Literaturverfilmungen

Es kommt auf die Atmosphäre an

Wenn Literatur verfilmt werden soll, prallen zwei völlig unterschiedliche Kunstformen aufeinander. Wie kann man also geschriebene Sprache verfilmen? Besonders, wenn es sich bei der Buchvorlage um einen absoluten Klassiker handelt?
Franz Kafka.
Franz Kafka 1917.

Literatur ist ein Medium, das Inhalte in der Regel durch geschriebene Sprache kommuniziert. Der Film hingegen erzählt seine Geschichte zumeist durch bewegte Bilder. Die Medien Buch und Film funktionieren sehr verschieden. Dennoch steht die Erzählweise des Films in der Tradition der Literatur. Deshalb liegt es nahe, bestehende Literatur aufzugreifen und in den Film zu übersetzen. Eines steht dabei fest: der Film wird niemals die Vorlage genau abbilden können. Schnell werden gegen Literaturverfilmungen Vorwürfe laut, sie seien nicht werktreu. Aber wie kann bei unterschiedlichen Medien überhaupt von „Werktreue“ die Rede sein?

200 Seiten in zwei Stunden?

Bei anspruchsvoller, kanonischer Literatur wird die Eigenschaft „Werktreue“ in besonderer Weise eingefordert. Die Klassiker dürfen nicht verunstaltet werden. Das Werk des Autoren Franz Kafka beispielsweise genießt ein solches Ansehen. In der Schule gehört Franz Kafka zur Pflichtlektüre. Er wurde und wird wie kaum ein Zweiter rezipiert und in der Forschung bearbeitet. Der neologistische Begriff „kafkaesk“ ist zum Synonym für eine düstere, undurchsichtige und bedrückende Atmosphäre geworden. Der Roman „Der Prozess“, geschrieben in den Jahren 1914-15, schafft eine genau solche Atmosphäre. Ein junger Mann gerät in Konflikt mit der Justiz. Obwohl er sich keiner Schuld bewusst ist, begibt er sich in den Prozess hinein. An dem übermächtigen und ungreifbaren Gerichtsapparat wird er jedoch zugrunde gehen.

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter.

Aus der Türhüterparabel, „Der Prozess“

Gerade dieses Buch hat sich der Regisseur Orson Welles herausgesucht, um einen Film daraus zu machen. Ein gewagtes Unterfangen, gilt doch Kafka immer noch als unverfilmbar. Mit „The Trial“ hat Orson Welles aber trotzdem einen brillanten, kafkaesken Film geschaffen.

mephisto 97.6 Redakteur Felix Krause hat sich mit der Lektüre „Der Prozess“ und dem Film „The Trial“ beschäftigt:

Felix Krause hat sich mit "Der Proceß" von Franz Kafka und "The Trial" von Orson Welles beschäftigt.

Neben Ausscnitten des Films wurde folgende Musik verwendet:
Parvus Decree, Fin de Siècle, Creative Commons Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0.

Felix Krause hat sich mit "Der Proceß" von Franz Kafka und "The Trial" von Orson Welles beschäftigt.

 

 

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