Die Kolumne

Einfach mal machen

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Lars-Hendrik Setz über die EU als vielleicht größte WG der Welt, ein Europa für die Zukunft und Koalition des Chaos.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Brexit, Flüchtlingskrise und aufkommender Rechspopulismus: Europa hat gerade viele Schwierigkeiten. Wie würdest du dir diese ganzen Probleme vom Hals halten?

Solche Probleme habe ich nicht. Ich bin eher der Macher. Die Europäische Union hingegen ist da der lässige Typ. Wenn es mal darum geht, ein Problem so richtig anzupacken, zeigen alle immer erst mal auf den anderen. Das ist wie in einer riesigen Wohngemeinschaft. Alle stellen ihre dreckigen Tassen in die Spühle. An den Putzplan hält sich dann natürlich niemand. Und wenn mal jemand abwaschen will, ist das Spüli alle. So wird das natürlich nichts. Natürlich sollen alle EU-Bürger alle Freiheiten genießen. Aber nur darüber zu Reden, was alles in der EU geht, löst eben kein Problem. Und es ist erst recht nicht demokratisch. Wenn also mal wieder eine Krise auf dem Program steht, habe ich einen Tipp: Einfach mal machen.

In der EU wird gerade diskutiert, jedem Europäer zum 18. Geburtstag ein Interrailticket zu schenken. Damit soll das Europa-Gefühl der jungen Generation gestärkt werden. Was sind deine TOP 3 Geschenke, die du lieber von der EU-Komission bekommen möchtest?

Heiß oder kalt? Runter oder Rausch? Kolumnist Lars-Hendrik Setz ist das alles egal. Für ihn zählen Worte mehr als Taten.

Liebe EU, danke für so viel halbherziges Mitleid. Bekommen alle ab 69 Jahren dann auch eine gratis Tupperfahrt? Ich habe da nur einen Vorschlag: Wie wäre es mit einem Europa für die Zukunft? Wieso haben seit Jahren junge Menschen aus Spanien, Portugal oder Italien noch immer keine lohnenswerte Perspektive? Da ist es natürlich herzerwärmend, dass alle die Chance bekommen sollen in Paris, Barcelona und Berlin süße Selfies zu schießen und sich als Weltbürger zu erproben. Wenn dann aber zuhause die Langzeitarbeitslosigkeit droht, ist das Europa-Gefühl so hilfreich wie ein vollgerotztes Taschentuch. Das Gegenteil von Gut ist eben gut gemeint.

Am Mittwoch wurde eine Petitionen gegen den ehemaligen EU-Komissionspräsident Jose Baruso eingereicht. Der arbeitet nämlich jetzt für Goldman Sachs. Deshalb fordert die Petition ihn vor dem europäischen Gerichtshof zu verklagen. Wenn du ein EU-Spitzenpolitiker wärst, welche skrupelosen Tätigkeit würdest du nach Amtsende ausüben?

Ich bin eher so der kleinkrimminelle Typ. Am liebsten würde ich eine Gang gründen. Mit Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Oskar Lafontaine. Zusammen wären wir die Rot-Rot-Grüne Koalition des Chaos. In Brüssel würden wir Mülleimer umtreten. Gerhard Schröder würde hinter eine Bushaltestelle pinkeln, während Joschka Fischer Anti-Atom-Sprüche auf eine Straßenbahn sprüht. Währenddessen würden Oskar und ich mit versteckter Kamera Touristen vor dem Europaparlament abziehen. Und abends zelten wir alle in meinem Garten und erzählen uns Gruselgeschichten von damals, als Großbritannien noch in der EU war.

Und nächste Woche?

Bin ich in Mailand. Oder Koppenhagen. Oder Lissabon. Oder Stockholm. Oder London. Oder Paris. Oder Warschau. Oder Limassol. Oder in Athen.

Lars-Hendrik Setz über die EU als vielleicht größte WG der Welt, ein Europa für die Zukunft und Koalition des Chaos.
2010 Kolumne
 

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Lars-Hendrik Setz
21.10.2016 - 10:36

Die Kolumne. Immer mit den guten Fragen der Woche. Und immer freitags im Faustschlag.