen schrieben sie das dann zu Bandstücken um. Ein langwieriger Prozess. Die Jungs standen ein Jahr im Studio, bis Life Without Sound dann endlich fertig war.

Poliert statt Garagen-Sound

Cloud Nothings haben sich vor allem mit ihrem rohen Lo-Fi Sound einen Namen gemacht. Riffs, die nie zu perfekt klingen kombiniert mit kräftigen Bass und krächzender Stimme. Life Without Sound orientiert sich mehr an Pop-Punk und Indie-Rock. Tracks wie Darkened Rings und Strange Years haben immer noch einen überladenen Sound und unordentliche Melodien, aber es klingt trotzdem alles polierter.

Hierfür ist vermutlich Produzent John Goodmanson verantwortlich, der schon mit Bikini Kill und Death Cab zusammengearbeitet hat. Das Album klingt schon fast ein wenig erwachsen. Die Jungs haben einen eigenen Anspruch für ihre Musik entwickelt und den versuchen sie zu erfüllen.

Cloud Nothings
Bandporträt Cloud Nothings

Kraftvoll aber langatmig

Auch auf Life Without Sound ist die Band wie gewohnt kraftvoll. Gerade Tracks wie Things Are Right With You und Up To The Surface beeindrucken mit einem vollen Bass und smoothen Melodien. Der Sound ist schwer und fährt in die Knochen. Teilweise ist das alles aber ein wenig träge. Gerade Darkened Rings, ein Wirbelwind von Gitarren und Schlagzeug, wirkt die ersten dreißig Minuten erst mitreißend, aber danach überladen und langatmig. Die Songs ziehen sich gegen Ende. Auch Realize  My Fate, das erst mit minimalistischen Gitarrenriffs und einer Art Nirvana-Nostalgie überzeugt, wird gegen Ende repetitiv. Die Songs, die durchschnittlich vier Minuten lang sind, hätten von Kürzungen profitiert. Die Tracks sind erst ergreifend, mangeln aber an Hooks, um den Enthusiasmus gegen Ende nicht zu verlieren.

 

Fazit

Der Sound ist ausbaubar, klar. Aber bei welcher Band denn nicht? Cloud Nothings sind ein Paradebeispiel von einer Garagen-Band die erwachsen geworden ist. Ein wenig wie Disney Kinder-Stars, die nicht Drogenabhängig werden. Die Band hat ihren Reiz nicht verloren und sich musikalisch weiterentwickelt. Doch sind sie ein wenig in einer Art Übergangsphase - macht aber nichts. Das Album macht mit frischen Pop-Punk und Indie-Einflüssen immer noch Laune. Catfish and The Bottlemen meets Slotface meets Fidlar und von Nirvana inspiriert.

 

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Cloud Nothings: Life Without Sound

Erscheinungsdatum: 27.01.2017
Carpark Records