Stadtgeschehen

Einweihung des Kurt-Masur-Platzes

Fast 30 Jahre lang war Kurt Masur († 2015) Kapellmeister des Gewandhauses in Leipzig. Er war einer der bedeutendsten Leipziger Persönlichkeiten unserer Zeit. Freitag Mittag wurde ihm zu Ehren der Kurt-Masur-Platz eingeweiht.
Kurt Masur war von 1970 bis 1996 Kapellmeister in Leipzig.

Geboren wurde Kurt Masur 1927 im niederschlesischen Brieg. Die Musik begeisterte ihn schon seit Kindertagen, er selbst spielte Klavier und Violoncello. Aus gesundheitlichen Gründen kam eine aktive Musikerkarriere für ihn jedoch nicht infrage – stattdessen wurde er Dirigent. Masur war zunächst unter anderem bei den Städtischen Bühnen Erfurt, der Dresdner Philharmonie und der Komischen Oper Berlin tätig.

Die Liebe zum Gewandhaus

1970 wurde Kurt Masur dann Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Das Gewandhaus in seiner heutigen Form haben die Leipziger ihm zu verdanken – Masur setzte sich für den Neubau des Gewandhauses ein, welcher 1981 eröffnet wurde.
Bis 1997 spielte der Kapellmeister zusammen mit dem Gewandhausorchester über 900 Tournee-Konzerte. Nach seinem Ausstieg als Gewandhauskapellmeister blieb Masur dem Gewandhaus als Ehrendirigent erhalten. Zudem wirkte er als Chefdirigent am New York Philharmonic Orchestra sowie als Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra. Er war außerdem Chef der musikalischen Leitung des Orchestre National de France in Paris.

Engagement in der Friedlichen Revolution

Neben seinem musikalischen Wirken trug Masur einen erheblichen Teil zur Friedlichen Revolution in Leipzig teil. Vor der Montagsdemonstration am neunten Oktober wandte er sich mit einem „Aufruf zur Besonnenheit“ an die Öffentlichkeit:

Unsere gemeinsame Sorge und Verantwortung haben uns heute zusammengeführt. Wir sind von der Entwicklung in unserer Stadt betroffen und suchen nach einer Lösung. Wir alle brauchen freien Meinungsaustausch über die Weiterführung des Sozialismus in unserem Land. Deshalb versprechen die Genannten heute allen Bürgern, ihre ganze Kraft und Autorität dafür einzusetzen, dass dieser Dialog nicht nur im Bezirk Leipzig, sondern auch mit unserer Regierung geführt wird. Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit, damit der friedliche Dialog möglich wird.

​Kurt Masur

Sein Ziel war es, innere und äußere Freiheit zu erlangen – im Sozialismus unter Führung der Sowjetunion sei dies seiner Meinung nach nicht möglich gewesen.

Offene Türen für die Opposition

Bereits vor der friedlichen Revolution unterstützte Masur die politische Opposition in der ehemaligen DDR. So öffnete er beispielsweise 1989 die Türen des Gewandhauses für Straßenmusiker, nachdem im Rahmen des Straßenmusikfestivals Verhaftungen stattgefunden hatten. Für Masur war dies der erste Schritt des Protests. Mit seiner klaren Haltung sprach er den Leipzigern Mut zu:

Seien wir mutig bei allem, was wir tun, und bleiben wir stark, wenn wir wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ein Ehrenplatz direkt am Gewandhaus

Die Stadt Leipzig widmete dem ehemaligen Gewandhauskapellmeister nun einen eigenen Platz direkt am Gewandhaus, zwischen der Moritzbastei und dem Universitätsgebäude. Damit soll die Erinnerung an den Leipziger Ehrenbürger fest im Stadtbild verankert werden. Masur erhielt außerdem eine Holländische Linde, welche von seinem ehemaligen Büro im Gewandhaus aus zu sehen ist.

Zur feierlichen Eröffnung kamen ungefähr 150 Gäste. Die Zeremonie wurde von Musikern des Gewandhauses und dem Leipziger Thomanerchor begleitet. Masurs Witwe, Tomoko Masur, wünscht sich, dass dieser Platz auch in Zukunft Musik und Menschlichkeit verbinden solle.

​Ein Porträt von Kurt Masur und das Studiogespräch zwischen mephisto 97.6 Redakteurin Ella Kreße und Moderator Thilo Körting zur Einweihung des Platzes gibt es hier zum Nachhören:

Ein Studiogespräch von Ella Kreße.
 
 

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