Welttag des Tanzes

Eine universelle Sprache

Zum Welttag des Tanzes haben wir mit zwei Künstlern geredet, die für die Leipziger Tanzszene relevant sind.
Die Kunstform Tanz wird am Welttanztag überall gefeiert.
Die Kunstform Tanz wird am Welttanztag überall gefeiert.

Was ist zeitgenössischer Tanz? Muss Tanz modernisiert werden? Welche Rolle spielt dabei die freie Szene? Und gibt es die perfekte Tanzmusik? Diese Fragen haben wir uns zum Welttanztag gestellt.

Die klassischste Tanzform

Deshalb wollten wir uns erstmal mit der klassischsten Tanzform beschäftigen, mit dem Ballett. Vor 250 Jahren veröffentlichte Jean Georges Noverre eine Handvoll Briefe. Darin forderte der Tänzer und Choreograf, dass Ballett eine Handlung haben sollten. Sie sollten weniger steif und viel natürlicher präsentiert werden. Das sorgte zunächst für viel Wirbel, bald folgten aber viele Kunstschaffende diesen Forderungen.

Und so entstand das klassische Ballett, so wie wir es heute kennen. Ohne Worte, sondern nur mithilfe von Tanz und Musik werden Geschichten und Märchen erzählt, die ganze Säle mit Menschen berühren. Die berühmtesten Musiken für diese Ballettstücke stammen aus der Feder von Pjotr Tschaikowski. Dornröschen, der Nussknacker und Schwanensee dürfen heute auf keiner Ballettbühne mehr fehlen.

Tutus und Strumpfhosen?

Mario Schröder, Chefchoreograf des Leipziger Ballets gemeinsam mit unserer Moderatorin Peggy Fischer
Mario Schröder, Chefchoreograf des Leipziger Ballets gemeinsam mit unserer Moderatorin Peggy Fischer

Aber so wie die Literatur, die Malerei oder die Musik entwickelte sich auch das Ballett weiter. Um 1900 entstand eine Tanzform, die sich Ausdruckstanz nennt. Gemeinsam mit dem amerikanischen Modern Dance hat der das Ballett maßgeblich beeinflusst: seit Jahrhunderten festgelegte Bewegungsmuster und auch Geschlechterrollen weichten auf. Und auch die Musizierenden im Orchestergraben spielten neue Musik. Komponisten wie Prokoview, Ravel und Stravinsky spielen nun mit neuen Rhythmen und Disharmonien.

Und zu dieser Musik tanzt auch das Leipziger Ballett. Nur nicht in Tutu und Strumpfhosen. Bei Sacre du Printemps befinden sich auf der Bühne plötzlich 40 Clowns, die stark an Stephen Kings „It“ erinnern. Trotzdem hat sich Chefchoreograf Mario Schröder nicht von den Wurzeln des klassischen Balletts abgewandt. Im Repertoire der Company findet man auch Tschaikowskis Werke wieder. Die Choreografien haben sich aber trotzdem vom 19. Jahrhundert emanzipiert.

Mit Mario Schröder, Chefchoreograf und Direktor des Leipziger Balletts haben wir uns darüber unterhalten, was für ihn zeitgenössischer Tanz ist und warum sich Tanz immer weiterentwickeln muss.

Ballett ist eigentlich Leben. Und diese vielen Formen, die Ballett und Tanz bieten, diese vielen Sprachen sind einzigartig.

Mario Schröder, Direktor und Chefchoreograph des Leipziger Balletts

Moderatorin Peggy Fischer im Gespräch mit Mario Schröder, Chefchoreograph des Leipziger Balletts
 

Der Tänzer als Perkussionist

Wenn es um die Weiterentwicklung von Tanz geht, lohnt sich ein Blick in die freie Kunstszene in Leipzig. Da gibt es nämlich schon seit Jahren viele Tanzende und Choreografen und Choreografinnen, die ständig neue Werke und auch Tanzformen entwickeln. Einer von denen ist Sebastian Weber. Er hat vor 3 Jahren eine Company gegründet, die zeitgenössischen Stepptanz in abendfüllenden Programmen inszeniert.

Aber was ist Stepptanz? Beim Stepptanz trägt man feste Schuhe, an deren Sohlen zwei Metallplatten befestigt sind. Jeder Schritt den man in diesen Schuhen macht, verursacht also ein Geräusch. So wird aus dem Tanzenden gleichzeitig auch ein Perkussionist. Der schlägt Ferse und Ballen in einer bestimmten Abfolge auf den Boden, damit ein Rhythmus entsteht. Time Step, Shim Sham, Cramp Roll: so heißen weit verbreitete Schrittfolgen im Stepptanz. Um die zu meistern, müssen sich die Tanzenden sehr stark auf ihre Füße konzentrieren. Deshalb gibt es meistens keine genauen Vorgaben wie beispielsweise Körperhaltung und Armbewegung aussehen müssen. Der Tap Dance ist deshalb eine Tanzrichtung, die viel Raum für das eigene Körpergefühl und Improvisation lässt. Denn das einzig Bindende ist der Rhythmus.

Freiheit als wichtiges Merkmal

Moderatrin Peggy Fischer gemeinsam mit Sebastian Weber, Leiter der Sebastian Weber Dance Company
Moderatrin Peggy Fischer gemeinsam mit Sebastian Weber, Leiter der Sebastian Weber Dance Company

Mit genau dieser Freiheit arbeitet die Sebastian Weber Dance Company. In abendfüllenden Programmen setzen sich die Tanzenden unter anderen mit gesellschaftlichen Themen auseinander. Ihre letzte Produktion heißt „Cowboys“. Darin geht es um Populisten und deren Macht. Sebastian Weber kombiniert auf der Bühne Tapdance mit zeitgenössischem Tanz. Die Musik wird komplett live gespielt und die Tanzenden arbeiten hautnah mit den Musizierenden zusammen.

Wie das in abendfüllenden Programmen funktioniert und was so besonders an der Leipziger Tanzszene ist, das haben wir Sebastian Weber gefragt.

Das besondere an Stepptanz ist natürlich die enge Verbindung von Musik und Bewegung, das ist was ganz archaisches. (..) Und das hat eine ganz unmittelbare Kraft.

Sebastian Weber, Gründer und Leiter der Sebastian Weber Dance Company

Moderatorin Peggy Fischer im Gespräch mit Sebastian Weber, Gründer und Leiter der Sebastian Weber Dance Company
 
 

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Luise Tasler
30.04.2019 - 11:57
  Kultur