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Erzieherporträt

Was beschäftigt die Erzieherinnen und Erzieher von Leipzig? Was sind ihre Wünsche und Forderungen an die Landespolitik? Genau darüber haben wir mit dem Leipziger Erzieher Andreas Sarakacianis gesprochen.
Erzieher Andreas Sarakacianis
Andreas Sarakacianis

Andreas Sarakacianis arbeitet seit drei Jahren als quereingestiegener Kindergärtner. Der gebürtige Leipziger hat Erziehungs-Wissenschaften studiert und unter anderem schon als Karriere-Coach gearbeitet. Schließlich hat sich selbst zu seinem Traumberuf als Erzieher gecoacht.

Der Erzieherberuf: geprägt von einer langen  unbezahlten Ausbildung und einem niedrigen Einstiegsgehalt

Obwohl Andreas Sarakacianis im Erzieherdasein seinen Traumberuf gefunden hat, findet er den Beruf in Sachsen nicht besonders attraktiv. Das liegt zum einen an der Ausbildung. Diese dauert für Personen, die kein Abitur haben, fünf Jahre.

Fünf Jahre, da haben andere nen Studium gemacht. Also man braucht sehr lange und man wird tatsächlich nicht bezahlt - man hat ne fünf Jahre Durststrecke vor sich, bis man Erzieher ist.

Andreas Sarakacianis, Leipziger Erzieher

Ist diese Durststrecke überstanden, erwartet die angehenden Kindergärtnerinnen und Kindergärtner oftmals ein niedriges Einstiegsgehalt, so Andreas. Zusätzlich halten viele Erzieherinnen und Erzieher einer vierzig Stunden Woche nicht stand. Obwohl manche Träger zwar das Gehalt schon angehoben haben, relativiert sich das durch die relativ geringen Arbeitszeiten.

Als Vollzeitberuf kaum zu stemmen

Auch Andreas berichtet, dass eine Vollzeit Stelle als Erzieherin oder Erzieher kaum zu stemmen sei. Der Beruf sei vor allem wegen des sächsischen Personalschlüssels zu anstrengend. Offiziell kommen zwölf Kinder auf einen Kindergärtner oder eine Kindergärtnerin. In der Realität sind es allerdings manchmal 15 Kinder und mehr.

Dieser rechnerische Schlüssel, 1 zu 12, beinhaltet nicht, dass die Leute Urlaub machen, dass sie auf Fortbildung gehen und dass sie krank werden können. Das heißt, mit anderen Worten, das ist eine völlig fiktive Zahl, die quasi schon noch viel zu hoch ist.

Andreas Sarakacianis, Leipziger Erzieher

Der Personalschlüssel wird in Sachsen voraussichtlich erst einmal nicht verändert. Stattdessen soll für die Erzieherinnen und Erzieher eine Vor- und Nachbereitungszeit eingeführt werden. So soll die Qualität der Kitas verbessert werden. Die Idee findet Andreas Sarakacianis gut. Die Umsetzung davon hängt allerdings wieder am Personalschlüssel. Je nachdem wie viel Personal vorhanden sei, haben die Erzieherinnen und Erzieher überhaupt Gelegenheit, diese Vorbereitungszeit wahrzunehmen.

Wenn zu wenig Erzieher zur Verfügung stehen, und das ist so mein Erleben, hier in Leipzig, in dieser boomenden Stadt, da reden wir noch gar nicht über Vorbereitungszeit, wobei das irre wichtig ist, weil der Personalschlüssel prinzipiell erstmal nur ausdrückt, die Arbeit direkt am Kind.

Andreas Sarakacianis, Leipziger Erzieher

Zeit, etwas vorzubereiten, bliebe selten – vor allem,  wenn es nur eine Person pro Gruppe gibt.

Personalmangel, Stress und Überforderung der ErzieherInnen statt individuelle und kreative Förderung der Kinder

In der Realität ist der Beruf als Kindergärtnerin oder Kindergärtner geprägt von Personalmangel, Stress und Überforderung. Andreas Sarakacianis fordert die Politik daher auf, dringend in das Kitasystem zu investieren. Es müssten bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden, um das Personal im Beruf zu halten. Aktuell kann Andreas sich nicht vorstellen, den Beruf bis zur Rente durchzuhalten. Das liegt für ihn auch daran, wie das Konzept Kita aktuell in Sachsen umgesetzt wird. Für ihn kommen Kreativität und Individualität in Kindertagesstätten zu kurz. Unter dem Druck der Überforderung erziehen viele Kindergärtnerinnen und Kindergärtner die Kinder sehr streng und hierarchisch, erklärt er.

Da stell ich mir schon so einen Gegenentwurf vor zu diesem: Alle müssen das gleiche können, am besten noch in der gleichen Zeit, und wer es nicht kann, der ist ein bisschen „zurück geblieben“. Sondern genau umgedreht, zu sagen: Jedes Kind ist was besonderes und kann was besonderes und ich hab das Gefühl, das kommt überhaupt nicht im Kitaalltag raus.

Andreas Sarakacianis, Leipziger Erzieher

Es sei besonders wichtig für die Kinder, nicht nur gehorsam zu lernen. Nur wenn Individualität und Kreativität gefördert werden, können Menschen heranwachsen, die unsere Demokratie von morgen mittragen und -gestalten.

Dafür veranstaltet Andreas sogar einen Online Kongress. Alle weiteren Infos dazu befinden sich in der MetaBox rechts vom Artikel.

Der Beitrag zum Nachhören:

Redakteurin Enya Unkart im Gespräch mit dem Leipziger Erzieher Andreas Sarakacianis
Wählerschaftportrait Andreas Sarakacianis

 

 

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Um konkret etwas an der Kindererziehung in Kitas zu ändern, hat Andreas Sarakacianis einen Online Kongress ins Leben gerufen. Der kostenlose Kongress "KitaRevolution - Begegnung auf Augenhöhe" findet vom 09.09.2019 bis zum 19.09.2019 statt. www.KitaRevolution.de