Europawahl 2019

Eine Säule der Demokratie

Das European Center of Press and Media Freedom setzt sich für die Pressefreiheit in Europa ein. Was erwarten sie von der Europawahl?
Der Eingang des Eeropean Center of Press and Media Freedom
Der Eingang des Eeropean Center of Press and Media Freedom

Der Sitz des European Center of Press and Media Freedom, kurz ECPMF ist unscheinbar. An einer ruhigen Straße in Gohlis, im Dachgeschoss einer Gründerzeitvilla hat die Organisation eine handvoll Büroräume. In einem davon sitzt Lutz Kinkel. Er arbeitet seit über 20 Jahren als Journalist, schrieb unter anderen für Zeit, Spiegel Online und Stern. Seit zwei Jahren ist er Teamleiter des ECPMF.

Also die Presse und zwar die unabhängige Presse gehört zu den Checks and Balances einer Demokratie. Und ohne die freie Presse gibt es keine Demokratie, ganz einfach.

Lutz Kinkel, European Center of Press an Media Freedom

Pressefreiheit schützen

Und deshalb will das ECPMF, dass Pressefreiheit bewahrt und in einigen Ländern auch wiederhergestellt wird. Die Organisation setzt sich dafür auf zwei Wegen ein. Zum einen über die Öffentlichkeitsarbeit. Die Mitarbeitenden stellen fest, wo die Pressefreiheit verletzt wird und machen darauf aufmerksam. Sie stehen in Kontakt mit Politikerinnen und Politikern und bekräftigen Vorhaben der Regierungen, Pressefreiheit zu stärken.

Außerdem unterstützt es Journalistinnen und Journalisten, die in schwierigen Situationen sind. Es vergibt zum Beispiel Stipendien für investigative Recherchen. Befinden sich Journalistinnen und Journalisten im Rechtsstreit, vermittelt das ECPMF juristische Unterstützung oder bewacht auch Gerichtsprozesse.

Journalists in Residence

Wenn Journalistinnen und Journalisten in ihrem Heimatland verfolgt werden, können sie sich für das Journalists in Residence Programm bewerben. Sie können dann für ein halbes Jahr ein Stipendium erhalten, sowie einen kostenlosen Wohnsitz in Leipzig. Einer dieser Journalists in Residence ist Murat Bay. Er kommt aus der Türkei. Vor zehn Jahren hat er angefangen Straßendemos mit der Kamera zu verfolgen. Mit der Zeit begann er als freier Fotograf, Reporter und auch Dokumentarfilmer zu arbeiten. In dieser Zeit wurde ihm klar, die Türkei ist Hölle, aber gleichzeitig auch der Himmel für Medien.

Es ist die Hölle wegen dem ganzen Druck, dem Jounralisten in der Türkei ausgesetzt sind. Aber es ist der Himmel, weil es so viele Themen, praktisch auf der Straße gibt. Wir haben jeden Tag so viel zu tun. Als Journalist in der Türkei hat man eigentlich nie genug Zeit.

Murat Bay, Journalist

Vor allem habe Murat Bay nie genug Zeit gehabt, zur Ruhe zu kommen. Er habe bei Straßendemos fotografiert und im kurdischen Kriegsgebiet gefilmt, kam aber nie dazu die Erlebnisse zu verarbeiten. Das Programm des ECPMF kam da gerade Recht. Wenn er wieder in die Türkei zurückkehrt, stellt sich auch sein alter Arbeitsalltag wieder ein.

Europawahl

Bis dahin hat er aber noch ein paar Monate Zeit. Gerade recherchiert er an neuen Geschichten und sortiert alle seine alten Foto- und Videoaufnahmen. Das politische Geschehen in der Türkei und in Europa behält er aber immer im Blick. Besonders gespannt ist er auf die Ergebnisse der Europawahl.

Nach dieser Wahl wird das neue EU-Parlament irgendwann auch etwas über die Türkei, über die Zukunft der Türkei entscheiden. Die Wahl betrifft uns also auch. Wenn sie uns ausgrenzen, dann werden wir im nahen Osten allein sein. Uns ist die EU-Wahl also wirklich wichtig.

Murat Bay, Journalist

Auch Lutz Kinkel schaut gespannt auf die Europawahl. Er glaubt, dass sich das Ergebnis auch direkt auf die Pressefreiheit in Europa auswirken wird. Aber egal, wie die Wahl ausgeht - das European Center of Press and Media Freedom wird immer alle Hände voll zu tun haben. Denn die perfekte Pressefreiheit werde es in Europa und letztendlich auch in der ganzen Welt nie geben, meint Kinkel.

Es gibt so viele Faktoren, die die Pressefreiheit tatsächlich limitieren. Das Paradies gibt’s in der Bibel, aber nicht auf Erden.

Lutz Kinkel, European Center of Press and Media Freedom

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Luise Tasler

Moderation: Sophie Rauch

Ein Beitrag von Luise Tasler
 

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