CD der Woche

Erfolg dank Melancholie

Die vierköpfige Britpop-Band Elbow aus Manchester meldet sich auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Popularität mit einem neuen Album zurück, dem melancholischen "Little Fictions".

Sechzehn Jahre sind vergangen, seitdem Elbow 2001 mit Asleep In The Back ihr Debütalbum herausbrachten. Sechzehn Jahre, in denen sich für die Band einiges verändert hat. Ihr Erstling brachte der Band zwar bereits gute Kritiken und ein gesundes Maß Aufmerksamkeit ein, war jedoch nur ein Vorgeschmack auf den späteren Erfolg der Jungs aus Manchester. Mit ihrem vierten Album The Seldom Seen Kid gewannen sie 2009 den begehrten britischen Mercury Prize, 2012 durften sie die Berichterstattung der BBC anlässlich der Olympiade in London musikalisch untermalen und mit ihrem sechsten und bislang letzten Album The Take Off and Landing of Everything landeten sie sogar auf Platz eins der britischen Albumcharts. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an das nachfolgende Album Little Fictions.

Dass der Erfolg nicht spurlos an dem Quartett um Sänger Guy Garvey vorbeigegangen ist, beweist schon der Opener Magnificent (She Says). Der Song wirkt dank der Streicher-Unterstützung des Hallé-Orchestras aus ihrer Heimatstadt angemessen hymnisch und wie für große Stadien gemacht. Elbow-Neulinge dürften jedoch etwas enttäuscht sein, dass die Band nach dem mitreißenden Auftakt erst mal ein paar Gänge zurückschaltet und über die verbleibende Dauer des Albums nicht mehr vollständig zu dieser direkten Wucht zurückkehrt. Kenner der Band wiederum werden vor allem in den späteren Tracks den für Elbow typischen subtilen Spannungsaufbau wiedererkennen.

Von Coldplay über Genesis bis Radiohead

Ihrem Sound bleiben sich Elbow auch sonst weitestgehend treu. Der pegelt sich irgendwo zwischen melancholischem Britpop und komplexem Progressive Rock ein. Die Band selbst nennt Genesis, Talk Talk und Radiohead als Einflüsse. Vor allem an Letztere fühlt man sich auf Little Fictions häufiger erinnert. Elbow geben sich jedoch nie so sperrig, elektronisch und experimentell wie die Avant-Garde-Gruppe um Thom Yorke auf ihren letzten Outputs, sondern bleiben vergleichsweise zugänglich. Tracks wie Trust the Sun hätten sich jedoch auch auf Radioheads In Rainbows wohl gefühlt. Ein weiterer Unterschied ist Guy Garveys warme, eher tiefe Stimme, die dem Album eine einladende Atmosphäre verleiht. Diese trägt auch poppige Nummern wie das an Coldplay erinnernde All Disco. Dieser Song ebenso wie Gentle Storm dürfte jedoch von vielen Fans als etwas zu kitschig und anbiedernd wahrgenommen werden. Chancen auf Radio-Airplay haben sie damit aber allemal.

Fazit

Am besten ist Little Fictions immer dann, wenn sich Elbow auf ihre Stärken besinnt und die Songs die richtige Balance zwischen Komplexität und Eingängigkeit finden. Dies gelingt ihnen besonders auf dem Titeltrack sowie mit Firebrand & Angel und K2. Die Songs leben vom besagten subtilen Spannungsaufbau und entfalten erst bei mehrmaligem Hören ihre volle Wucht. Insgesamt dürften Elbow mit Little Fictions ein Album geschaffen haben, dass sowohl Fans und Neulingen genügend Einstiegspunkte bietet. Man bekommt jedoch ein wenig den Eindruck, dass auf Little Fictions die Schere zwischen Mainstream und Kunst etwas weiter auseinandergeht, als auf bisherigen Alben der Band. Fans von Britpop der melancholischen Sorte, die bisher noch nicht mit Elbow vertraut waren, sollten trotzdem mal ein Ohr riskieren.

 

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Elbow: Little Fictions

Tracklist:
  1. Magnificent (She says) *
  2. Gentle storm
  3. Trust the sun
  4. All disco
  5. Head for supplies
  6. Firebrand & angel *
  7. K2 *
  8. Montparnasse
  9. Little fictions *
  10. Kindling
Erscheinungsdatum: 10.02.2017
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