25 Jahre Friedliche Revolution

"Es war auch nicht alles schlecht..."

Die Friedliche Revolution ist zwar schon lange Geschichte, aber noch lange nicht vergessen. Viele können sich noch an den DDR-Alltag erinnern und es gibt auch immer mehr Produkte, die die Spätgeborenen an die Vergangenheit erinnern.
Trabi
Old but gold - kaum ein anderes DDR-Produkt ist so kultig wie der Trabi.

"Damals wollte das keiner"

Schnell gehen sollte es mit der Wiedervereinigung - das war das Versprechen der CDU. Aber antürlich verschwand die DDR nicht gleich in der Versenkung. Nicht nur zahlreiche Erinnerungen an das alltägliche Leben blieben, sondern auch zahlreiche Produkte, die viele heute immer noch gerne kaufen. Sie halten sie für besser und sie erinnern an die Leute auch an ihre Vergangenhei - die wäre ja nicht nur schlecht gewesen. Das sagt auch Jens Nerlich vom Leipziger DDR-Laden Allerlei.

Erinnerungen an Erlebnisse und Rituale, die damals schon einen Reiz hatten und aus der zeitlichen Distanz noch schöner wirken, gibt es viele. Die meisten wollen sich nicht davon trennen und umgeben sich auch heute noch gern damit. Eine kürzlich erschienene Studie über Wohnverhältnisse ermittelte sogar den Typ des DDR-Nostalgikers, der auch gerne Ostalgiker genannt wird. Auch Tobias Hollitzer, der den ehemaligen ostdeutschen Staat stark kritisiert, kann das nachvollziehen.

Mit Geschichten von damals angefüllt, bekommt die DDR-Zeit fast schon Kultfaktor. 2003 kam es deshalb zu einer regelrechten Ostalgiewelle, Filme und Fernsehshows erhoben die DDR zum Kult und zeigten ein Volk, das versuchte trotz Schwierigkeiten Spaß zu haben. Inzwischen begeistern die Ostalgie-Produkte auch eine Jugend, die die DDR kaum noch miterlebte. Auf einmal war es wieder "in" Trabi zu fahren und Unternehmer richteten dafür extra einen Verleih ein; Halloren-Kugeln wurden "unser Produkt". Alles eigentlich harmlos - Tobias Hollitzer versteht den Trend trotzdem nicht so recht: "Damals wollte das keiner". Er findet den Trabi unpraktisch und die Halloren-Kugeln sind für ihn ekliger Marzipanersatz. Außerdem findet er es erschreckend, wie viele Stasi- und SED-Symbole im Sinne der Erinnerung verherrlicht werden. Solche Tendenzen verhinderten eine aufgeklärte Aufarbeitung dieser Zeit. Jens Nerlich sagt allerdings, dass sich viele mit den Ostalgie-Produkten auch an die schönen Seiten der DDR erinnern.

Bericht von Thilo Körting über Ostalgie

Und Action…

Bühne frei für ein neues Parfüm – jugendlich und frisch. Doch eigentlich ist das Parfüm und Deodorant Action viel mehr ein alter Duft, geboren in der DDR vor fast dreißig Jahren. Neu ist, dass er von Gabriele Fritzsche seit fünf Jahren wieder produziert wird. Schwarze Johannesbeere und Moschus dominieren den Duft, der alte Erinnerungen weckt. Seine Produzentin will den Action-Fans ihr geliebtes DDR-Markenprodukt zurückgeben. Mit Ostalgie habe das nicht so viel zu tun, betont sie. Das Action-Parfüm sei ein Regionalprodukt und als solches ist es den Kunden in Erinnerung. Wer nicht den Weg nach Marienburg zu Frau Fritzsche auf sich nehmen will, kann das Parfüm auch einfach im Ossiladen in Leipzig kaufen.

 

Paula Zöhl im Gespräch mit Gabriele Fritzsche von der Parfümerie Saxonia
Ostalgie 2
 

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Thilo Körting
17.07.2014 - 12:19