Bürgersingen

Es macht so glücklich

Singen ist gesund und macht glücklich. Das zeigt auch das Bürgersingen in Leipzig. In den Sommermonaten bringt es jeden Mittwoch rund 150 begeisterte Sänger im Grünen zusammen. Dabei zählt allein die Freude am Singen.
Singende Menschen
Die Teilnehmer beim Bürgersingen

Es ist der 13. August, 16:30 Uhr. Die Wiese vor der Lutherkirche im Johannapark füllt sich langsam. Vor allem ältere Leute um die 70 treffen sich hier, viele kommen mit dem Fahrrad. Einige bringen ihre kleinen Enkel mit, die auf einer Decke auf der Wiese spielen. Diejenigen, die nicht mehr so fit sind, setzen sich auf Klappstühle. Die anderen stehen in einem Halbkreis um sie herum. In einer halben Stunde findet hier das Bürgersingen statt. So wie jeden Mittwoch zwischen Anfang Mai und Ende August.

Das Bürgersingen wird organisiert von der Stiftung „Bürger für Leipzig“. Angelika Kell ist die Vorstandsvorsitzende. Sie erzählt, dass sie sich seit drei Jahren auf der Wiese vor der Lutherkirche im Johannapark treffen, um gemeinsam mit Jung und Alt Volkslieder zu singen. Vor allem ältere Damen sind mit dabei, teilweise kennen die auch noch Volkslieder aus ihrer Kindheit. Andere wiederum haben schon seit Jahren nicht mehr gesungen und freuen sich nun sehr, sich hier mit anderen Leuten, ohne Zwang zu treffen und gemeinsam singen zu können.

Zeitlich begrenzt

Inzwischen sind etwa 120 Leute gekommen, die sich angeregt unterhalten. Unter ihnen ist auch Gabriele Lamotte. Die ausgebildete Sängerin leitet das Bürgersingen musikalisch. Sie schließt ihre Gitarre an den Verstärker an und dann geht es auch schon los. Die Teilnehmer zücken schnell ihre Gesangshefte, und das zum vorletzten Mal in dieser Saison. Deshalb sind die Teilnehmer schon etwas traurig. Zur Aufmunterung wird gleich erst mal ein Lied gesungen. Vor dem Singen zeigen bei Vielen die Mundwinkel zwar nach unten, aber spätestens nach dem ersten Lied vergeht die schlechte Laune. Die Stimmung wird entspannter. Bei einigen Liedern haken sich die Singenden unter und schunkeln.

Volkslieder verbinden

Einige Lieder kommen aus Schottland oder Frankreich. Hauptsächlich werden aber Volkslieder aus dem deutschen Sprachraum gesungen. Die kennen nämlich die meisten, meint auch Angelika Kell.

Ich glaube, das ist das gemeinsam-Verbindende, was Viele aus ihrer Kindheit einfach noch kennen. Und es ist natürlich auch eine Rechtefrage. Volkslieder sind so alt, dass die Texte und Noten nicht mehr mit Rechten belegt sind und das auch Gema-seitig völlig legal ist.

Angelika Kell, Vorstandvorsitzende "Bürger für Leipzig"

Die meisten Anwesenden scheinen die Lieder tatsächlich auswendig zu kennen. Allerdings gibt es auch Gesangshefte zum Kaufen oder Ausleihen. Das ist vor allem für diejenigen gut, die neu dazukommen. Der Großteil der Gruppe erscheint aber regelmäßig. Dabei entwickeln sich oft auch Freundschaften, wie Angelika Kell beobachtet hat.

Begeisterte Teilnehmer

Inzwischen herrscht eine ausgelassene Stimmung. Alle geben stimmlich, was sie können. Viele bewegen sich im Takt zur Musik. Auch die Kinder werden mit einbezogen. Während des Liedes "Wer hat die Kokosnuss geklaut?" kommen sie nach vorne und spielen die Affenbande. Gabriele Lamotte animiert sie dazu, im Kreis umherzuhüpfen und Affengeräusche zu machen. Die Sängerin ist jedes Mal aufs Neue vom Engagement der Teilnehmer begeistert.

Den meisten Spaß macht es mir, in die Gesichter, in die Augen der Leute zu gucken, die hier teilweise abgehetzt ankommen und anfangen zu strahlen. Und ich muss sagen, mir geht es genauso.

Gabriele Lamotte, Sängerin und musikalische Leiterin des Bürgersingens

Wenn man sich so umschaut, dann sieht man fast nur lächelnde Gesichter. Auch zwischen den Liedern wird ausgelassen gelacht. Die Teilnehmer wollen auf jeden Fall wiederkommen. Einer von ihnen sagt lachend, er folgt seiner Frau, sie sei die eigentliche Sängerin. Weitere Teilnehmerinnen sind ebenfalls begeistert.

Macht ganz schön Laune, vor allem, wenn man früher auch gern gesungen hat. Da fallen einem, man staune, viele Texte wieder ein. - Kommt Vieles wieder hoch. - Auch so in der Gruppe sind die Melodien schneller wieder da. - Und jeder hat hier ein Lächeln im Gesicht.

Teilnehmerinnen des Bürgersingens

Nicht nur die „alten Hasen“ sind begeistert. Auch die neu Dazugekommenen amüsieren sich. Selbst wer sich am Anfang noch nicht so recht getraut hat mitzusingen, fühlt sich schnell als Teil der Gruppe. Denn hier zählt nicht, dass man singen kann, sondern, dass man Spaß hat.

Singende Menschen
Das Bürgersingen unter der Leitung von Gabriele Lamotte (mit Gitarre)

Die Saison des Bürgersingens ist seit Ende August bereits zu Ende. Aber deswegen ist noch lange nicht Sendepause. In der Adventszeit trifft man sich auch zum gemeinsamen Singen. Und es gibt private Singkreise, zu denen eingeladen wird. Ab nächstem Mai heißt es dann wieder: Feuer frei für die Volkslieder im Johannapark.

Den Beitrag zum Thema von mephisto 97.6 Redakteurin Denise Dörries können Sie hier nachhören:

Eine Reportage von Denise Dörries.
1209 Reportage Bürgersingen
 

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