Oper

"Es ist ein gehobener Zustand"

Ulf Schirmer ist Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Leipzig. Im Interview spricht er über die Freude am Dirigieren, das Projekt Wagner 22 und das gesellschaftliche Engagement der Oper.
Ulf Schirmer
Ulf Schirmer ist Intendant und Generalmusikdirektor der Oper Leipzig

Am Freitag (12.04.) wird in Chemnitz die sächsische „Erklärung der Vielen“ vorgestellt. Das Dokument haben sächsische Kulturinstitutionen gemeinsam erarbeitet. Die Oper Leipzig hat die Erklärung der Vielen mit erarbeitet und Ulf Schirmer hat dabei die Erklärung unterzeichnet. Er ist  Intendant und Generalmusikdirektor der Oper. In diesen Tagen ist er besonders gefordert. Am Wochenende wird er die letzten zwei Teile von Wagners "Ring des Nibelungen" dirigieren. Das sei zwar anstrengend, aber auch etwas sehr besonderes.

„Es ist ein gehobener Zustand. Es ist Ringzeit. So wie Weihnachten oder Ostern. Während dieser Zeit tun sich auch immer wieder Kraftquellen auf. Nur wenn es dann vorbei ist, zwei Tage später, merke ich es deutlich. Ich nehme mir dann immer zwei Tage frei.

Im Mai wird Schirmer sogar alle vier Opern des Rings an aufeinanderfolgenden Tagen dirigieren. Die Aufführungen sind Teil des Vorhabens „Wagner 22“. Die Oper hat sich das Ziel gesetzt, bis 2022 alle elf Opern von Richard Wagner zu spielen. Dieses Projekt habe sich aber erst nach und nach entwickelt.

Bis 2022 alle Opern von Wagner

Die Aufführung aller Opern Wagners in der Reihenfolge ihrer Entstehung wird für Schirmer ein letzter Höhepunkt sein. Nach dreizehn Jahren als Generalmusikdirektor und Intendant tritt er 2022 ab. Unter seiner Führung orientieren sich die Inszenierungen der Oper Leipzig an der Musik. So verzichten sie, anders als an anderen Häusern, auf bewusste Provokationen des Publikums.

Der Fokus auf die Musik kommt nicht von ungefähr. Schirmers Tätigkeit als Intendant ist geprägt davon, dass er selber Dirigent ist. Zusätzlich ist er Generalmusikdirektor der Oper. So arbeitet er eng mit dem Gewandhausorchester zusammen, das die Opern begleitet. Es gilt als eines der besten Orchester der Welt. Für größere Ensembles sei ein Dirigent unabdingbar. Gerade in der Oper Leipzig säßen die Instrumentengruppen sehr weit auseinander.

Wäre ich als Intendant angetreten und hätte gesagt, passt mal auf, ich habe eine Idee: Nach 13 Jahren spielen wir den ganzen Wagner, da hätte mir doch jeder den Vogel gezeigt.

Auch Richard Wagners Werke sind musikalisch anspruchsvoll. Wagner vergrößerte die Orchester, um die Wirkung seiner Musik zu verstärken. Brachial, fast wie im Film, hat er die nordischen Sagen vertont, die dem „Ring“ zugrunde liegen. Das schätzten auch viele Nationalsozialisten. Wagner war Adolf Hitlers Lieblingskomponist und hetzte schon zu Lebzeiten gegen Juden. Der Oper Leipzig sei sein schwieriges Erbe bewusst, sagt Ulf Schirmer.

Gesellschaftliches Engagement

Die Oper Leipzig engagiert sich auch sonst auf vielfältige Art und Weise: Zur sogenannten „Earth Hour“ wurde die Außenbeleuchtung für eine Stunde abgeschaltet. Und wenn auf dem Augustusplatz Demonstrationen stattfinden, hängen an der Oper Transparente, die für Vielfalt, Toleranz und Offenheit werben.

 

Das ganze Interview zum Nachhören findet ihr hier:

Das ganze Interview: Opernintendant Ulf Schirmer im Gespräch mit Redakteur Lucas Wotzka
Interview mit Schirmer
 

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Ulf Schirmer (*1959), Oper Leipzig

Intendant und Generalmusikdirektor (seit 2009)

Nächste Aufführungen:

Sa., 13.4.: Siegfried

So., 14.4.: Götterdämmerung

Mo., 22.4.: Der Fliegende Holländer