Rocken am Brocken

Elend ohne Sorge

Drei Tage unter dem Motto Natur, Musik, Freundschaft. Das ist das Rocken am Brocken Festival in Elend bei Sorge. Unter den 4000 Besuchern waren auch Marie Jainta und Lucie Herrmann. Die Mädels aus dem Musikressort haben ihre Erfahrungen festgehalten.
Rocken am Brocken
Wir waren bei der elften Ausgabe des Rocken am Brocken Festivals dabei!

Dass mephisto 97.6 Redakteure auf Festivals unterwegs sind, ist keine Seltenheit. Wenn allerdings gleich zwei Freundinnen für den Sender auf einem Festival am Start sind, dann ist das die beste Gelegenheit, Spaß und ein bisschen Arbeit unter einen Hut zu bekommen.

Das Festivalgelände
Das Festivalgelände

 

Und genau das haben wir auch ganz gut geschafft. Zusammen waren Marie und ich auf dem Rocken am Brocken Festival. Zwischen Konzerten und leckerem Essen blieb dabei auch Zeit für Interviews, Fotos und, und, und. Zusammengefasst ist das alles jetzt im einzig wahren Festivaltagebuch zum Rocken am Brocken. Für einen groben Überblick zu diesem doch eher kleinen Festival hat übrigens Marie gesorgt.

mephisto 97.6 auf dem Rocken am Brocken Festival
mephisto 97.6 auf dem Rocken am Brocken Festival
Natur, Musik, Freundschaft - ein Beitrag über das Rocken am Brocken Festival von Marie Jainta

Donnerstag, 15.10 Uhr

Nachdem wir den halben Harz durchquert haben, kommen wir kurz nach drei am Festivalgelände an. Freunde setzen uns am Gästelisteneingang ab. Spätestens jetzt wissen Marie und ich, welche Vorteile es haben kann, wenn man beim Radio arbeitet. Innerhalb von zwei Minuten sind unsere Personalausweise gecheckt und die Bändchen an unserem Arm. Einziges Problem: Die Foto- und Pressepässe sind noch nicht da. Statt uns deshalb zu stressen, ziehen wir samt unserem Gepäck auf den Teamcampingplatz. Nach 15 Minuten steht unser Zelt. Gefüllt ist es aber erst mal nur mit Essensvorräten - den Rest bringt mein Vater uns später vorbei.

Der Campingplatz
Der Campingplatz

Donnerstag, 16.30 Uhr

Zufällig treffen wir unsere Freunde und bekommen fast zeitgleich unseren Fotopass. Einen kleinen Rundgang über das Gelände und ein erfolgreich ergattertes Programmheft später sitzen wir wieder vor unserem Zelt. Der Wind weht ein bisschen stärker als wir es von Leipzig gewohnt sind, aber die Sonne scheint: Es ist erstaunlich gutes Wetter im Harz.

Eine Stunde später steht das erste Interview an. Halb sechs sitzen wir mit den Emsländer Jungs von RAZZ im Künstlerdorf. Während des Gesprächs fällt ein ziemlich massiver Kronleuchter von der Decke, der uns alle nur knapp verfehlt - was eben so passiert. Trotz oder gerade wegen dieser Nahtoderfahrung bekennen sich RAZZ im Interview als echte Rocken am Brocken Liebhaber und unsere Vorfreude auf ihre Show steigert sich ins Unermessliche.

RAZZ im Interview mit Lucie Herrmann
RAZZ im Interview mit Lucie Herrmann.
Musikredakteurin Lucie Herrmann im Gespräch mit Niklas und Christian von RAZZ.
RAZZ im Interview mit Musikredakteurin

Donnerstag, 19 Uhr

RAZZ
RAZZ auf der Bühne

Nachdem auch das übrige Gepäck bei uns angekommen ist und wir unser Zelt so eingerichtet haben, wie man ein Zelt eben einrichten kann, haben wir es jetzt auch auf das richtige Festivalgelände geschafft. Vom Handbrot gestärkt, stehen wir bei RAZZ in der ersten Reihe. Weil die Jungs zum fünften Mal in Folge beim Rocken am Brocken spielen, überreichen sie ihrem Bandbetreuer Jonas einen überdimensionalen Ehering und heiraten das Festival - zumindest symbolisch. Im Gegenzug bekommen die Jungs einen Kuchen geschenkt und Jonas darf zum ersten Mal crowdsurfen.

RAZZ auf der Bühne

 

Donnerstag, 20.30 Uhr

Für uns geht es jetzt in den Jägerzirkus. Hier spielen Warhaus, die zwar etwas neben der Spur erscheinen, aber irgendwie auch ganz geil sind. Auf jeden Fall passen sie ziemlich gut in das Zirkuszelt, das im Ernstfall nicht nur vor Regen schützt, sondern in dem auch eine tolle Atmosphäre herrscht.

Warhaus
Warhaus im Jägerzirkus

Das ganze Gegenteil gibt es dann aber auf der großen Bühne. Bosse überrascht uns mit einer abgefahrenen Bühnenshow. Schon beim zweiten Song steht er im Publikum. Nachdem die Band vor acht Jahren das letzte Mal beim Rocken am Brocken auf der Bühne stand, scheint es jetzt so, als ob sie die gesamte angestaute Energie rauslassen. Geht ganz schön ab! Bosse macht, dass unsere Beine nicht mehr stillstehen, sodass wir am Ende der Show doch ein bisschen kaputt sind.

Bosse auf der Brockenbühne
Bosse auf der Brockenbühne
Bosse auf der Brockenbühne

 

Donnerstag, 0 Uhr

Erst mal erholen. Wir sitzen vorm Zelt. Unser leuchtender Regenschirm bringt Licht ins Dunkel. Ein bisschen trinken, ein bisschen snacken, damit wir später wieder durchstarten können. Kurz vor eins machen wir uns wieder auf zum Festivaleingang. Keine fünf Minuten muss man hier auf den Einlass warten. Hach, kleine Festivals sind schon was Schönes!

Der Eingang zum Festival
Der Eingang zum Festival

Nach einem kurzen Spaziergang über das Gelände, das von Lichterketten in Bäumen und angestrahlten Dekorationen erhellt wird, erreichen wir schnell unser Ziel: den Jägerzirkus. Hier legt DJ!Mauf auf. Er startet seine Show, nachdem der letzte Ton von Schluck den Druck verklungen ist und das Zelt ist innerhalb von zwei Minuten rappelvoll. "Another drinking DJ with an indie problem" steht auf seinem Banner. Neben guter Musik gibt es aber auch einen Roboter, Konfetti und viele Seifenblasen - das ist unser Ding. Bis halb vier tanzen und singen wir, sodass die Kälte nicht zu spüren ist. Schnell machen wir uns auf in Richtung Zelt und verkriechen uns, eh die Wärme uns verlassen kann.

Liebe zum Detail auf dem Festivalgelände
Liebe zum Detail auf dem Festivalgelände
Liebe zum Detail auf dem Festivalgelände

 

Freitag 10.30 Uhr

Wir haben überraschend lang geschlafen. Es macht sich eben doch bemerkbar, wenn unter den Zeltnachbarn Securitys und Mitarbeiter sind - so werden wir nämlich nicht vor 10 Uhhr mit "Guten Morgen, Guten Morgen, Guten Morgen Sonnenschein" beschallt. Weil es das Wetter gut mit uns meint, frühstücken wir draußen, ich flechte Maries Haare und zusammen lassen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen. Wegen dieser Faulheit verpassen wir auch Yoga - eines der vielen Workshop-Angebote auf dem Rocken am Brocken. ​Gegen eins stehen wir am Eingang zum Backstagebereich. Abgeholt werden wir dort von Lennart und Jakob, also zwei Fünfteln von Leoniden. Das Interview findet im gleichen Zelt wie das Gespräch mit RAZZ statt. Ich warne die Jungs vor unsicheren Lampen; Marie beginnt mit Jakob ein passioniertes Gespräch über die Serie "Party, Bruder."

Leoniden im Interview mit Marie Jainta.
Leoniden im Interview mit Marie Jainta.
Musikredakteurin im Gespräch mit Jakob und Lennart von Leoniden

Freitag, 14 Uhr

Schraubenyeti und das Mammut auf dem Campingplatz
Schraubenyeti und das Mammut auf dem Campingplatz

Da wir uns heute Morgen schon nicht akrobatisch verbogen haben, beschließen wir ein bisschen über den Campingplatz zu schlendern und uns mutig wie immer durch Flunkyballturniere zu kämpfen. Bewaffnet sind wir dabei mit Kamera und Mikro. Mitten auf dem Gelände findet ein Spontankonzert von Schraubenyeti und das Mammut statt. Timing können wir! Später sprechen wir mit anderen Festivalbesuchern und ich lasse mich mit Glitzer verschönern.
Punkt 15 Uhr stehen wir am Eingang zum Festivalgelände, das genau in diesem Moment öffnet.

Glitzer auf dem Campingplatz
Glitzer muss sein

Zeitgleich beginnen Leoniden ihre Show im Zirkuszelt. Eigentlich war ihr Auftritt viertel sechs geplant, weil sie am Abend aber noch beim Oakfield zwischen Hamburg und Bremen auf der Bühne stehen sollen, eröffnen sie jetzt den zweiten Festivaltag. Dass es noch verhältnismäßig früh ist, spürt man im Zirkuszelt nicht. Die Leute gehen ab, moshen ein bisschen und singen lauthals mit. Eine Zugabe gibt's leider nicht - Leoniden müssen immerhin schnell weiter.

Auf der Brockenbühne steht jetzt Pohlmann. Wie holen uns Veggie Pasta und genießen sie, während wir vor der Bühne sitzen und wieder mal unseren Vitamin D Haushalt aufstocken.

Leoniden im Jägerzrikus
Leoniden im Jägerzrikus
Leoniden im Jägerzirkus
Leoniden im Jägerzirkus

Freitag, 18 Uhr

Party im Zuaberwald
Party im Zuaberwald

Nach TakTakTak geht es für uns in den Zauberwald. Normalerweise wäre hier nicht der Ort für die Musik, die uns gefällt. Jetzt habe ich allerdings Marie mitgeschleift, weil gleich die Show von Acrobatic Colours beginnt. Die haben mich schon vor zwei Jahren begeistert. Das DJ-Team legt nicht nur auf, sondern liefert eine richtige Show. Dazu gehören Balkanbeats und Eurodance der 90er, und auch Tänzerinnen, kostümierte Fahnenträger sowie Schnaps- und Centershocks-Verteiler. Außerdem werden Modern Talking CDs und Maulwurf-Shirts verlost. Geht es eigentlich noch besser? Ich denke nicht.

Freitag, 20 Uhr

Van Holzen im Jägerzirkus
Van Holzen im Jägerzirkus

Zwei Stunden Russendisko Deluxe reichen uns. Beschwingt hüpfen wir zur großen Bühne und lassen uns von Milliarden mitreißen. Danach geht es zu Van Holzen. Verdammt junge Band, die schon sehr reifen Deutschrock abliefert. Nach ein paar Songs knurrt uns allerdings der Magen. Mit einer Waffel lassen wir uns im Stroh nieder, lernen Max Martin (oder so ähnlich) kennen und haben viel Spaß! Wir müssen feststellen, dass es im Harz ein ganzes Stück kälter ist als im Flachland. Ich ärgere mich, dass ich meinen Fleecepulli zu Hause gelassen habe. Dieser kleine Ärger ist aber vergessen, als wir in unserem Zelt sitzen. Wir wärmen uns auf, hören Feine Sahne Fischfilet und Neonschwarz vom Zelt aus zu. Wir entscheiden uns, heute mal langweilig zu sein, kuscheln uns in unsere Schlafsäcke und schlafen ein.

Van Holzen im Jägerzirkus

 

Samstag, 9 Uhr

Liebe zum Detail auf dem Festivalgelände
Liebe zum Detail auf dem Festivalgelände

Als wir aufwachen, prasselt der Regen gegen unser Zelt. Unser Frühstück verlegen wir deshalb nach drinnen. Unser Plan, am Akustikpfad teilzunehmen und mit Live-Musik durch Elend zu wandern, fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. In unserer freien Zeit wagen wir uns trotzdem nach draußen und machen einen kleinen Abstecher zu unseren Freunden, die nicht im Zelt, sondern in einer Pension übernachten. Nach einer Dusche fühlen wir uns wieder menschlich und haben alle Glitzerreste entfernt. Beim Blick in den Spiegel fällt mir aber noch eine andere Sache auf: Mein Gesicht hat nicht nur einen Hauch von Rot; über meine Stirn zieht sich auch ein auffällig weißer Streifen, der verblüffende Ähnlichkeit mit dem Glitzerstreifen hat, der am Freitag mein Gesicht zierte.

Samstag, 15 Uhr

Nach Langeweile-Essen und Hörspielhören im Zelt hat der Regen jetzt nachgelassen. Endlich! Der Boden hat sich glücklicherweise nicht in Matsch verwandelt, sodass der Weg zum Festivalgelände nicht in einer Schlammschlacht endet. Halb vier steht Jake Isaac auf der Brockenbühne und macht schon wahnsinnig viel Stimmung. Nach drei Songs müssen wir uns aber von ihm und der feiernden Meute in den Backstagebereich verabschieden. Nach einer kleinen Verzögerung interviewen wir Roosevelt und sprechen über dies und das und jenes.

Roosevelt im Interview mit Lucie Herrmann.
Roosevelt im Interview mit Lucie Herrmann.
Musikredakteurin Lucie Herrmann im Gespräch mit Marius von Roosevelt

Freitag, 17.15 Uhr

Wir sind wieder vor der Bühne. Nach Sea Moya im Jägerzirkus steht jetzt Drangsal vor uns. Guter Typ, guter Entertainer. Wir haben Spaß! Genau wie Gurr. Die stehen nämlich auch im Publikum. Danach treffen wir uns Backstage mit den Mädels, führen ein kleines Interview und stellen fest, wie süß taubengroße Elefanten wären.

Gurr im Interview mit Marie Jainta.
Gurr im Interview mit Marie Jainta.
Musikredakteurin Marie Jainta im Gespräch mit Laura und Andreya von Gurr

​Die Interviews sind jetzt durch und wir sind freie Elfen. Zur Belohnung gönnen wir uns erst mal Falafel. Keine fünf Minuten später steht schon Roosevelt, ganz in weiß, auf der Bühne und bringt die Masse zum Tanzen.

Roosevelt auf der Brockenbühne
Roosevelt auf der Brockenbühne

Genau so geht es auch im Jägerzirkus weiter. Im Zelt ist kaum noch Luft zum Atmen, als Parcels auf der Bühne stehen und gekonnt aussehen wie unsere Väter in den 70ern.

Der Jägerzirkus

 

Parcels im Jägerzirkus
Parcels im jägerzirkus

Samstag, 21.15 Uhr

SXTN auf der Brockenbühne
SXTN auf der Brockenbühne

SXTN - zwei ziemlich gehypte Mädels aus Berlin - rappen. Wir wissen nicht so ganz, was wir von dem weiblichen Prollrap halten sollen. Viel begeisterter sind wir von der Gurr-Liveshow inklusive Überraschungsgast in Form von the one and only Drangsal. Nach der Party mit Gurr sind wir ziemlich fertig und sitzen noch ein wenig im Zirkuszelt, um uns vor der Kälte zu schützen. Von dort sehen wir mit Irie Révoltés einen der Headliner vom Rocken am Brocken. Unseren letzten Festivaltag begießen wir mit einem kostenlosen Jägermeister-Shot und schlafen ein letztes Mal in unserem lieb gewonnenen Zelt.

Gurr im Jägerzirkus

 

Gurr im Jägerzirkus
Gurr im Jägerzirkus

Sonntag, 11.55 Uhr

Unser Zelt ist abgebaut, die Schlafsäcke verstaut und die Matratzen zusammengerollt. Mit riesigen Rucksäcken warten wir auf unseren Abholdiens. Wir müssen uns vom Festival verabschieden. Wir küssen den Rasen und danken dem Rocken am Brocken. Bis nächstes Jahr - dann auch mit Fleecepulli!

 

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Lucie Herrmann
17.08.2017 - 20:01
  Kultur

Kurz und knapp:

Was? Rocken am Brocken Festival
Wo? Elend bei Sorge (Harz)
Unsere Highlights? Bosse, Parcels, Leoniden, Gurr, Razz, Roosevelt

Noch mehr Informationen? brocken.rocks

 

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​Wir haben euch eine Spotify-Playlist mit unseren Lieblingssongs vom Rocken am Brocken zusammengestellt. Kickt hier, um sie zu hören.