Konzertbericht: Sam Vance-Law

Er kam, sang und dirigierte

Für lange Zeit hörte und machte der Kanadier nur klassische Musik. Das Schicksal brachte Sam Vance-Law dann auf den Weg Richtung Pop-Musik und letzten Montag auch nach Leipzig, wo er sein Debütalbum präsentierte.
Sam Vance-Law
Sam Vance-Law im Leipziger Naumanns.

Montag, 19 Uhr, Naumanns: Nach und nach trudeln immer mehr Menschen in den kleinen Konzertraum an der Seite des Felsenkellers im Leipziger Westen. Das Bar-Personal ist bereit, der Flyer-Verteiler steht am Eingang und verteilt fleißig Flyer an die, die es geschafft haben ihr Ticket gegen einen Stempel auf dem Handgelenk einzutauschen.
Die Fläche vor der (viel zu kleinen) Bühne wird immer voller und beinahe pünktlich bahnt sich eine junge Frau ihren Weg nach vorne, schnappt sich ihre Gitarre und läutet den Abend ein: Alex The Astronaut aus Australien begleitet Sam Vance-Law auf seiner aller ersten Tour und ist wahrscheinlich das niedlichste, was das Naumanns seit langem gesehen hat.  

Die Singer-Songwriterin singt zu eingängigen, wenn auch einfachen Gitarrenmelodien über ihre Liebe zur Musik, ihrer Liebe zu New York und ihrer Liebe zum gleichen Geschlecht. Sie leitet jeden Song wahnsinnig sympathisch ein („How do German bakers greet eachother? – Gluten Tag!“), erzählt von ihrem Treffen mit dem richtigen Astronauten Alexander Gerst und hält eine emotionale Ansprache zum Thema Ehe für Alle (Song: „Not Worth Hiding“), bevor sie unter viel Applaus die Bühne verlässt.

Why so emotional?

Diesen Applaus, der dann doch etwas lauter ausfällt, bekommen auch die vier Bandmitglieder von Sam Vance-Laws Band und schließlich auch der Sänger selbst, der jetzt im legeren Anzug und mit einem Grinsen im Gesicht vor seinem Publikum steht. Noch bevor er den ersten Song beginnt, bedankt sich das gebürtige Kanadier erstmal, schließlich sei das hier ja sein erstes richtiges Konzert und es wäre toll, dass so viele Leute gekommen sind. Dann geht es mit „Let’s Get Married“ los und setzt damit den Ton für das gesamte Konzert: poppige Melodien, charmant arrangierte Choreinlagen und einen Stimme, deren klassische Ausbildung man definitiv nicht leugnen kann.
Über „Narcissus 2.0“, „Isle of Man“ und „Stat. Rap“ erreicht der Abend mit „Blissfull Times“, einer gerade fertig gestellten, traurigen Ballade und dem mindestens genauso traurigen „Wanted To“ seinen emotionalen Höhepunkt. Sam Vance-Law ist aber kein durchweg trauriger Mensch, sondern schafft es durch ironische Bemerkungen und sexy Tanzeinlagen die Stimmung nicht komplett nach unten zu ziehen. Nach einer „viel besseren“ Version von Mac DeMarcos „My Old Man“, der am selben Abend in Leipzig spielt, kommt wieder Schwung in die Setlist und spätestens bei „Gayby“ hat wieder jeder im Publikum Spaß.

Kommt ein Kanadier nach Deutschland...

Und was fehlt, wenn ein Kanadier, der eigentlich seit 8 Jahren in Deutschland lebt auf der Bühne steht? Richtig! Ein deutscher Song! Die Wahl von Sam Vance-Law fällt auf „Eisbär“ der NDW-Band Grauzone. So ein bisschen seltsam ist es schon dem meistens als „Dandy“ bezeichneten Sänger dabei zu zusehen, wie er „Ich will ein Eisbär sein.“ ins Mikro brüllt, aber warum eigentlich nicht? 

Nach „Prettyboy“ dreht die Band mit „Fagott“ den Rock-Faktor nochmal richtig auf und vor „I Think We Should Take It Fast“ warnt der Kanadier, dass jetzt das letzte fröhliche Lied kommt und er jeden, der mit einem guten Gefühl nach Hause gehen will darum bittet, doch bitte jetzt den Raum zu verlassen. Denn nach diesem, fast letzten, Song spielt Sam Vance-Law ohne Band ein bisher unbenanntes, trauriges Lied in dem er seine verflossene Liebe mit einer Alkoholsucht vergleicht. Fun!

Fazit

Sam Vance-Law steht nicht nur auf der Bühne und singt seine Songs, vielmehr dirigiert er durch den Abend. Immer wieder dreht er sich zu seiner Band um, um alles unter Kontrolle zu haben und gibt den Takt vor. Seine Violinen-Skills zeigt er genau so wie seine schöne Bariton Stimme und trotz all dieser Präzession verliert der Auftritt der Wahl-Berliners nicht an Witz und Emotionalität. Denn eines ist sicher: an diesem Abend sind viele Tränen gerollt. Vor Lachen oder vor Weinen.  

 

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Marie Jainta
30.10.2018 - 10:00
  Kultur

Setlist: Leipzig, Naumanns, 22.10.2018

1) Let's Get Married

2) Narcissus 2.0

3) Isle Of Man

4) Stat. Rap.

5) Blissfull Times

6) Wanted To

7) My Old Man

8) Gayby

9) Eisbär

10) Prettyboy

11) Faggot

12) I Think We Should Take It Fast

13) I've been Drinking

 

 

Vor dem Konzert haben wir Sam Vance-Law zum Interview getroffen. Ihr könnt das Gespräch über Musikpreise, Mac DeMarco und sein Debüalbum "Homotopia" hier nachhören.