Rechte Aufmärsche in Chemnitz

"Es geht darum, das Land zu verteidigen"

Seit einem Mordfall vor einer Woche rufen rechte Gruppen in Chemnitz zu Kundgebungen auf. Zuletzt wurde dabei nicht nur gegen Personen aus dem Ausland gehetzt. Viele Chemnitzer wollen das nicht länger hinnehmen.
Die Band Madsen unterstützte den Protest gegen die Kundgebungen der AfD und der rechten Vereinigung "Pro Chemnitz".

Zu den aktuelle Geschehnissen mephisto 97.6 Redakteurin Anneke Elsner aus Chemnitz:

Liveschalte aus Chemnitz

 

Die AfD und "Pro Chemnitz" versuchen seit einer Woche, einen Mordfall in Chemnitz für ausländerfeindliche Stimmungsmache zu instrumentalisieren, weil ein Syrer und ein Iraker als Täter beschuldigt werden. Am Montag, den 27. August, kam 7.000 Menschen zu einer Kundgebung von "Pro Chemnitz" zusammen. Dabei wurde gegen Personen aus dem Ausland gehetzt, Menschen verfolgt, Hitlergrüße wurden gezeigt. Die Polizei schien unterbesetzt und überfordert.

Am Samstag, 1. September, hatten dann wieder AfD und "Pro Chemnitz" Kundgebungen angemeldet. Viele Chemnitzer wollten das nicht länger hinnehmen. Unter dem Motto "Herz statt Hetze" hatte unter anderem das Bündnis "Chemnitz Nazifrei" zu Gegenprotesten aufgerufen.

Also ich war am Montag schon hier gewesen, und ich war sehr erschrocken über die Massen von Rechten und die Art und Weise, wie die sich dort aufgeführt haben.

Chemnitzerin

Knapp zweitausend Polizeikräfte sichern die Stadt

Mobilisiert hatte auch die Polizei: Mit Verstärkung aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei war sie nun mit 1.800 Einsatzkräften auf der Straße, um die politischen Lager zu trennen. Dennoch schafften es rund 300 Aktivisten, die Strecke der rechten Demonstrationsroute zu blockieren. Mehrere Regionalzüge waren am Nachmittag überfüllt, weil zahlreiche Personen aus Leipzig zu den Gegendemonstrationen anreisen wollten. Unterstützung gab es auch von Seiten der Landes- und der Bundespolitik. So waren der sächsische Wirtschaftsminister Martin Duhlig (SPD) vor Ort, aber ebenso Spitzenpolitikerinnen und -politiker von SPD, Die Linke und Bündnis 90/ Die Grünen.

Hier tun sich rechtspopulistische und rechtsextreme Bewegungen zusammen. Jetzt sieht man das wahre Gesicht der AfD, und da ist wichtig, dass jetzt alle aufstehen und dagegenhalten. Jetzt sind alle gefordert, sich zu bekennen.

Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär

Insgesamt standen etwa 4.000 Gegendemonstrierende rund 4.500 Teilnehmenden der rechten Kundgebungen gegenüber. Auch wenn es insgesamt friedlich blieb, gab es doch Berichte über einige Angriffe aus dem rechten Lager auf Gegendemonstrierende und die Polizei. Dort kam es auch mehrfach zu gewaltsamen Handlungen gegenüber der Presse.

Die rechte Stimmungsmache wird Chemnitz noch eine Weile beschäftigen. Am Montag, den 3. September, spielen zahlreiche bekannte Bands, darunter Kraftklub und Die Toten Hosen. Sie wollen damit ein Zeichen gegen Rechts setzten.

Moderator Janek Kronsteiner im Gespräch mit Anton Walsch zu den Demonstrationen in Chemnitz.
SG-Chemnitz_0309_2018

 

 

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Anton Walsch
03.09.2018 - 16:42

Der Artikel wurde am Montag den 03.09.18 um 20:15 aktualisiert.